Gibraltar arbeitet am Fußballwunder | Sport | DW | 15.11.2018
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Nations League

Gibraltar arbeitet am Fußballwunder

Mit den ersten beiden Punktspiel-Siegen in der Geschichte Gibraltars hat Europas Fußballzwerg bereits für Aufsehen in der Nations League gesorgt. Nun könnte für die Amateurkicker noch der ganz große Coup folgen.

Um das große Ziel zu erreichen, muss erst einmal die Pflicht erfüllt werden: Die Nationalmannschaft von Gibraltar muss am Freitagabend gegen Armenien bestehen, um am Montagabend das Fußballwunder womöglich perfekt machen zu können. Sollten zunächst gegen die Armenier und dann auch noch gegen Tabellenführer Mazedonien zwei Siege in Folge gelingen, würden die Kicker des englischen Überseegebietes im Süden Spaniens tatsächlich in der Endrunde um die Qualifikation für die EM 2020 stehen.

Gibraltar, das rund 34.600 Einwohner zählt und damit noch bevölkerungsärmer ist als etwa die Faröer Inseln (rund 49.000), träumt von weiteren Erfolgen. Denn die ersten beiden Siege in Punktspielen dieses wohl kleinsten Fußballzwerges überhaupt in der sehr langen Geschichte des gibraltarischen Fußballverbandes, der bereits fünf Jahre vor dem Deutschen Fußball Bund im Jahre 1895 gegründet wurde, sind gerade einmal ein paar Wochen her.

Tränen des Glücks

Im 23. Pflichtspiel seit Aufnahme in die Europäische Fußball-Union UEFA im Jahr 2013 gelang den Gibraltarern am 13. Oktober beim Hinspiel in Armenien der erste Sieg. Drei Tage später folgte das nächste Highlight: der umkämpfte 2:1-Heimerfolg gegen Liechtenstein - erneut ein historisches Ereignis für Gibraltar. "Wir haben eine gute Truppe, mit einer guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Wir arbeiten hart und haben immer an unsere Chance geglaubt", sagt der rechte Verteidiger Jack Sergeant. Die über 2000 Besucher im heimischen und prall gefüllten Victoria Stadion lagen sich - als der Sieg perfekt war - vor Freude in den Armen.

 

Einigen Spielern liefen sogar ein paar Glückstränen die Wangen herunter. "Ich habe diese Woche Momente erlebt, die ich vielleicht in den nächsten Jahren in Worte fassen kann. Eine Woche voller Geschichte, die wir alle in Erinnerung behalten", twitterte Kapitän Roy Chipolina.

Neuer Trainer bringt größere Wettkampfhärte

Doch diese Erfolgsgeschichte können und wollen die gibraltarischen Feuerwehrleute, Studenten, Polizisten und Angestellten, aus denen die Nationalmannschaft besteht, fortschreiben und eine weitere erfolgreiche Episode folgen lassen. Nach Abschluss der Vorrunde spielen die vier Gruppensieger der Nations League D in Playoffs einen EM-Teilnehmer aus. Und Gibraltar könnte dieses Ticket am Ende lösen. Dafür muss das Nationalteam aber beharrlich bleiben.

Ganz überraschend kommen die jüngsten Erfolge und die neuen sportlichen Perspektiven für die Nationalspieler nicht. "Wir haben uns an das Niveau der Spiele gewöhnt. Wir haben einen neuen Trainer. Auch die Liga in Gibraltar ist professioneller geworden", sagt Sergeant, der in Manchester studiert und in der neunten englischen Liga bei einem Klub namens Didsbury & Chorlton gegen den Abstieg kämpft.

Zeit für Sentimentalitäten

 

Nations League | Gibraltar - Liechtenstein (picture-alliance/dpa/M. Moreno)

Gibraltar-Fans feuern ihr Team während des Spiels gegen Liechtenstein an

Der 61 Jahre alte, äußerst erfahrene Uruguayer Julio Ribas, der erst im vergangenen Juni als Nationaltrainer verpflichtet wurde, hat der Mannschaft innerhalb kürzester Zeit eine größere Wettkampfhärte vermittelt. Wie sehr ihm die Aufgabe, Gibraltars Halbprofis zu verbessern, am Herzen liegt, zeigte sich nicht zuletzt an seiner Reaktion nach dem zweiten Sieg: "Das ist die glücklichste Nacht meines Lebens", freute sich Ribas nach der Partie gegen Liechtenstein.

Es war der richtige Zeitpunkt für so viel Sentimentalität. Ribas' Team gelang schließlich der erste Heimsieg, erstmals konnten sie ein Spiele nach einem Rückstand drehen und das Team hatte auch zuvor auch noch nie zwei Treffer in einem Spiel erzielt. Die Zeit für neue Premieren scheint für Gibraltar reif zu sein - vielleicht schon in den kommenden Tagen.        

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