Gewalt gegen Umweltschützer oftmals ungesühnt | Aktuell Amerika | DW | 17.09.2019
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Brasilien

Gewalt gegen Umweltschützer oftmals ungesühnt

Hinter der Abholzung in Brasiliens Amazonasgebiet stecken oft kriminelle Netzwerke. Wer sich ihnen entgegenstellt, wird bedroht oder angegriffen. Die Täter kommen meist ungestraft davon, wie Human Rights Watch berichtet.

Jeden Tag würden Menschen in Brasilien für den Regenwald ihr Leben aufs Spiel setzen, heißt es in dem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), etwa Aktivisten, Indigene oder Mitarbeiter der Umweltbehörde. Denn laut dem "Rainforest Mafias" betitelten Bericht gehen kriminelle Netzwerke, die im Amazonaswald brandroden, oft gewaltsam gegen ihre Widersacher vor. Demnach setzen sie unter anderem bewaffnete Männer ein, um Umweltschützer einzuschüchtern und in einigen Fällen zu töten.

Mafiöse Strukturen

Wie HRW berichtet, wurden in den letzten zehn Jahren mehr als 300 Menschen im Zusammenhang mit Konflikten um die Nutzung von Land und Ressourcen im Amazonasgebiet getötet - jedoch kam es lediglich in 14 Fällen zu Prozessen. HRW dokumentiert 28 Tötungen und über 40 Morddrohungen, bei denen es glaubwürdige Beweise dafür gebe, dass die Verantwortlichen an illegalen Rodungen beteiligt waren und die Opfer ihren kriminellen Machenschaften im Weg standen.

So sei etwa im Bundesstaat Pará 2018 ein Bewohner getötet worden und ein weiterer verschwunden, nachdem sie angekündigt hatten, den Behörden von illegalen Abholzungen zu berichten. Der Bruder eines der Opfer, der das Verbrechen untersuchte, wurde ebenfalls getötet. Nachbarn zufolge wurden die Männer von einer bewaffneten Miliz umgebracht, welche für ein kriminelles Netzwerk von Großgrundbesitzern arbeitet. Von den 28 dokumentierten Morden ist laut dem Report in nur zwei Fällen Anklage erhoben worden, von den Morddrohungen landete keine vor Gericht.

Bolsonaro macht alles "nur noch schlimmer"

Der HRW-Bericht ist das Ergebnis einer zweijährigen Forschungsarbeit in der brasilianischen Amazonasregion. Rund 170 Personen wurden dabei interviewt, darunter Aktivisten, indigene Anführer sowie Justizbeamte. Die aufgezeigte Straflosigkeit ist HRW zufolge weitgehend darauf zurückzuführen, dass die Polizei nicht ordnungsgemäß ermittelt. Der stellvertretende Leiter der HRW-Abteilung Umwelt und Menschenrechte, Daniel Wilkinson, erklärte: "Die Situation wird unter Präsident Bolsonaro nur noch schlimmer. Sein Angriff auf die Umweltbehörden des Landes bringen den Regenwald und die dort lebenden Menschen in noch größere Gefahr."

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Angriff auf den Amazonas

Der ultrarechte Jair Bolsonaro gilt als eng mit der Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert. Brasilianische Bauern durften zuletzt nicht mehr fünf, sondern 20 Hektar Fläche abbrennen. Die Behörden, die illegale Rodungen verhindern sollen, wurden unter Bolsonaro geschwächt. Als Folge werden immer größere Waldflächen gerodet und anschließend abgebrannt, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu machen. Die Zahl der Brände im Amazonaswald hat sich gegenüber 2018 nahezu verdoppelt.

Zuletzt waren auch durch starke Trockenheit, vor allem aber durch Brandrodung große Feuer im Amazonasgebiet ausgebrochen. Tausende Feuerwehrleute und das Militär kämpfen immer noch gegen die Brände. Wilkinson erklärte: "Solange das Land nicht die Gewalt und die Gesetzlosigkeit bekämpft, die illegale Abholzungen erleichtern, wird die Zerstörung des größten Regenwaldes der Welt ungebremst weitergehen."

ie/hk (kna, HRW)

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