Geschäftsklima: Licht am Ende des Tunnels | Wirtschaft | DW | 24.06.2020
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Konjunkturaussichten

Geschäftsklima: Licht am Ende des Tunnels

Die schlimmsten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise scheinen überwunden. Jedenfalls bessert sich die Stimmung in den deutschen Chefetagen deutlich. Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt zum zweiten Mal in Folge.

Nach dem historischen Tief hellt sich die Stimmung in den deutschen Chefetagen weiter auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Juni stieg auf 86,2 Zähler von 79,7 Punkten im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Dies ist der stärkste jemals gemessene Anstieg. Es ist zudem der zweite Anstieg des wichtigen Konjunkturindikators in Folge, nachdem er im März und April krisenbedingt drastisch eingebrochen war.

"Die deutsche Wirtschaft sieht Licht am Ende des Tunnels", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 85 Punkte gerechnet. Die vom Ifo befragten Manager schätzten ihre Geschäftsaussichten und - erstmals seit Beginn der Corona-Krise - auch ihre Lage wieder günstiger ein als zuletzt.

Die deutlich verbesserte Stimmung in der deutschen Wirtschaft deutet dem Ifo-Institut zufolge auf eine Rückkehr zum Wachstum in der zweiten Jahreshälfte hin. "Wir rechnen ab dem dritten Quartal wieder mit Wachstum", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. "Im Sommerquartal könnte es zu einem Plus von um die sieben Prozent reichen." Im zu Ende gehenden zweiten Vierteljahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt hingegen wegen der Corona-Krise im zweistelligen Bereich eingebrochen sein. "Wir haben das Tal durchschritten, den Tiefpunkt haben wir hinter uns, es geht wieder aufwärts."

Offen sei aber, wie schnell sich die Konjunktur von der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit wieder erhole. "Die Lage in der Industrie ist immer noch sehr schlecht – besonders in den Kernbereichen Maschinenbau, Auto, Chemie und Elektrotechnik", sagte Wohlrabe. "Die Erwartungen verbessern sich in der Industrie zwar deutlich - sie sind aber nur weniger pessimistisch und noch nicht optimistisch."

Prinzip Hoffnung überwiegt

"Der Weg zurück nach oben folgt jedoch einem schmalen Pfad, auf dem man sich trotz massiver wirtschaftspolitischer Sicherungsmaßnahmen jederzeit vor Absturzgefahren in Acht nehmen muss", urteilt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der Kfw-Bank. Für Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe ist die Stimmungsaufhellung "ein Wendesignal ohne großen Wert. Es liegt nahe, dass diese sich bessert, wenn nach dem Stillstand wieder produziert und verkauft werden darf." Andreas Scheuerle von der Deka-Bank meint, von einer Normalität "sind wir noch weit entfernt." Aktuell überwiege das Prinzip Hoffnung: "Die Wirtschaft setzt auf die massive Unterstützung durch die Geld- und Fiskalpolitik sowie auf das Ausbleiben einer zweiten Infektionswelle."
  
Die Viruskrise trifft die Konjunktur mit voller Wucht. Sinkende Konsumausgaben und schrumpfende Investitionen ließen die deutsche Wirtschaft bereits zum Jahresanfang einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel von Januar bis März um 2,2 Prozent und damit so stark wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 nicht mehr. Im laufenden zweiten Quartal dürfte das BIP nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen sogar um zehn bis elf Prozent einbrechen. Ab Sommer rechnen die meisten Experten dann mit einer spürbaren Belebung der Konjunktur.

Die Münchner Forscher verzeichneten quer durch alle Branchen verbesserte Aussichten. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe sind die Erwartungen so stark wie noch nie gestiegen, im Dienstleistungssektor habe sich die steile Aufswärtsbewegung fortgesetzt. Beim Handel hätten sich die Indikatoren zur Lage und zu den Erwartungen ebenfalls merklich erholt, dennoch erwarteten viele Händler weiterhin eine schlechte Geschäftswentwicklung. Auch die Baufirmen bewerten ihre aktuelle Lage im Vergleich zum Vormonat etwas besser. 

Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instiuts gilt als wichtigster deutscher Konjunkturbarometer. Befragt werden jeden Monat 7000 Unternehmen. 

hb/ul/nm (rtr, dpa, ifo-Pressemitteilung) 

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