Gericht: BHP Group verantwortlich für Dammbruch in Brasilien
14. November 2025
Der australische Bergbaukonzern BHP ist nach einem Urteil der britischen Justiz für eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in Brasilien verantwortlich. "BHP haftet als 'Verschmutzer' uneingeschränkt für verursachte Schäden", erklärte der High Court in London mit Blick auf den Bruch eines Dammes in einer Eisenerzmine im Jahr 2015. Das Gericht machte damit den Weg frei für mögliche Entschädigungsansprüche in Milliardenhöhe.
Am 5. November 2015 war in der Mine nahe der brasilianischen Stadt Mariana der Damm eines Klärbeckens mit rund 40 Millionen Kubikmetern giftiger Stoffe gebrochen. Der toxische Schlamm tötete 19 Menschen und verseuchte den Fluss Rio Doce, dessen belastete Wassermassen später den 650 Kilometer entfernten Atlantik erreichten. Tausende Tiere verendeten, hunderttausende Menschen verloren vorübergehend den Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Kläger sehen sich bestätigt
Betreiber der Mine war das Unternehmen Samarco, ein Joint Venture zwischen dem brasilianischen Konzern Vale und der BHP Group. Da der australische Konzern zum Zeitpunkt der Katastrophe eines seiner weltweiten Hauptquartiere in Großbritannien hatte, konnten die Kläger 2018 in London Klage einreichen.
"Endlich gibt es Gerechtigkeit und jene, die unser Leben zerstört haben, werden zur Rechenschaft gezogen", sagte Gelvana Rodrigues, deren siebenjähriger Sohn bei der Katastrophe starb. "Das Urteil bestätigt, was wir seit zehn Jahren sagen: Es war kein Unfall und BHP muss Verantwortung für sein Handeln übernehmen."
BHP kündigt Berufung an
In London fordern mehr als 620.000 Betroffene - darunter 46 Gemeinden, Unternehmen und mehrere indigene Völker - Entschädigungen in Höhe von insgesamt 36 Milliarden Pfund (40 Milliarden Euro). Nach dem Urteil zur Haftbarkeit sollen die konkreten Zahlungen in einem weiteren Verfahren verhandelt werden, das im Oktober 2026 beginnen soll.
Der Konzern kündigte unmittelbar nach dem Urteil Berufung an. BHP verwies auf eine im vergangenen Jahr mit der brasilianischen Regierung geschlossene Entschädigungsvereinbarung im Umfang von gut 26 Milliarden Euro. Die Mehrheit der Kläger in London argumentiert jedoch, dass sie durch die brasilianische Vereinbarung nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.
pgr/pg (dpa, afp, rtr)