George W. Bush kritisiert Afghanistan-Abzug | Aktuell Welt | DW | 14.07.2021
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DW-Interview

George W. Bush kritisiert Afghanistan-Abzug

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush hat den Abzug der US- und NATO-Truppen aus Afghanistan im DW-Exklusivinterview als Fehler kritisiert. Er befürchtet unsägliches Leid für Frauen und Mädchen.

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Bush: "Afghanistan-Rückzug ist ein Fehler"

George W. Bush hat den Truppenabzug aus Afghanistan im Interview mit der Deutschen Welle als Fehler bezeichnet. "Afghanische Frauen und Mädchen werden unsägliches Leid erleiden", sagte der ehemalige US-Präsident. Gemeinsam mit seiner Frau, der damaligen First Lady Laura Bush, habe er viel Zeit mit afghanischen Frauen verbracht. Diese seien nun in Angst.

"Ich denke an die Dolmetscher und Personen, die nicht nur den US-Truppen, sondern auch den NATO-Truppen geholfen haben. Es scheint, als würden sie jetzt einfach zurückgelassen, um von diesen sehr brutalen Leuten abgeschlachtet zu werden. Das bricht mir das Herz", sagte Bush der DW. Er sei sich sicher, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sehe das ähnlich.

Bush hatte Afghanistan-Einsatz angeordnet

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte der Republikaner Bush als 43. US-Präsident den Einsatz der US-Streitkräfte selbst angeordnet. Unter seinem Nachfolger Barack Obama wurde der Al-Kaida-Anführer Osama Bin Laden von einer US-Spezialeinheit getötet. Donald Trump brachte schließlich einen Truppenabzug ins Gespräch und verhandelte mit den Taliban darüber. Der amtierende US-Präsident Joe Biden hat einen Abzug der US-Truppen bis spätestens zum 20. Jahrestag der Terroranschläge angekündigt, der inzwischen größtenteils vollzogen ist. Die Bundeswehr hat ihren Rückzug aus Afghanistan bereits im Juni abgeschlossen.

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In den vergangenen Monaten haben die Taliban ihre Machtbasis stark ausgebaut und breite Geländegewinne erzielt. Ihre Angaben, wonach sie inzwischen 85 Prozent des afghanischen Territoriums kontrollieren, können nicht unabhängig überprüft werden, wurden jedoch von Experten als plausibel bewertet. Hilfsorganisationen zufolge sind bereits viele Afghaninnen und Afghanen auf der Flucht.

Eroberten Taliban wichtigen Grenzposten?

Zuletzt haben die radikalislamischen Taliban in Afghanistan nach eigenen Angaben einen strategisch wichtigen Grenzübergang nach Pakistan erobert. Taliban-Kämpfer hätten die Grenzstadt Wesch in der südlichen Provinz Kanadahar eingenommen und damit die wichtige Straße zwischen dem Grenzübergang Spin Boldak und dem pakistanischen Schaman unter ihrer Kontrolle, erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Die afghanische Regierung erklärte hingegen, der Angriff sei "abgewehrt" worden.

Briten wollen mit Taliban zusammenarbeiten

Großbritannien will im Falle einer Regierungsübernahme durch die Taliban in Afghanistan mit den militanten Radikalislamisten zusammenarbeiten, solange sich diese zur Wahrung von Menschenrechten bekennen. "Die britische Regierung wird sich auf jeden einlassen, der die Regierung stellt, vorausgesetzt er hält sich an bestimmte internationale Normen", sagte Verteidigungsminister Ben Wallace dem "Daily Telegraph".

nob/ehl (DW, afp, rtr, dpa)

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