Gegenwind für Ryanair-Führung | Wirtschaft | DW | 12.12.2017
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Luftverkehr

Gegenwind für Ryanair-Führung

Seit langem klagen die Piloten beim Billigflieger Ryanair über schlechte Arbeitsbedingungen. Nun haben sie zum Streik geblasen. Und das nicht nur hierzulande. Noch gibt sich der Konzern gelassen.

Sie haben die Schnauze voll. Scheinselbstständigkeit, Lohnkosten, die um 30 Prozent niedriger liegen als bei Konkurrenten, Willkür im Umgang mit Mitarbeitern des Konzerns. Deswegen hat die Pilotengewerkschaft Cockpit nun Streiks der Piloten von Ryanair angekündigt: Ab sofort kann es Flugausfälle geben, weil die Piloten in den Arbeitskampf ziehen. "Die Piloten sind so verärgert von dem Unternehmen, dass sie dessen Drohungen zwar ernst nehmen, aber keine Angst mehr haben", sagt der Präsident der Vereinigung Cockpit, Ilja Schulz.

Die Liste der Kritik, die die Piloten gegen Ryanair ins Feld führen, ist groß. Und sie lässt sich unter dem Begriff "Willkür" zusammenfassen: "Die Leute werden gegeneinander ausgespielt", sagt die Sprecherin der Tarifkommission, Tina Hausmann. "Festangestellte werden nach Willkür versetzt, es gibt Gehaltserhöhungen, die einseitig wieder weggenommen werden können, Urlaubszeiten, die nicht eingehalten werden. Wir wollen diese Willkür des Arbeitgebers, durch Tarifverträge regeln".

Streiks jederzeit und überall möglich

Die Streiks können grundsätzlich jeden der zehn Standorte von Ryanair in Deutschland treffen. Passagiere müssen sich in der kommenden Zeit also darauf einstellen, dass Flüge ausfallen. Und das nicht nur hierzulande. Denn die Piloten haben sich mit anderen Gewerkschaften der Piloten in anderen Ländern abgesprochen. Am Freitag wird beispielsweise in Italien bei Ryanair gestreikt. Auch in Portugal sind Streiks in Vorbereitung. An der Basis des Konzerns im irischen Dublin schließlich haben sich die Flugkapitäne per Urabstimmung für den Streik entschieden.

Allerdings will die Gewerkschaft darauf achten, mögliche Arbeitsniederlegungen im Vorfeld bekannt zu machen, damit kein Passagier auf Flughäfen stranden muss. Keine Streiks wird es zu dem an den Weihnachtsfeiertagen geben: Zwischen dem 23. Dezember und dem 26. Dezember werden die Piloten keine Flüge bestreiken, sodass die An- und Abreise zu Weihnachten gesichert ist. Ob möglicherweise bereits in den kommenden Tagen mit Streiks zu rechnen ist, dazu wollten sich die Piloten nicht äußern - damit der Konzern sich nicht darauf vorbereiten kann.

Der Wind gegenüber der Konzernführung, die sich bislang geweigert hat, mit Gewerkschaften über Tarife zu verhandeln, wird also stärker. Und das nicht nur wegen der Streiks. Der Vereinigung Cockpit zufolge werden allein in diesem Jahr ein Viertel der Piloten und Copiloten das Unternehmen verlassen. Der Grund: Die widrigen Arbeitsbedingungen. Diese Entwicklung spielt den nun streit- und streiklustigen natürlich in die Karten. Denn das Unternehmen sucht händeringend nach Piloten. Vor drei Monaten hat der Billigflieger selbst eine Masse Flugausfälle ankündigen müssen. Der Grund: Das Unternehmen hatte die Urlaubsplanung der Piloten verbockt.

Michael OLeary Ryanair (AP)

Michael O'Leary: Lautsprecher der Billigflieger-Branche und Chef von Ryanair

Keine Verhandlung mit "Lufthansa-Pilotengewerkschaft"

Bislang allerdings zeigt sich die Konzernzentrale in Dublin ziemlich unberührt von dem Wind, der ihr von Seiten ihrer Piloten in mehreren Ländern entgegenschlägt. Auf DW-Anfrage verschickte die Presseabteilung ein kurzes Statement des Pressesprechers von Ryanair. Darin heißt es, man habe noch keine Mitteilung über die Aufnahme von Streiks der Piloten in Deutschland erhalten. Man nehme an, dass es sich, Zitat: "eher um eine PR-Aktion der Lufthansa-Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit handelt", Zitat Ende. Man verhandle ausschließlich direkt mit den Piloten und erkenne im Übrigen die Vereinigung Cockpit nicht an. Ähnlich hatte sich Ryanair-Chef Michael O'Leary in der Vergangenheit bereits geäußert.

Die Piloten sehen das freilich anders - sie haben kürzlich erst mit Unterstützung der Vereinigung Cockpit eine Tarifkommission gegründet. Nach Aussage der Piloten geht es ihnen nicht in erster Linie um höhere Löhne - obwohl sie Tarife wie beim Konkurrenten Tuifly anpeilen. Dort verdienen Piloten und Copiloten rund 30 Prozent mehr - und sind dazu noch in der Regel sozial abgesichert.