Gefahren beim Sex - Wie riskant ist Tripper? | Wissen & Umwelt | DW | 07.09.2018
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Geschlechtskrankheiten

Gefahren beim Sex - Wie riskant ist Tripper?

Die Zeiten als Tripper, oder Gonorrhö, noch mit dunklen Gassen und Hinterhofbordellen in Verbindung gebracht wurde, sind vorbei. Klar ist: Infizieren kann sich jeder - und zwar ganz schnell.

Die Symptome beim Tripper – auch als Gonorrhö bekannt - sind meist sehr unschön. Ausfluss aus der Scheide oder der Harnröhre gehört dazu. "Dieser Ausfluss ist nicht klar, sondern eher eitrig. Beim Mann tritt der sogenannte 'Guten-Morgen-Tropfen' vor allem morgens aus der Harnröhre aus. Denn während der Nacht hat sich dort Sekret und Eiter angesammelt und das tritt dann eben morgens als dicker Tropfen aus", erklärt Norbert Brockmeyer vom Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin 'WIR' in Bochum. Die Gonorrhö ist eine bakterielle Entzündung, ausgelöst durch Gonokokken. Als Reaktion des Körpers bilden sich viele Leukozyten – also weiße Blutkörperchen. Eine gelbliche Flüssigkeit entsteht. Neben diesem Ausfluss kann es aber auch zu Schmerzen beim Wasserlassen kommen. Übertragen wird Tripper beim Sex, meistens sind die Geschlechtsorgane betroffen. Starker Juckreiz und Schmerzen können erste Anzeichen für eine mögliche Infektion sein, jedoch bemerken viele gar nichts. Das trifft auf ungefähr 70 Prozent aller Infizierten zu. 

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Nicht nur an den Geschlechtsteilen

Auch der Analbereich und sogar Mund und Rachen können von der Gonokokken-Infektion betroffen sein, zum Beispiel durch ungeschützten Oralverkehr. Eine Infektion kann schnell gehen, denn die Erreger haben eine hohe Ansteckungskraft. "Die Gonokokken werden häufig schon übertragen, bevor man das Kondom überhaupt in die Hand nimmt, weil man sich schon über andere Praktiken infiziert hat", sagt Brockmeyer.

Tripper Bakterien - Gonorrhoe (picture-alliance/dpa)

Noch gefährlicher als er aussieht: Erreger der Gonorrhö

Beispielsweise könne man sich schon über Fingerkontakt, also Petting, infizieren. "Wenn Sie Scheidenflüssigkeit an den Händen haben, dann können Sie sich mit Gonorrhö anstecken", erläutert der Experte.

Im schlimmsten Fall kann Tripper bei der Frau und beim Mann zu Unfruchtbarkeit führen. Wenn die Gonorrhö nicht direkt behandelt wird und sich weiter ausbreitet, kann es zu einer Entzündung des kleinen Beckens kommen und anschließend auch zu einer Verklebung der Eileiter. Die betroffene Frau kann dann keine Kinder mehr bekommen. Beim Mann gilt das gleiche für Samenleiter und Hoden. 

Bei Schwangeren, die sich mit Gonorrhö angesteckt haben, besteht die Gefahr, dass die Infektion auf das Neugeborene übertragen wird. Es kann zu Fehlgeburten und Todgeburten kommen. Bei Babys betrifft die Gonorrhö vor allem die Augen. Beim Neugeborenen entwickeln sich bereits wenige Tage nach der Geburt die Symptome: Die Lider sind geschwollen, die Augen sehr lichtempfindlich. Behandelt wird eine solche Infektion mit einem Antibiotikum. Auch bei erwachsenen Erkrankten helfen Antibiotika, die ein Arzt bei der Diagnose verschreibt.

Gefahren beim Sex - Infektion mit Chlamydien

Ganz oben auf der Liste

Tripper ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten weltweit. In Deutschland hat die Zahl der Infektionen deutlich zugenommen, und die Tendenz ist noch immer steigend. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir pro Jahr etwa 25.000 Neu-Infektionen mit Gonokokken haben", sagt Brockmeyer. "Das sieht man in allen entsprechenden Zentren. In unserem Zentrum, dem WIR, gibt es Tage, an denen wir fünf bis sechs Patienten auf Gonorrhö behandeln."

Seit der Jahrtausendwende ist die Gonorrhö in Deutschland nicht mehr meldepflichtig – mit Ausnahme des Bundeslandes Sachsen. Man glaubte, die klassischen Geschlechtskrankheiten im Griff und quasi ausgemerzt zu haben. Das hat sich als ein großer Trugschluss erwiesen. "Alle sexuell übertragbaren Krankheiten – nicht nur die Gonorrhö – feiern ein nicht geahntes Comeback", erklärt Brockmeyer. Das Zentrum 'WIR'versucht möglichst umfassend aufzuklären. Der Appell: Kein ungeschützter Sex! Immer ein Kondom benutzen! Das Kondom verringert die Infektionsrate deutlich, kann eine Erkrankung aber nicht vollständig verhindern. 

Bunte Kondome (Imago/Mint Images)

Nach wie vor gilt: Kondome schützen

Es gibt immer häufiger Resistenzen

Lange war die Gabe eines Antibiotikums das Mittel der Wahl, aber es müssen auch neue Medikamente entwickelt werden. "Wir haben bereits deutliche Resistenz-Raten bei der Gonorrhö. Die Folge ist, dass die Medikamente nicht mehr wirken", gibt Brockmeyer zu Bedenken. Im Extremfall führt das dazu, dass man eine einfache Gonorrhö nicht mehr vernünftig therapieren kann.

Die Deutsche STI-Gesellschaft setzt auf die Entwicklung wirkungsvoller Therapien und auf gute Prophylaxe. So soll das Kürzel STI (Sexually Transmitted Infections) genauso in das Bewusstsein der Menschen gelangen wie die Buchstaben HIV (Humanes Immundeffizienz-Virus). Die HIV-Infektionen sind seit etwa fünf Jahren relativ konstant, auch dank zahlreicher Aufklärungskampagnen. Deutschland habe weltweit die niedrigste Ansteckungsrate, sagt Brockmeyer: "Wir haben uns in den letzten Jahren gezielt auf HIV konzentriert. Mittlerweile aber gibt es immer häufiger Kampagnen, die sich mit altbekannten Erkrankungen wie Gonorrhö und Syphilis beschäftigen."

Eine Bar in einem Bordell (Getty Images/AFP/J. Macdougall)

Das Rotlichtmilieu ist nicht unbedingt der Ort für Tripper-Infektionen

Was HIV und Aids ist, wissen die meisten. Anders sieht es bei den klassischen Geschlechtskrankheiten aus. Vielen ist nicht klar, welche überhaupt dazugehören und was hinter den verschiedenen Begriffen steckt: etwa wenn es um Chlamydien geht und um Hepatitis B, um Herpes Genitalis, das Papillomavirus oder auch um Syphilis und Gonorrhö. Die Gefahr, sich mit HIV anzustecken, ist erheblich größer, wenn sich jemand bereits mit einer der klassischen Geschlechtskrankheiten infiziert hat.

"Vom Tripper habe ich eigentlich immer nur gehört, wenn es darum ging, dass reiche Geschäftsleute im Urlaub in Asien waren und dann ihre Partner*innen angesteckt haben." Das ist nur einer von vielen Einträgen in einem Internetforum zu Tripper und nur eines von vielen, althergebrachten Vorurteilen. Man muss weder reich, noch in Asien gewesen sein, um sich mit Gonorrhö anzustecken - das geht überall, auch zuhause.

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