Gastkommentar: Wer trägt in Gaza wofür Verantwortung? | Kommentare | DW | 26.06.2018
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Nahostkonflikt

Gastkommentar: Wer trägt in Gaza wofür Verantwortung?

Vor zwei Wochen kritisierte an dieser Stelle Bettina Marx den Staat Israel für seine Politik gegenüber den Palästinensern. Vieles an deren Situation liegt hingegen allein an der Hamas, meint Melody Sucharewicz.

Deutsche Hilfsorganisationen beklagen intensiv das Elend der Palästinenser in Gaza und verschweigen genauso intensiv den wahren Hintergrund. Was ist dort wirklich geschehen? Auf den Rückzug Israels aus Gaza 2005 folgte die Übernahme der Kontrolle durch die palästinensische Autonomiebehörde, dann ein blutiger Putsch der Hamas. Ihre erste Maßnahme: die brutale Gleichschaltung durch tausendfachen Mord an gemäßigten Fatah-Anhängern. Sie wurden gefesselt von Dächern gestürzt. Die zweite Maßnahme: die Zerstörung der israelischen Gewächshäuser und Infrastruktur. Der dritte Schritt: die Einführung der Scharia und der Verschleierungszwang für Frauen, das Verbot von Musik. Und die vierte Maßnahme: Raketen auf Israel.

Von Autorinnen wie Bettina Marx von der Heinrich-Böll-Stiftung ebenfalls verschwiegen: die Drangsalierung der Christen in Gaza, die Zerstörung ihrer Einrichtungen, die Ermordung christlicher Repräsentanten. 80 Prozent der Christen mussten seither aus Gaza fliehen.

Kampf gegen Israel mit Geldern der UN

Ein dichtes Spitzelsystem der Hamas macht in Gaza jegliche Opposition zum Lebensrisiko. Mit Geldern aus Iran, westlichen Organisationen und vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für die Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) rüstete die Hamas militärisch auf, baute Terrortunnel, kaufte Raketen, führte paramilitärische Trainings für Schüler ein und erzieht schon Kleinkinder im Kindergarten zu Märtyrern.

Hana Abu Jameh spielt den Clown für Kinder in Gaza (Sanad Latefa)

Auch das gibt es - Unterhaltung für Kinder in Gaza

Nach einem beispiellosen Beschuss mit tausenden Raketen aus Gaza verhängten Israel und Ägypten eine Blockade über den schmalen Küstenstreifen, um die Einfuhr von Waffen und Raketenteilen zu unterbinden. Prompt folgte ein bis heute anhaltender Aufschrei der Hilfsorganisationen, die allein Israel für die Lage in Gaza verantwortlich machen. Der informative Lärm verschweigt aber die harten Fakten: Die Palästinenser in Gaza erhalten die weltweit höchsten Zuwendungen. Alleine die UNRWA stellt ein umfassendes Versorgungssystem mit kostenlosen Krankenhäusern, Schulen und Renten bereit. Gaza-Kinder genießen in Ferienlagern ein Unterhaltungsprogramm, von dem Flüchtlingskinder in Afrika nicht zu träumen wagen.

Konsequent verschwiegen wird auch die Korruption der Hamas-Funktionäre, ihre Prachtvillen, die in Serie an den Filetgrundstücken in Gaza-City und den schönsten Stränden zu bestaunen sind. Auch kein Wort über den blühenden Schwarzmarkthandel: Lebensmittel, Medikamente, Baumaterial und dringend nötiger Treibstoff aus Ägypten und Israel werden von der Hamas konfisziert und tauchen zu erhöhten Preisen auf den Schwarzmärkten in Gaza auf.

Die Hamas profitiert nur vom Krieg

30.000 von der UNRWA bezahlte Mitarbeiter betreuen heute die Palästinenser. Für den Rest der 65 Millionen Flüchtlinge weltweit müssen hingegen 10.000 Mitarbeiter genügen. Das UNRWA Hauptquartier in Gaza beschäftigt Hamas-Mitglieder mit Kontakten zu Terrorzellen. Dieser mafiotische Komplex aus Korruption, Waffen und Jobs wird mit Hilfsgeldern vor allem aus dem Westen am Leben gehalten und im Inneren ideologisch vom Traum des Sieges über Israel gespeist.

Gazastreifen Villa von Mahmud Abbas in Gaza-Stadt (Getty Images/AFP/M. Hams)

Die Villa von Palästinenser-Präsident Abbas in Gaza - zwischen 2007 und 2014 besetzt von der Hamas

Im Falle eines Friedens hingegen würden die Profiteure Einkommen, Macht, Privilegien und Luxus verlieren. Für die einfache Bevölkerung in Gaza böte Frieden allerdings die Chance auf ein normales Leben mit normalen Perspektiven. Schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb manipuliert die Hamas deshalb die Gaza Bevölkerung mit Hassparolen. Ehemals den Muslimbrüdern verbunden und dem globalen Dschihad verpflichtet ist die Hamas faktisch verantwortlich für die Situation und den Stillstand in Gaza.

Legitimation des Terrors

Politisch und moralisch mitverantwortlich sind die unzähligen "Hilfsorganisationen" mit ihrer exponierten Öffentlichkeitsarbeit. Sie geben der Hamas mediale Rückendeckung. Sie legitimieren den Terror. Sie nehmen das systematische Verbrechen an palästinensischen Kindern hin, die von Schulbüchern, über das Fernsehen, Jugendzentren bis hin zu den Moscheen zu Judenhass und Märtyrertum erzogen und als Kanonenfutter in Kriegsgebiete geschickt werden. 

Eine weitere Verantwortung liegt in den westlichen Gremien, die Millionen-Hilfsgelder an Palästinenser freigeben, ohne deren Verwendung zu kontrollieren. Gelder, die eben nicht in Erziehung und Infrastruktur investiert werden, sondern Familien zufließen, deren Angehörige in Terroranschlägen verwickelt waren und deswegen entweder verhaftet oder dabei getötet wurden. Wer all diese Verbrechen bewusst verschweigt und/oder ignoriert, textet an der Wirklichkeit vorbei und macht sich selbst zum Teil des Problems.

Melody Sucharewicz wurde in München geboren und lebt seit 1999 in Tel Aviv. Sie arbeitet heute als politische Beraterin. 2006/07 war sie für ein Jahr Sonderbotschafterin Israels, nachdem sie die Auswahl in der TV- Show "The Ambassador" nach Auftritten in Afrika, Europa, den USA und vor den Vereinten Nationen gewonnen hatte.

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