Gastkommentar: Feuerdrachen aus Gaza | Kommentare | DW | 03.08.2018
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Nahostkonflikt

Gastkommentar: Feuerdrachen aus Gaza

Erneut blockiert Israel Treibstofflieferungen nach Gaza - als Antwort auf palästinensische Feuerdrachen-Angriffe. Israel und die Palästinenser drehen sich im Kreis, meint FAZ-Redakteur Rainer Hermann.

Die Geschichte des David gegen Goliath wiederholt sich nicht. Die Feuerdrachen, die Palästinenser aus Gaza nach Israel fliegen lassen, sind nicht die Steinschleuder Davids, mit der er den übermächtigen Goliath niedergestreckt hat. Israel ist nicht mit Raketen zu besiegen und auch nicht mit den Feuerdrachen, selbst wenn sie in Israel zu zahlreichen Waldbränden und brennenden Feldern geführt haben.

Akte der Hilflosigkeit

Seit Wochen setzen die Palästinenser brennende Drachen ein, die leicht über die hohe Grenzbefestigung zwischen ihrem Gazastreifen und Israel hinwegfliegen und dort Schaden anrichten. Den Palästinensern, die seit elf Jahren unter einer israelischen Blockade leben müssen, haben sie mehr internationale Sympathie eingebracht als die häufigen Raketen, die die Hamas nach Israel abschießt und sehr vorhersehbar vielfach vergolten werden.

Aber auch die Feuerdrachen haben nichts an der Abschnürung von Gaza geändert. Im Gegenteil. Am Donnerstag hat Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman eine zusätzliche Blockade verhängt. Israel blockiert nun zum zweiten Mal in nur drei Wochen auch die Treibstofflieferungen nach Gaza. Vor zehn Tagen erst war die Blockade aufgehoben worden. Denn die Zahl der Feuerdrachen war zurückgegangen.

Allenfalls kurzfristige Lösung

Diese kleinen Waffen der Feuerdrachen sind nur eine weitere Etappe der Proteste der rund zwei Millionen Palästinenser, die in Gaza wie in einem großen Gefängnis leben, gegen die israelische Blockade. Israel sieht sich zu Recht von der Gewalt bedroht, die von diesem übervölkerten Gaza ausgeht. Andererseits produziert Israel mit seiner Politik gegen Gaza dort eine Frustration und eine Aussichtslosigkeit, die sich bei den Jugendlichen, die nichts mehr zu verlieren haben, in Gewalt entlädt. Verständlich wird da die Äußerung des früheren israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak, der in den neunziger Jahren auf die Frage, was aus ihm geworden wäre, wäre er als Palästinenser geboren worden, gesagt hat: "Dann hätte ich mich womöglich einer Terrororganisation angeschlossen."

Wenn Lieberman nun die Treibstofflieferungen nach Gaza wieder untersagt, wird das zwar die Zahl der Feuerdrachen kurzfristig wieder reduzieren. Das Palästinaproblem rückt damit einer Lösung keinen Schritt näher.

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