Gastkommentar: Das koreanische Problem | Kommentare | DW | 20.04.2018
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Korea-Konflikt

Gastkommentar: Das koreanische Problem

Nordkorea stoppt seine Atomtests und spricht mit den USA. Das ist zweifellos ein Fortschritt, aber noch lange nicht der Frieden für die nordostasiatische Halbinsel, meint FAZ-Redakteur Peter Sturm.

In Korea scheint es - mehr noch als anderswo - nur Schwarz und Weiß zu geben. Noch vor wenigen Monaten hieß es immer wieder, die Halbinsel und die weitere Umgebung steuerten ungebremst auf einen verheerenden Krieg zu. Nun scheint der ewige Frieden nur eine Frage der Zeit zu sein. Das eine war so falsch wie das andere. Aber wenn man die handelnden Akteure anschaut, erklärt sich manche Übertreibung. Sowohl Kim Jong Un als auch Donald Trump bevorzugen in ihren Verlautbarungen den Superlativ. Und der südkoreanische Präsident Moon Jae In, der vom Norden lange ignoriert wurde, muss sich bei all dem Lärm irgendwie Gehör verschaffen.

Sturm Peter Frankenberger Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Peter Sturm ist Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Miteinander statt übereinander reden

Das alles könnte man interessiert bis (manchmal) amüsiert beobachten, wenn es nicht um so viel ginge. Aber nun ist es natürlich ganz ohne Übertreibung ein Fortschritt, dass Kim und Trump zwar immer noch (fast freundlich) übereinander reden, dass sie aber wohl auch beide bereit sind, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Nun stellt sich die Frage, was realistischerweise bei einem solchen Gespräch herauskommen kann. Die Amerikaner streben in Übereinstimmung mit dem nicht-nordkoreanischen Rest der Welt eine von Atomwaffen freie koreanische Halbinsel an. Kim Jong Un fühlt sich diesem Ziel angeblich ebenfalls verpflichtet. Das behauptet zumindest Südkorea. Aber erstens ist noch völlig ungewiss, was genau sich Kim Jong Un in dieser Hinsicht vorstellt. Zweitens sind die nordkoreanischen Atomwaffen zwar das größte, aber keineswegs das einzige Problem in diesem Konflikt.

Man frage zum Beispiel einmal Japaner und Südkoreaner, wie es sich anfühlt, in Reichweite nordkoreanischer Raketen zu leben. Diese sind auch dann eine Bedrohung, wenn sie "nur" konventionelle Sprengköpfe tragen. Und selbst wenn Kim Jong Un seine Nuklearkapazitäten aufgäbe: Erstens bliebe ihm das Wissen um Entwicklung und Bau dieser Waffen erhalten. Und zweitens wird er einer völligen Abrüstung sicher nicht zustimmen.

Kim Jong Uns Trümpfe

Von Donald Trump wird man vor dem möglichen Treffen mit Kim Jong Un noch viele starke Worte hören. Er ist aber in mancherlei Hinsicht der Schwächere der beiden. Kim hat nämlich noch einen weiteren Trumpf in der Hinterhand. Immer noch sitzen mehrere Amerikaner in nordkoreanischer (Geisel-)Haft. Auch deren etwaige Freilassung wird sich der nordkoreanische Diktator mit Sicherheit teuer bezahlen lassen.

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