Ganz Afrika für Polio-frei erklärt | Aktuell Welt | DW | 25.08.2020
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Kinderlähmung

Ganz Afrika für Polio-frei erklärt

Diese Einstufung durch die ARCC bedeutet, dass es in Afrika seit mindestens drei Jahren keine bekannten Erkrankungen an Kinderlähmung mehr gab. Weltweit ist die Gefahr von Polio noch nicht gebannt.

Schluckimpfung gegen die Kinderlähmung in Nigeria

Schluckimpfung gegen die Kinderlähmung in Nigeria (Archivbild)

Die unabhängige Africa Regional Certification Commission (ARCC) teilte mit, dass in allen 47 Ländern der Afrika-Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Jahrzehnten des Kampfes der Wildtyp des Poliovirus ausgerottet sei.

"Heute ist ein historischer Tag für Afrika", sagte die Leiterin der Kommission, Rose Leke. Laut WHO ist es überhaupt erst das zweite Virus, das auf dem Kontinent ausgerottet wurde, nach den Pocken vor rund 40 Jahren. "Nun müssen wir Polio endgültig beenden", sagte die Leitern der WHO in Afrika, Matshidiso Moeti.

Der Erfolg im Kampf gegen die Kinderlähmung ist umso wichtiger, als die Corona-Pandemie derzeit Polio-Impfprogramme in aller Welt und damit den Kampf gegen eine schlimme, aber vermeidbare Krankheit behindert.

Lebenslang gezeichnet. Ein als Kind an Polio Erkrankter junger Mann in Nigeria

Lebenslang gezeichnet. Ein als Kind an Polio erkrankter junger Mann in Nigeria

Polio war früher weltweit stark verbreitet und galt als eine extrem große Bedrohung für Kinder, bis in den 1950er Jahren eine Impfstoff entwickelt wurde. Die Krankheit greift das Nervensystem an und kann innerhalb von Stunden zu Lähmungen führen, vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren sind betroffen. Es handelt sich um eine sehr ansteckende Viruserkrankung, die bleibende Lähmungen der Arme oder Beine verursachen oder sogar zu einer tödlichen Lähmung der Atemmuskulatur führen kann. Infizierte können aber auch symptomlos bleiben und so den Erreger unbemerkt weitertragen.

1988 beschloss die Weltgemeinschaft, die Krankheit auszurotten. Ursprüngliches Ziel war das Jahr 2000. Doch die Herausforderungen waren gewaltig, auch in Afrika: Konflikte, schlechte Infrastruktur, Menschen auf der Flucht und Misstrauen gegenüber Impfungen erschwerten die Arbeit der Helfer. 1996 lähmte der wilde Poliovirus laut WHO mehr als 75.000 Kinder in Afrika. Jedes Land auf dem Kontinent war betroffen.

Endgültige Ausrottung von Polio auf der Zielgeraden

Doch die globale Gefahr ist noch nicht gebannt, Pakistan und Afghanistan kämpfen noch immer gegen die Krankheit. In dem Land wurden in diesem Jahr bisher 67 Fälle mit dem Polio-Wildtyp bestätigt, in Afghanistan 37.

Michael Galway, der stellvertretende Leiter des Polio-Programms bei der Gates Foundation, glaubt, dass wildes Polio in Afghanistan und Pakistan innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre ausgerottet werden kann. "Polio irgendwo (auf der Welt) ist ein Risiko für jedes Land", warnte Galway. Bis zur endgültigen Ausrottung bestehe immer die Gefahr, dass die Krankheit durch einen "importierten Fall zurückkehrt". So kam es 2013 zu einem Polioausbruch in Syrien. Die letzte in Deutschland erworbene Erkrankung durch ein Polio-Wildvirus wurde 1990 erfasst.

qu/rb (dpa, afp, ap)

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