″Game of Thrones″-Darsteller Marc Rissmann: ″Die Liebe zum Detail ist fast mikroskopisch″ | Kultur | DW | 11.04.2019
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Game of Thrones

"Game of Thrones"-Darsteller Marc Rissmann: "Die Liebe zum Detail ist fast mikroskopisch"

Wenn am 14. April 2019 die letzte Staffel von "Game of Thrones" startet, ist der Berliner Schauspieler Marc Rissmann als Anführer der Goldenen Kompanie mit von der Partie. Im DW-Interview erzählt er von den Dreharbeiten.

DW: Herr Rissmann, Sie spielen in der achten und letzten Staffel der Fantasy-Serie "Game of Thrones" Harry Strickland, den Anführer der Goldenen Kompanie. Die Geheimhaltung vor dem Serienfinale ist groß. Wie viel durften Sie selbst im Vorfeld wissen?

Marc Rissmann: Sehr wenig. Sie wollen nichts spoilern, denn das würde es für die Zuschauer verderben. Man will diese Serie durchleben und sie sehen und fühlen und riechen. Die Geheimhaltung ist also ein Dienst an den Zuschauern. Natürlich gibt es bei den Drehbüchern die üblichen Beschränkungen, was man zu welcher Zeit bekommt. Aber das ist bei internationalen Produktionen auf diesem Niveau ohnehin Standard.

Wann haben Sie mit dem Dreh begonnen?

Wir haben Ende Oktober angefangen zu drehen. Aber vorher gab es Kostümproben: sie nehmen Deine Maße und schauen Deine Haare an. Die ganze Staffel wurde, glaube ich, etwa ein Jahr lang gedreht, weil sie die Serie mit dem größten Knall aller Zeiten beenden wollen.

Es ist unglaublich, es gab drei Einheiten, die parallel drehten. Man kommt mit Ehrfurcht ans Set. Die Liebe zum Detail ist fast mikroskopisch, auch bei den Statisten, von denen es 500 gibt. Man könnte im Grunde genommen eine Nahaufnahme von jedem machen, obwohl er nur 200 Meter entfernt irgendwo in einer Weitwinkel-Einstellung zu sehen ist.

Haben Sie für die Vorbereitung in der Romanvorlage über Ihre Figur nachgelesen?

Ich habe ein wenig recherchiert, wer diese Person ist und woher sie kommt. Die Bücher sind ziemlich präzise. Und dann schaut man sich die Drehbücher an und vergleicht: Was ist ähnlich, wo gibt es Unterschiede? Diese Welt ist so gut durchdacht! Es ist eine funktionierende Welt. Ich glaube, deshalb ist sie so ansprechend, weil es darin Menschen gibt, die verschiedene Sprachen sprechen, die auch eine Logik haben. Man kann die Sprachen lernen, alles ist so detailliert.

In der TV-Serie "Game of Thrones" hört man viele verschiedene Akzente. Mussten Sie dafür üben?

Es waren immer zwei Trainer am Set, die Kleinigkeiten hier und da korrigiert haben. Damit es so klingt, wie es klingen soll.

Sie sind in Shakespeare-Aufführungen am Theater aufgetreten und haben in deutschen Krimiserien gespielt, bevor Sie auch in englischsprachigen Produktionen auftauchten. Wie kam es dazu?

Meine Karriere hat sich Schritt für Schritt aufgebaut. Ich habe Schauspiel studiert, einige Zeit Theater gemacht, eigentlich sehr traditionell. Und dann habe ich ein wenig hier und da gedreht, auch Krimis fürs Fernsehen.

Dann habe ich etwas mehr Zeit in Amerika verbracht, ein paar Leute getroffen und Kontakt mit einem Agenten aufgenommen. Seitdem hat sich das langsam aufgebaut und ich habe auch in internationalen Produktionen mitgespielt: "The Last Kingdom", "Into the Badlands", "Overlord", "Riviera". Gerade habe ich die Dreharbeiten für "The Man in the High Castle" für Amazon beendet.

Wie ist es, nicht in Ihrer Muttersprache, sondern auf Englisch zu spielen?

Ich mag es, weil es eine andere Dynamik hat, wie die Emotionen fließen. Es ist eine anders konstruierte Sprache, die manchmal hilfreich ist. Vor allem wenn ich einen sehr komplizierten Text bekomme, in dem es Wörter gibt, die man nicht oft benutzt. Dann denke ich: "Oh mein Gott, ich muss mir dieses Wort merken", ich muss es mir zu Eigen machen. Denn am besten ist es, wenn man aus dem Gedächtnis oder einem Gefühl heraus spielt und nicht an dieses eine Wort denkt. Also versucht man, einen Plan zu erstellen, damit man intuitiv handeln kann.

Szene aus der TV-Serie Game of Thrones (picture-alliance/dpa/AP/HBO/H. Sloan)

Kit Harington alias Jon Snow in einer früheren "Game of Thrones"-Schlacht.

Mit Tom Wlaschiha und Sibel Kekilli gab es bereits zwei deutsche Schauspieler bei "Game of Thrones". Haben Sie Kontakt zu Ihnen aufgenommen und über die Erfahrung gesprochen?

Tom habe ich vor zwei Wochen getroffen, wir hatten ein langes Gespräch. Ich konnte mich an eine Zeit vor vielen Jahren erinnern, als ich noch Schauspiel studierte. Er war mit meinen Nachbarn befreundet und saß ziemlich oft in einem Café in der Nähe. "Game of Thrones" war toll für ihn. Die Serie hat ihn in der Welt bekannt gemacht, was einfach großartig ist.

Es gibt häufig Drehpausen. Hatten Sie Gelegenheit, in der Wartezeit die Hauptdarsteller kennen zu lernen, die seit der ersten Staffel dabei sind?

Eigentlich habe ich fast jeden getroffen, was nett war. Ein paar Leute kannte ich bereits. Ich habe einen Film namens "Overlord" mit Pilou Asbæk gedreht, der Euron Graufreud spielt. Und habe Kit Harington schon früher kennengelernt, was schön war, weil ich mit seiner jetzigen Frau (Rose Leslie, die in "Game of Thrones" Ygritte spielte; Anm. d. Redaktion) befreundet bin. Eigentlich sind sie wie alle anderen. Der Unterschied ist nur, dass sie mit "Game of Thrones" in jedem Wohnzimmer im Fernsehen zu sehen sind.

Werden wir Sie in der gesamten Staffel sehen oder nur in einzelnen Folgen?

Ich weiß es nicht. Das Schöne an dieser Serie ist: Man weiß nicht, was passieren wird. Es war eine der ersten Serien, bei denen man gesagt hat: "Es ist doch nicht möglich, dass diese Person gestorben ist!" Also, wir werden sehen.

Das Gespräch führte Max Merrill.

Die achte und letzte "Game of Thrones"-Staffel startet am 14. April 2019 auf dem US-Sender HBO. In Deutschland überträgt der Privatsender Sky den Auftakt in der Nacht zum 15. April parallel zur US-Ausstrahlung.