Frontex warnt vor neuer Flüchtlingsroute | Aktuell Europa | DW | 07.07.2018
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Migration

Frontex warnt vor neuer Flüchtlingsroute

Der Fluchtweg für Migranten über Libyen Richtung Italien oder Griechenland gestaltet sich immer schwieriger. Schleuser weichen deshalb zunehmend auf eine andere Strecke aus, wie Frontex-Chef Leggeri berichtet.

Spanien Malaga 55 gerettete Migranten ( picture-alliance/Zumapress/J. Merida)

55 aus einem Schlauchboot gerettete Migranten treffen im spanischen Hafen von Malaga ein

Der Chef der EU-Grenzschutzbehörde Frontex, Fabrice Leggeri, befürchtet steigende Flüchtlingszahlen auf der westlichen Mittelmeer-Route von Marokko nach Spanien. Allein im Juni seien in Spanien etwa 6000 irreguläre Grenzübertritte gezählt worden, sagte Leggeri der Zeitung "Welt am Sonntag". "Wenn die Zahlen dort so steigen wie zuletzt, wird sich dieser Weg zum wichtigsten entwickeln", prognostizierte er. Bei etwa der Hälfte dieser Flüchtlinge handele es sich um Marokkaner, die anderen stammten aus westafrikanischen Ländern.

Via Niger und Marokko nach Spanien

Dass die Route über Libyen immer schwieriger zu benutzen sei, habe sich auch bei Migranten und Schleusern herumgesprochen, führte der Frontex-Chef weiter aus. Im Transitland Niger werde den Menschen daher seit einigen Monaten angeboten, statt über Libyen via Marokko den Weg nach Europa zu suchen.

Auf der Strecke zwischen Marokko und Spanien schleusen kriminelle Netzwerke nicht nur Migranten, sondern versuchen nach Leggeris Worten auch, mit deren Hilfe in großem Stil Drogen zu schmuggeln. Fast die Hälfe aller Rauschgiftfunde von Frontex an den EU-Außengrenzen sei in Marokko und Spanien gemacht worden - rund 65 Tonnen.

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hatten 2017 mehr als 22.400 Flüchtlinge die spanischen Küsten erreicht - fast drei Mal so viele wie 2016. Bislang war Spanien nach Italien und Griechenland der drittwichtigste Ankunftsort für Menschen, die über das Mittelmeer Richtung Europa wollen. 

Leggeri begrüßte den Beschluss des EU-Gipfels Ende Juni, Migranten in neu zu errichtenden Aufnahmelagern außerhalb der Europäischen Union unterzubringen. Bislang könnten die Schleuser davon ausgehen, dass die Migranten nach ihrer Rettung nach Europa gebracht werden. "Wenn es diesen Automatismus nicht mehr gibt, können wir das kriminelle Geschäftsmodell erfolgreich bekämpfen", sagte er.

"Sophia" rettet 49.000 Menschen aus dem Mittelmeer

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wies darauf hin, dass bei dem 2015 begonnen EU-Einsatz "Sophia" im Mittelmeer bislang rund 49.000 Menschen aus Seenot gerettet worden seien. "Davon 22.500 mit Beteiligung der Bundeswehr", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Marine-Einheiten hätten 140 Schleuser-Verdächtige an die italienischen Behörden übergeben und mehr als 500 Boote der Schlepper zerstört.

se/cgn (afp, rtr, dpa)

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