French Open: Rafael Nadal und der Goldstaub von Paris | Sport | DW | 26.05.2018
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Tennis

French Open: Rafael Nadal und der Goldstaub von Paris

Am besten nehmen Sie die U-Bahn-Linie 10 und steigen am Porte d'Auteil aus, wenn Sie die French Open vor Ort sehen wollen. Der Mann aus Mallorca wird nicht die Metro nehmen: Er hat es meist eilig und ist erneut Favorit.

Oberflächlich betrachtet ist dieses Tennisturnier im Westen der französischen Hauptstadt eine Veranstaltung mit mäßiger Spannung. Zum Beispiel die Männer. Jahr für Jahr gehen im Hauptfeld 128 Spieler in der ersten Runde an den Start, und am Ende gewinnt immer dieser Spanier. Nun ja, nicht ganz. Aber Rafael Nadal hat in Roland-Garros schon eine besondere Stellung. Zehn Siege im Einzel - ungeschlagen in den Jahren 2005, 2006, 2007, 2008, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014 und 2017. Nachdem er im vergangenen Jahr dem Schweizer Stan Wawrinka, der bis dahin ein glänzendes Turnier gespielt hatte, im Endspiel die Grenzen aufgezeigt hatte, umarmte "Rafa" den "Coupe des Mousquetaires" so zärtlich, dass den Franzosen klar wurde: Hier steht das legitime fünfte Mitglied der Tennis-Musketiere.

French Tennis Open 2017 | Rafael Nadal, Spanien (Imago/E-Press Photo.com)

Nach zehn Siegen mehr als eine "liaison amoureuse": Rafael Nadal und der Siegerpokal von Paris, der "Coupe des Mousquetaires"

Also Nadal. Was soll schon passieren? Roger Federer, dieser andere große Name der Tennis-Szene, macht auch in diesem Jahr einen Bogen um den Sand von Paris, der bei schönem Sonnenwetter so glänzt, als bestünde er nicht aus Ziegelmehl, sondern aus Goldstaub. Jedenfalls in den Augen Nadals und anderer Tennis-Fans. Der Verdacht, bei dem staubigen Untergrund könnte es sich in Wirklichkeit um zermahlenes Edelmetall handeln, wird auch von der Art und Weise unterstützt, wie die Platzwarte die Spielfelder behandeln. Zum Beispiel beim Wässern. Niemand käme auf die Idee, den Wasserschlauch einfach über die "Terre Battue", den Aschenplatz, zu ziehen. Shocking! Meist heben drei Männer den Schlauch in die Höhe und einer spritzt, wie bei der Feuerwehr. Nur ganz sorgfältig.

French Open 2013 Platzpflege (Getty Images/C. Brunskill)

Platzpflege in Paris: Einer sprengt, die anderen tragen

Niemand käme außerdem auf die Idee, dass dieser Schweizer namens Federer in Paris auf Sand eine Schnitte bekommen würde. Nicht einmal er selber. Der 36jährige will erst wieder mitmachen, wenn die Unterhaltungskünstler der Tennis-Szene nach Großbritannien auf die Rasenplätze umgezogen sind. Wer also soll Nadal in Paris gefährlich werden, auch wenn er gerade beim Vorbereitungsturnier in Madrid eine ungewohnte Niederlage gegen Dominic Thiem aus Österreich kassiert hat? Der wiederum vom Deutschen Alexander Zverev im Finale abgeschossen wurde? Von Zverev wird hier noch die Rede sein. 

Eigentlich gab es in den vergangenen Jahren nur einen Mann, der dem Sandplatz-Wühler aus Manacor auf dessen Lieblingsbelag das Wasser reichen konnte: Der Serbe Novak Djokovic, der in guten Tagen seinen austrainierten Körper noch den entlegensten Cross-Bällen entgegenbiegen konnte, ließ sich 2016 als Sieger in den roten Sand fallen. Und malte den Franzosen ein Herz in den Platz. 

French Open 2016 | Novak Djokovic, Serbien (picture-alliance/AP Photo/D. Vincent)

In der Mitte liegt Djokovic, überglücklich nach dem Sieg 2016, links ein Teil des Herzens, das er den Franzosen mit dem Schläger in den Sand zeichnete

Den Novak Djokovic aus dem Jahr 2016 gibt es nicht mehr. Oder derzeit nicht. Der schmerzende Ellbogen im Schlagarm und ein selbst für nahe Beobachter verwirrendes Kommen und Gehen der Trainer und Berater an der Seite Djokovics, vielleicht auch ein Hauch Sinnkrise haben Djokovic aus der Erfolgsspur geführt. Gegenwärtig belegt er nur Platz 18 auf der Weltrangliste und wird sich insofern in Paris mit einer Reihe dieser harten, hungrigen Jungs herumschlagen müssen, viel früher, als ihm lieb ist. Inzwischen schaut der zumeist gut gelaunte und höfliche Serbe selbst beim Erreichen der dritten Runde des Turniers in Rom in dieser Woche so glücklich, als hätte er einen Grand Slam gewonnen.

Er sei so froh, überhaupt wieder auf dem Platz zu stehen, hatte Djokovic nach seiner Ellbogen-OP zu Protokoll gegeben. Aber auch: "Jetzt ist mein Selbstvertrauen nicht sehr groß. Alles was ich tun kann, ist arbeiten."

Diese Sache mit dem Selbstvertrauen dürfte in Paris auch den Deutschen Alexander Zverev beschäftigen. Der Mann ist Dritter der Weltrangliste, hat die Vorbereitungsturniere in München und Madrid fast schon beängstigend souverän gewonnen und verfügt über einen Aufschlag und eine Varianz im Spiel, dass ihm die Gegner überall mit höchstem Respekt begegnen. Aber in den großen Momenten, ob nun in Melbourne, London, New York oder eben Paris, ging Zverev immer viel zu früh als Verlierer vom Platz. Viel zu früh? Wir, die von außen über die Tennis-Profis schreiben, würden eine solche Bewertung bei einem 21 Jahre alten Spieler niemals treffen. Aber der ehrgeizige Zverev selbst würde sagen: Nicht wenigstens das Halbfinale zu erreichen, ist viel zu früh.

ATP 1000 - Madrid Open | Alexander Zwerew, Deutschland (Reuters/S. Perez)

Wer in Madrid gewinnt und mit 21 auf Platz drei der Weltrangliste steht, der kann schon einmal einen ausgeben: Alexander Zverev

Und so wird der junge Mann aus Hamburg in der kommenden Woche auf den Plätzen am Rand des Bois de Boulogne ein weiteres Mal gegen den Fluch ankämpfen, bei den Grand-Slam-Turnieren nicht wirklich sein "bestes Tennis", wie es die Profis gerne sagen, abzurufen. Die entscheidende Frage wird sein: Hat Zverev die körperliche und mentale Kraft, in einem längeren Turnier mit Fünf-Satz-Matches die breite Brust zu präsentieren? Der Mann aus Manacor hat ihm da einiges voraus. 

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