Frauenfußball-WM: Begeisterte Zuschauer in den USA | Sport | DW | 05.07.2019
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Sport

Frauenfußball-WM: Begeisterte Zuschauer in den USA

In den USA sorgt die erfolgreiche Fußballnationalmannschaft der Frauen für Rekordzuschauerzahlen. Aber der Boom vor den Bildschirmen spiegelt sich nicht in den Jugendmannschaften wieder - noch nicht.

Allison Cannon spielt Fußball schon länger, als sie lesen und schreiben kann. Mit sechs Jahren fing sie an, zunächst in einer Freizeitliga, später dann in der Schulmannschaft. "Ich hab mich einfach in den Sport verliebt", sagt die Sozialarbeiterin aus Virginia. "Mia Hamm und Brandi Chastain waren Idole von mir!"

Hamm und Chastain waren Teil der US-amerikanischen Fußballnationalmannschaft, die zwischen 1991 und 2004 zwei Olympiasiege einfuhr und zwei Mal die Weltmeisterschaft gewann. Chastain war die erste US-Spielerin überhaupt, die in einem Spiel fünf Tore schoss und Hamm brachte es in ihrer Länderspiel-Karriere auf insgesamt 158 Tore. Die beiden Sportlerinnen und ihre Team-Kolleginnen begeisterten im ganzen Land junge Mädchen wie Cannon für den Sport.

Die aktuelle US-Frauen-Nationalmannschaft ist bei der WM dieses Jahr ebenfalls extrem erfolgreich. Die Mannschaft, angeführt von Kapitänin Carli Lloyd, hat es bis ins Finale geschafft und spielt an diesem Sonntag gegen die Niederlande. Die Begeisterung in den USA ist groß. In Washington D.C. zeigen viele Bars und Restaurants die WM-Spiele, auch wenn sie dafür aufgrund der Zeitverschiebung ein paar Stunden früher öffnen müssen als sonst. Und in den sozialen Medien ist das Frauenteam ebenfalls ein Riesenthema. Der Twitter-Account des Teams hat fast zweieinhalb Millionen Follower, und an Spieltagen sind die Match-Kürzel, wie ENGUSA zum Halbfinale, in den USA immer unter den "Trending Topics" bei Twitter.

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Die Favoriten bei der Frauen-WM

Mehr Zuschauer, weniger Spieler

Zum dritten Mal in Folge hat es die US-Mannschaft der Frauen in ein WM-Endspiel geschafft. Sollte sie am Sonntag gewinnen, wäre es insgesamt der vierte WM-Sieg für die US-Damen und der zweite in Folge. Schon jetzt sind die Spielerinnen wichtige Vorbilder für Mädchen in den USA, sagt Cannon. "Ich denke, unserer Frauenmannschaft dabei zuzusehen, wie sie es ins Finale geschafft haben, zeigt jungen Mädchen, dass sie ihre Träume verwirklichen können, wenn sie hart dafür arbeiten", sagt die Hobby-Fußballerin.

Und zugesehen haben viele: Die FIFA (International Federation of Association Football) schätzt, dass nach dem Abpfiff des WM-Endspiels rund eine Milliarde Menschen auf der ganzen Welt das Turnier verfolgt haben. Das ist eine erhebliche Steigerung im Vergleich zu den 836 Millionen Menschen weltweit, die sich nach Schätzungen die Frauenfußball-WM 2015 anschauten.

Die Fußball-Jugendorganisationen hoffen, dass sich die Begeisterung auch in höheren Anmeldezahlen für ihre Freizeit- und Schulvereine niederschlägt. Denn in den vergangenen Jahren sind die Teilnehmerzahlen im ganzen Land gesunken.

Die Sports and Fitness Industry Association analysiert seit mehr als 40 Jahren Trends im Jugendsport in den USA. 2018 veröffentlichte sie eine Studie, die zeigte, dass die Anzahl von Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, die regelmäßig Fußball spielen, von 2015 bis 2018 um fast 14 Prozent auf 2,3 Millionen Kinder gesunken ist.

Andere Sportarten haben ebenfalls mit sinkenden Teilnehmerzahlen zu kämpfen - mehr und mehr Kinder treten lieber an der Spielekonsole gegeneinander an als auf dem Feld. Aber Fußball "hat mehr teilnehmende Kinder verloren als jeder andere Sport", sagte Tom Farrey vom Sports and Society Programm der Denkfabrik Aspen Institute im Gespräch mit der "New York Times" vergangenes Jahr.

Hope Solo während des WM-Spiels USA-Kolumbien im Juni 2015 (Getty Images/K. C. Cox)

Star-Torhüterin Hope Solo: Jugendfußball ist zu teuer geworden

Ein Problem: Viele Jugendfußballprogramme sind teuer. Eltern müssen hunderte Dollar dafür zahlen, dass ihre Kinder Schuhe, Trikots und einen Platz im Bus zu den Auswärtsspielen bekommen. "Meine Familie könnte es sich nicht mehr leisten, wenn ich heute Kind wäre und Fußball spielen wollte", sagte Hope Solo, die Torhüterin der US-amerikanischen WM-Mannschaft von 2015, auf einer Konferenz im vergangenen Jahr.

"Liebe für den Sport weitergeben"

Der WM-Begeisterung auf den Straßen und in den Büros Washingtons nach zu urteilen hat Frauenfußball in der Hauptstadt zumindest unter Erwachsenen viele Fans. Und die Unterstützer von Lloyd, Megan Rapinoe, Alex Morgan und Co geben ihre Fußball-Leidenschaft an die nächste Generation weiter.

"Als ich mit der High School anfing, beschloss ich, meine Liebe für den Sport weiterzugeben und trainiere seitdem Mädchen unter acht Jahren", erzählt Cannon. Sie sagt, sie habe beobachtet, dass der Sport an Popularität gewinne - auch während der aktuellen WM. "Selbst meine beste Freundin, die sonst eigentlich nie Fußball schaut, hatte das Spiel gegen England angesehen, um unsere Frauen anzufeuern."

Vielleicht wirkt sich diese Begeisterung ja auch auf die Zahl der jungen Fußballspieler in den USA aus.

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