Frankreich gedenkt der Massaker an Armeniern | Aktuell Europa | DW | 24.04.2019
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Nationaler Gedenktag

Frankreich gedenkt der Massaker an Armeniern

Frankreich hat erstmals mit einem nationalen Gedenktag an die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg erinnert. Wie auch andere Staaten sieht Frankreich darin einen Völkermord. Scharfe Kritik kommt aus der Türkei.

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Frankreich gedenkt Völkermord an Armeniern

Frankreichs Regierungschef Edouard Philippe legte am Abend einen Kranz am Denkmal für die Opfer des Massakers am rechten Seine-Ufer in Paris nieder. Dabei betonte er, dass Frankreich seinen Werten treu bleibe. Die Würdigung der armenischen Opfer werde nicht von "Lügen oder Druck" beeinflusst. "Wir streben nach historischer Genauigkeit und Versöhnung."

Präsident Emmanuel Macron hatte im Februar den 24. April  zum "Tag der Erinnerung an den Völkermord an den Armenien" erklärt. Mit der Einrichtung dieses nationalen Gedenktages löste er ein Wahlkampfversprechen gegenüber der großen armenischen Gemeinde ein. Frankreich hatte die Massaker während des Ersten Weltkriegs an den Armeniern im Osmanischen Reich mit bis zu 1,5 Millionen Todesopfern schon 2001 offiziell als "Völkermord" eingestuft - als erstes großes europäisches Land.

Frankreich Paris | Gedenken an Völkermord an Armeniern (Getty Images/AFP/E. Feferberg)

Edouard Philippe (vierter von l.) und die Pariser Bürgermeisterin Anne Hildalgo (zweite von r.) mit Vertrertern der Armenier auf dem Weg zum Gedenkort

Erdogan attackiert Frankreich wegen Gedenktag

Die Türkei, als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs, lehnt die Einstufung der Massaker als Völkermord kategorisch ab. Die türkische Regierung spricht von wesentlich geringeren Opferzahlen. Präsident Recep Tayyip Erdogan reagierte dementsprechend empört auf die Gedenkveranstaltungen in Frankreich und warnte Europa davor, seinem Land "Lektionen" zu erteilen. Vor allem Frankreich ging der türkische Staatschef scharf an. "Wenn wir jene betrachten, die bei der Armenier-Frage und dem Kampf gegen den Terrorismus versuchen, der Türkei Lehren zu den Menschenrechten und der Demokratie zu erteilen, sehen wir, dass sie alle eine blutige Vergangenheit haben", sagte Erdogan in Ankara.

Frankreich Paris | Gedenken an Völkermord an Armeniern (Getty Images/AFP/E. Feferberg)

Kranzniederlegung an der Place du Canada in Paris

Die Dokumente in den Archiven zeigten "ganz klar", dass die Franzosen für den Völkermord in Ruanda verantwortlich seien und auch in Algerien Massaker begangen hätten, sagte Erdogan.

Deportationen waren "angemessen"

Aus der Türkei gibt es seit Wochen scharfe Kritik an der Entscheidung von Frankreichs Präsident Macron, den 24. April zum Armenier-Gedenktag zu erklären. An diesem Tag waren 1915 in Istanbul mehr als 200 Mitglieder der armenischen Elite deportiert worden. Für die Armenier markiert dieses Datum den Beginn der Massaker.

Erdogan verteidigt die Massendeportationen von Armeniern im Osmanischen Reich immer wieder. Es sei "angemessen" gewesen, "armenische Banden und ihrer Unterstützer zu deportieren". Die Türkei vertritt die Auffassung, es habe Gewalt auf beiden Seiten gegeben. "Deportationen sind eine Sache, Massaker eine andere", sagte Erdogan.

Nach der Darstellung der türkischen Regierung wurden im Chaos des Krieges auch auf türkischer Seite hunderttausende Zivilisten getötet. Um die Bewertung der Ereignisse gibt es seit Jahren Streit mit anderen Staaten, darunter auch Deutschland.

Gedenkfeier zum Jahrestag in Istanbul verboten

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Die Südkaukasusrepublik Armenien fordert seit langem von der Türkei, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen.

Auch in der türkischen Metropole Istanbul haben Intellektuelle Veranstaltungen zur Erinnerung an die Massaker geplant. Eine Gedenkfeier für die Opfer der Deportationen in Istanbul wurde am Mittwoch von den Behörden verboten. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, löste die Polizei eine Kundgebung vor dem Museum für Islamische Kunst auf, in dem die Armenier am 24. April 1915 inhaftiert worden waren. Der Aktivist Benjamin Abtan sagte, es sei das erste Mal seit neun Jahren, dass die Gedenkfeier an diesem Ort verboten worden sei.

qu/stu/pgr (afp, dpa)

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