Flüchtlingswelle in Nordsyrien wird immer größer | Aktuell Nahost | DW | 15.10.2019
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Massenflucht in Syrien

Flüchtlingswelle in Nordsyrien wird immer größer

Eine Woche nach Beginn der türkischen Militäroffensive gegen kurdische Milizen fliehen immer mehr Zivilisten aus Nordsyrien. Nach UN-Angaben wurden bereits mindestens 190.000 Menschen vertrieben. Und ihre Zahl steigt.

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Angesichts blutiger Kämpfe wird das Leiden der Zivilbevölkerung im Norden Syrien immer sichtbarer. Vor der türkischen Militäroffensive sind nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) mindestens 190.000 Menschen geflohen. Unter den Vertriebenen sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF etwa 70.000 Minderjährige. Die kurdischen Behörden im Nordosten Syriens erklärten sogar, mehr als 275.000 Menschen in der Region seien auf der Flucht vor Bomben und Granaten.

Immer mehr unbeteiligte Zivilisten werden Opfer der anhaltenden Kämpfe: Jeden Tag gebe es neue Berichte über Verletzte und Tote, erklärte das UN-Menschenrechtskommissariat in Genf. Die Opfer würden von Luftschlägen, Bodenbeschuss und Heckenschützen getroffen. Mindestens vier Kinder wurden auf der syrischen Seite der Grenze getötet, sieben auf türkischem Gebiet, wie UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore erklärte.

Nach Angaben des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) fliehen die meisten Menschen vor dem türkischen Militär und dessen verbündeten syrischen Kampfgruppen nach Süden. Dort kommen sie vielfach bei Verwandten und Bekannten unter. Aber mehr und mehr Vertriebene fänden Zuflucht in Aufnahmelagern. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR unterstützt knapp 32.000 Geflohene mit Decken, Lampen und anderen Hilfsgütern. Das Welternährungsprogramm teilte mit, es habe an mehr als 83.000 Menschen Essensrationen verteilt.

Flucht in den Irak

Ein Teil der Geflohenen sucht Zuflucht im benachbarten Irak. Rund 2000 Menschen seien auf dem Weg zur irakischen Grenze, teilte das Flüchtlingshilfswerk in Genf mit. An der Grenze seien in der Nacht zu Dienstag mehr als 270 traumatisierte Menschen angekommen. Am Wochenende seien es knapp 200 gewesen. Die Ankömmlinge würden in Lager in Dohuk gebracht und dort versorgt.

Der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, berichtete, man habe Berichte und Aufnahmen von Erschießungen erhalten, für die Kämpfer verantwortlich sein sollen, die mit der Türkei verbündet sind. Die UN-Menschenrechtsorganisation forderte die Türkei auf, sich an einer unabhängigen Untersuchung der Vorfälle zu beteiligen. In der Türkei seien laut den dortigen Behörden in den vergangenen Tagen 18 Menschen durch grenzüberschreitenden Beschuss getötet worden.

UNICEF forderte die Konfliktparteien auf, Kinder jederzeit zu schützen. Auch die zivile Infrastruktur müsse bei Angriffen ausgespart werden, betonte UNICEF-Chefin Fore. Bei den Kämpfen seien drei Gesundheitseinrichtungen und Krankenwagen sowie eine Schule beschossen worden. Zudem sei ein Wasserwerk außer Betrieb gesetzt worden, das fast 400.000 Menschen in Al-Hassakeh mit Wasser versorge.

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Türkei-Offensive: Die Not der Zivilisten

Zwei Journalisten getötet

Derweil wurde bekannt, dass während des türkischen Militäreinsatzes im Nordosten Syriens mindestens zwei Journalisten getötet wurden. Es handle sich um einen Korrespondenten der kurdischen Medienagentur Hawar News (ANHA) und einen Korrespondenten des schwedisch-kurdischen Senders Çira TV, teilte die Organisation Reporter ohne Grenzen mit. Sie seien am Sonntag bei einem Luftangriff auf einen zivilen Konvoi zu Tode gekommen. Mindestens acht weitere Journalisten von regionalen Medien wurden demnach verletzt.

Die Organisation verurteilte die Angriffe scharf und forderte die Türkei auf, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum Schutz von Journalisten in bewaffneten Konflikten einzuhalten. Das UN-Gremium hatte die Resolutionen in den Jahren 2006 und 2015 als Reaktion auf eine steigende Zahl an Todesfällen unter Journalisten in Krisengebieten verabschiedet, unter anderem im Irak und in Syrien. Im weltweiten Ranking der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt die Türkei derzeit auf dem 157. und Syrien auf dem 174. von insgesamt 180 Plätzen.

kle/fab (epd, dpa, rtr, afp)

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