FIFA streicht ″Korruption″ aus Ethikcode | NRS-Import | DW | 17.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

FIFA streicht "Korruption" aus Ethikcode

Seit Mitte August ist der neuen Ethikcode des Weltfußballverbandes FIFA in Kraft. Das Wort "Korruption" wurde aber aus dem Regelwerk gestrichen. Was hat sich noch geändert, und wie sind die Änderungen einzuordnen?

Fifa-Präsident Gianni Infantino (m.) gemeinsam mit Katars Emir Sheikh Tamim Bin Hamad (r.) und Russlands Präsident Vladimir Putin (l.) (Foto: Reuters/Y. Kadobnov)

Fifa-Präsident Gianni Infantino (m.) gemeinsam mit Katars Emir Sheikh Tamim Bin Hamad (r.) und Russlands Präsident Vladimir Putin (l.)

Am 12. August ist der neue FIFA-Ethikcode in Kraft getreten. Das Wort "Korruption" kommt in der deutschen, englischen und spanischen Fassung nicht mehr vor. "Die FIFA hat die Korruption offiziell ausgerottet. Alles, was es dazu brauchte, war nur den Löschknopf zu drücken", spottet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Der Weltfußballverband rechtfertigte sich mit einem wachsweichen Statement. Dort hieß es, dass man nur den Begriff "Korruption" gestrichen habe, der Tatbestand im Kapitel über "Bestechung" aber nach wie vor im Ethikcode enthalten sei. Am Freitag hat sich der deutsche Jurist Hans-Joachim Eckert, ehemaliger Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, zu dem neuen "FIFA-Ethik-Reglement 2018" geäußert. Eckert hatte einst gemeinsam mit dem damaligen Chefermittler Cornel Borbely die damaligen FIFA- und UEFA-Präsidenten Joseph Blatter und Michel Platini zu Fall gebracht.

Dass in der deutschen, englischen und spanischen Version des neuen Ethik-Codes das Wort "Korruption" nicht mehr vorkommt, könne man sehen, wie man wolle. "Vielleicht so, dass die FIFA denkt, dass es keine Korruption mehr gibt. Das wäre ein Witz. Auch wenn man juristisch so argumentieren kann, dass der Straftatbestand der Bestechung weiter im Code steht", sagte Eckert im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst (SID).

Hans-Joachim Eckert (picture-alliance/dpa/W. Bieri)

Hans-Joachim Eckert, Ex-Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission

Für Bestechung, die zuvor mit Korruption in einem Paragraphen zusammengefasst war, wird neuerdings eine Mindestsperre von fünf Jahren und eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet mindestens 88.000 Euro festgesetzt. Der Tatbestand der Bestechung, Veruntreuung und Spielmanipulation verjährt ab sofort allerdings schon nach zehn Jahren, beziehungsweise nach 15 Jahren bei bereits eröffneten Verfahren. Für Eckert ist die Verankerung der Verjährungsfristen ein Rückschritt: "Wir haben bei unserer Arbeit festgestellt, dass viele Dinge weit zurückliegen und auch eine nachträgliche Aufarbeitung wichtig ist."

Kritik unerwünscht

Der neue Paragraph 22.2 des FIFA-Ethikcodes verbietet sämtlichen Spielern, Spielervermittlern und Fußball-Offiziellen öffentlich verleumderische Aussagen über die FIFA und die dem FIFA-Ethikcode unterstellten Personen zu treffen. Bei einem Verstoß gegen die Vorschrift drohen eine Geldstrafe von umgerechnet mindestens 8800 Euro und eine bis zu zweijährige Sperre von allen Fußballtätigkeiten. "Das bedeut nichts anderes, als dass man keine Kritik mehr haben will", sagt Eckert. Der ehemalige Vorsitzende der rechtsprechenden Fifa-Ethikkammer war wie auch Chefermittler Cornel Borbely von der FIFA ohne triftigen Grund nicht mehr zur Wiederwahl zugelassen worden. Die fragwürdigen Änderungen am Ethikcode "tragen mit Sicherheit die Handschrift des Präsidenten (Gianni Infantino, Anm. d. Red.) und von dessen Beratern", so der deutsche Jurist.

Eckert hatte die FIFA-Ethikkommission in ihrer derzeitigen Besetzung bei der WM in Russland als "weniger als ein Feigenblatt" bezeichnet. Die neue Chefin der ermittelnden Ethikkammer, Maria Claudia Rojas aus Kolumbien, spreche "weder Englisch noch Französisch, sie sitzt in Südamerika und hat verschwiegen, dass sie mit dem ehemaligen Verbandspräsidenten Kolumbiens, Luis Bedoya, gut bekannt ist". Bedoya ist wegen Korruption auf Lebenszeit von allen Ämtern im Fußball ausgeschlossen. Auch Abgeordnete des Europarats kritisierten die Berufung von Rojas. Diese habe nicht das Profil eines Strafverfolgers sagte die luxemburgische Parlamentarierin Anne Brasseur. Rojas selbst hält sich seit Monaten bedeckt, die FIFA verweigert bislang jegliche Stellungnahme und Interviewanfragen zur Personalie.

Der neue Ethikcode zeigt, dass bei der FIFA auch nach dem Ende der von Korruptionsskandalen geprägten Blatter-Ära kein Umdenken stattgefunden hat. Wie in den Gastgeberländern der Weltmeisterschaften 2018 und 2022, Russland und Katar, gilt auch bei der FIFA: bloß keine Kritik am System üben.

Die Redaktion empfiehlt