FFP2-Masken-Pflicht in Bayern findet geteiltes Echo | Deutschland | DW | 13.01.2021
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Pandemie

FFP2-Masken-Pflicht in Bayern findet geteiltes Echo

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigt eine Pflicht zum Tragen von hochwertigen Masken in der Öffentlichkeit an. Experten sind dafür, aus der Politik kommen Einwände.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lässt keinen Tag vergehen ohne eine neue Idee zur Bekämpfung der Corona-Pandemie: Erst seine Forderung nach einer Impfpflicht für Pflegekräfte, dann die Ankündigung: Ab nächsten Montag wird das Tragen von FFP2-Masken in Bayern in Geschäften, Bussen und Bahnen zur Pflicht. Eine Idee, der sich so bislang noch kein weiteres Bundesland angeschlossen hat.

Deutschland München | Sondersitzung Kabinett | Markus Söder

Jeden Tag eine neue Idee zur Corona-Bekämpfung: Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU)

Bayern ist seit Beginn der Pandemie ein Bundesland mit vergleichsweise hohen Infektionszahlen. Diverse Experten können der Idee durchaus etwas abgewinnen.

"Natürlich ist eine FFP2-Maske besser"

So sagte etwa der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: "Prinzipiell finde ich die Idee gut." Es müssten aber zwingend Angebote damit verbunden sein. Zum einen der kostenlose Zugang zu solchen medizinischen Masken, zum anderen Anleitungen zur richtigen Benutzung: "Ohne solche Angebote sehe ich das kritisch." Der Virologe Alexander Kekulé ergänzte: "Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nasen-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird. Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln drängen sich viele Menschen auf engem Raum." Mit einer FFP2-Maske sinke das Risiko einer Infektion deutlich.

Linke befürchtet Ausschluss Armer vom öffentlichen Leben

Die Abkürzung "FFP" steht für "filtering face piece", in Deutschland sprechen die Experten etwas sperrig von einer "partikelfiltrierenden Halbmaske". Solche Masken unterscheiden sich von dem einfachen Mund-Nasen-Schutz, der mittlerweile zum Alltagsbild auch in Deutschland gehört, dadurch, dass sie wesentlich enger am Gesicht anliegen. Dabei wird nicht nur die ausgeatmete, sondern auch die eingeatmete Luft gefiltert. Drei Güteklassen von FFP-Masken gibt es, die sich grob gesagt dadurch unterscheiden, wie viele Partikel sie filtern können. Zumeist werden solche Masken am Arbeitsplatz eingesetzt, aber im deutschen Stadtbild sind mittlerweile auch viele Menschen zu sehen, die sich diese Masken mit besserer Schutzfunktion zugelegt haben. In der Norm-Anforderung für FFP-Masken der Güteklasse 2, also kurz FFP2-Masken, ist zu lesen: Diese Masken müssen 94 Prozent der Testaerosole, also sehr feiner Flüssigkeitspartikel, abhalten können. Das hat seinen Preis. Ein Zufallsanruf in einer Apotheke in Berlin ergab: Eine FFP2-Maske kostet 2,50 Euro, fünf Stück sind für 11,50 Euro zu haben. Preise, die bei Familien mit geringem Einkommen schnell zum Problem werden können, wenn der Staat die Masken nicht kostenlos anbietet.

2 Millionen Masken an Bedürftige kostenlos? 

Denn offiziell dürfen FFP2- Masken nur einmal benutzt werden. Das rief gleich die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, auf den Plan: "Eine FFP2-Pflicht, ohne Masken zur Verfügung zu stellen, bedeutet in der Praxis: Arme Menschen werden vollständig vom öffentlichen Leben ausgeschlossen." Seit Dezember können wegen des höheren Preises etwa Menschen über 60 Jahre, Vorerkrankte und Schwangere FFP2-Masken kostenfrei in der Apotheke abholen und erhalten dafür Gutscheine von ihren Krankenkassen. Medienberichten zufolge will Bayern etwa 2 Millionen Masken an Bedürftige kostenlos zur Verfügung stellen.

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen, der sich am kommenden Wochenende um den Vorsitz seiner Partei bewirbt, hält die Idee Söders aus einem anderen Grund für verfrüht: Man müsse den Menschen erst erklären, warum FFP2-Masken wirksamer seien und wo der Unterschied zum normalen Mund-Nase-Schutz liege, sagte er im Fernsehsender RTL. Er sei dafür, dass man vor allen Dingen die Bevölkerung mitnehme und "dass wir ihr nicht unterstellen, dass die Bevölkerung das nicht einsieht und darum kommen Pflichten, Kontrolle und Zwang."

In Krankenhäusern oft mehrmaliger Gebrauch

Auch wenn die FFP2 - Masken also offiziell nur einmal getragen werden dürfen, ist aus deutschen Krankenhäusern zu hören, dass die Masken bis zu fünf Mal etwa acht Stunden lang genutzt werden. Klinik-Ärzte etwa legen sich eine Montags-oder Dienstag-Maske zurecht, reinigen sie bei hohen

Virologe Alexander Kekule

Alexander Kekulé: "Natürlich sind FFP2-Masken besser!"

Temperaturen nach dem Gebrauch, um sie in der Folgewoche wieder zu tragen. In vielen Betrieben etwa wird zudem empfohlen, die Masken nur maximal acht Stunden zu tragen und in Pausen abzulegen, da das Atmen durch FFP2-Masken erheblich schwere fällt als durch den einfachen Mund-Nasen-Schutz.

Kann man also das Tragen dieser Masken innerhalb weniger Tage einfach anordnen? Und bringen sie wirklich den Effekt, den Söder sich davon erhofft? Der Chef der Krankenhaushygiene des Universitäts-Klinikums in Hamburg-Eppendorf, Johannes Knobloch, warnt vor zur großen Erwartungen: "Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einweg-Maske", so Knobloch. Und er weist noch auf eine andere Schwierigkeit hin: Für Bartträger ist eine FFP2-Maske eigentlich nicht geeignet: "Sie ist bei Männern nur mit glattrasierter Haut zu tragen." Schon beginnender Bartwuchs könne ein Problem darstellen, weil sich ein Abstand zwischen Haut und Maske bilde, durch die Luft ungefiltert ein- und ausströme.

FFP2-Masken auch im Bundestag

Söder aber bleibt bei seiner Idee: FFP2-Masken schützten nicht nur die anderen, sondern auch die Träger, argumentiert er. Auch die hochwertigeren FFP2-Masken seien mittlerweile im Überfluss vorhanden und

Deutschland Berlin | Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Auch mit FFP2-Maske: Bundeskanzlerin Angela Merkel

leicht beziehbar. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwähnte die neue Söder-Idee bei seiner Regierungserklärung im Bundestag am Mittwoch dennoch mit keinem Wort. Unterstützung erhielt Söder aber vom FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, der empfahl, über Söders Idee sorgfältig nachzudenken und im Gegenzug Beschränkungen zurück zu nehmen. Die Kosten für die Masken könnten etwa von der Steuer abgesetzt werden. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt entgegnete, eine solche Regelung mache nur Sinn, wenn wirklich alle Menschen sich die Masken auch leisten könnten, sonst werde Vertrauen verspielt. Aber insofern erhielt Söder Unterstützung vom Bundestag, als dass die Abgeordneten in großer Mehrheit mit FFP2-Masken zu sehen waren.

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