Feuer in Flüchtlingslager Vathy auf griechischer Insel Samos | Aktuell Europa | DW | 20.09.2020
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Menschenrechte

Feuer in Flüchtlingslager Vathy auf griechischer Insel Samos

Vor knapp zwei Wochen brannte das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Nun trifft es ein anderes Camp auf einer anderen Insel - auf Samos. Die erbärmlichen Zustände haben auch hier für Schlagzeilen gesorgt.

Flüchtlinge auf Samos (Angelos Tzortzinis/dpa/picture-alliance)

Flüchtlinge in einem Lager auf Samos (Archiv)

Das Feuer ist im Aufnahmezentrum Vathy auf der griechischen Insel Samos ausgebrochen. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr sind die Flammen inzwischen unter Kontrolle. Es bestehe kein Risiko, dass sie sich ausbreiteten, hieß es. Mehrere Wohncontainer sind zerstört. Es soll in einem Bereich des Lagers gebrannt haben, in dem unbegleitete Minderjährige wohnen. In der Nähe des Flüchtlingslagers hatte es bereits am vergangenen Dienstag ein Feuer gegeben. Mehrere Männer waren wegen des Verdachts der Brandstiftung in Gewahrsam genommen worden.

Wie das Lager Moria auf Lesbos war die Einrichtung auf Samos 2015 während des Zustroms Hunderttausender Geflüchteter Richtung Europa errichtet worden. Auch dieses Camp ist völlig überfüllt - statt der vorgesehenen 650 Menschen leben dort fast 6000 Migranten. Die hygienischen Zustände sind mangelhaft. Immer wieder gibt es gewaltsame Auseinandersetzungen unter den Bewohnern und Brände in Vathy. 

Die wegen der Corona-Pandemie verhängte Ausgangssperre über sämtliche Flüchtlingslager in Griechenland sorgt für zusätzliche Spannungen. Bei den Geflüchteten auf Samos wurden nach Behördenangaben bislang 21 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen.

10.000 Menschen beziehen neues Lager Kara Tepe auf Lesbos

Auf der griechischen Insel Lesbos hat sich die Lage nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria etwas beruhigt. Vize-Migrationsminister Notis Mitarakis erklärte mit Blick auf das kurzfristig neu errichtete Zeltlager für die mehr als 12.000 obdachlos gewordenen Menschen, die neue Struktur funktioniere. Rund 10.000 Menschen haben nach seinen Worten das Camp bei Kara Tepe an der Ostküste der Insel mittlerweile bezogen. Es gilt als größtes seiner Art in Europa. 

Griechenland Lesbos | Umzug in neues Lager Kara Tepe (Reza Shirmohammadi/DW)

Das neue Lager Kara Tepe

Mehr als 2000 Campbewohner werden allerdings vermisst. Es wird vermutet, dass sie untergetaucht sind - auch aus Angst, das Lager nicht mehr verlassen zu dürfen. Im Zeltlager seien die Menschen alle registriert worden, damit ihre Asylverfahren weiterlaufen könnten, berichtete die griechische Nachrichten-Agentur ANA-MPA. Außerdem seien sie bei ihrem Einzug in das Camp auf das Coronavirus getestet worden. 213 Menschen seien infiziert, sie würden in einem abgetrennten Teil des Lagers isoliert.

Griechenland Lesbos | Umzug in neues Lager Kara Tepe (Reza Shirmohammadi/DW)

Ein trostloser Anblick - Toilettenhäuschen in Kara Tepe

Viele Migranten und Flüchtlinge auf Lesbos fordern, ganz von der Insel gebracht zu werden. Das Ansinnen unterstützen humanitäre Organisationen. Die griechische Regierung verweist jedoch auf das Abkommen der EU mit der Türkei vom Jahr 2016. Demnach müssen alle Migranten auf den Inseln bleiben, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Wer kein Asyl bekommt, muss in die Türkei zurück. Mit Verweis auf Corona weigern sich die türkischen Behörden jedoch seit Monaten, abgelehnte Asylbewerber wieder zurückzunehmen.

se/ehl (afp, rtr, dpa)

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