FC St. Pauli: nicht linksextrem - aber auf britischer Anti-Terror-Liste | Sport | DW | 20.01.2020
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FC St. Pauli

FC St. Pauli: nicht linksextrem - aber auf britischer Anti-Terror-Liste

Das Totenkopf-Logo des deutschen Fußballvereins FC St. Pauli taucht auf einer britischen Anti-Terror-Liste auf. Der Klub wundert sich, warum. Die britische Terror-Abwehr-Organisation rudert nun ein Stück zurück.

Der deutsche Zweitliga-Fußballverein FC St. Pauli ist offenbar ins Visier der Terrorfahnder in Großbritannien geraten, so scheint es zumindest: Das Logo des Vereins, das ein Totenkopf ziert, steht auf einer Liste von Gefährdern, auf einer Anti-Terror-Liste. 

 

Beim FC St. Pauli sind sie entsprechend überrascht. Ein Klubsprecher teilte der DW mit, dass die Anwesenheit von St. Pauli auf einer solchen Liste völlig unerwartet sei und dass sie sich an die britische Polizei gewandt hätten, um herauszufinden, warum sie als Bedrohung eingestuft wurden. 

Die DW hat sich ebenfalls mit Fragen an die Polizei gewandt, aber bisher keine Antwort erhalten. Der Twitter-Account des Klubs unterstützte derweil die Reaktion des St.Pauli-Spielers James Lawrence. Der hatte auf Twitter und Instagram mitgeteilt, er teile die Haltung, für die der Verein stehe. "Stolz auf die Werte, die wir haben. Stolz darauf, für St. Pauli zu spielen. Antifaschistisch, antirassistisch, antisexistisch und antihomophob. Was kann man daran nicht mögen?"

Auch die Anhänger des Vereins brachten in den sozialen Netzwerken ihre Bestürzung und ihre Solidarität zum Ausdruck und machten sich auch ein wenig lustig über die britische Behörde. Gegenüber der DW sagte der Fanclub "Manchester St. Pauli" aus Großbritannien: "Die Tatsache, dass eine Zweitligamannschaft in Deutschland einen solchen Einfluss haben kann, dass die britischen Sicherheitskräfte das so erkennen – das ist etwas, worauf wir stolz sein sollten." Die Tatsache, dass die britische Gesellschaft "Antifaschismus" als potenziell extreme Sichtweise ansieht, sei etwas, worüber man sich Sorgen machen sollte.

"Keine Bedrohung für nationale Sicherheit"

Die Organisation selbst erklärte auf ihrer Homepage, die Symbole nicht als extremistisch einzustufen. "Wir betrachten sie nicht als Bedrohung für die nationale Sicherheit. Wir stellen diese Dokumente her, um Einsatzkräften und anderen Kollegen dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen", wird Sprecher Dean Haydon zitiert. Haydon wies zudem darauf hin, dass die Liste explizit klar stelle, dass viele der Gruppen, deren Symbole auf der Liste sind, für die Anti-Terrorismus-Arbeit nicht relevant seien und die Mitgliedschaft in diesen Gruppen in keiner Weise auf Kriminalität hindeute. "Etwas anderes zu unterstellen, ist nicht hilfreich und irreführend."

Die "Counter Terrorism Policing" ist ein Zusammenschluss der staatlichen Anti-Terrorkämpfer von Polizei und Geheimdienst des Vereinigten Königreichs zum "Schutz der Öffentlichkeit und der nationalen Sicherheit durch Verhütung, Abschreckung und Ermittlung terroristischer Aktivitäten."

Auf der Liste sind unter anderem Logos der Umweltschutzorganisation "Greenpeace", der Protestbewegung "Occupy", der Umweltbewegung "Extinction Rebellion" und der Cyber-Aktivisten "Anonymous" zu sehen – neben den Erkennungszeichen von Terrorgruppen und verbotenen rechtsextremistischen Gruppierungen. Der FC St. Pauli wird - als einziger Fußballverein auf der Liste - unter der Kategorie "Zeichen und Symbole für den linken Flügel" geführt.

Verein mit Haltung

Die Zeitung "Guardian" hatte über die 24-seitige Liste der "Counter Terrorism Policing" als erstes berichtet. Die Liste, die im vergangenen Sommer landesweit verteilt wurde, richtet sich an Beschäftigte des öffentlichen Dienstes: an Polizisten, Ärzte, Lehrer.

Der FC St. Pauli mit Sitz in Hamburg ist bekannt für seine linksgerichtete, antifaschistische Haltung. Die Fans hatten ihre Unterstützung für die kurdische Notlage im nahen Osten zum Ausdruck gebracht und Plakate entworfen, auf denen Flüchtlinge begrüßt wurden. Sie waren mehrmals bei Auswärtsspielen in Konfrontationen mit Neonazis und Hooligans verwickelt.