Familienunternehmen: Kaum Frauen in Führungspositionen | Wirtschaft | DW | 18.05.2022
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Diversität

Familienunternehmen: Kaum Frauen in Führungspositionen

Aldi, Bertelsmann, Deichmann, Haribo, Miele - Familienunternehmen stehen für starke Marken und sind besonders abhängig vom Vertrauen ihrer Kunden. Auch deshalb mahnt die AllBright Stiftung mehr Frauen im Management an.

In Deutschland spielen Familienunternehmen  eine zentrale Rolle für die Wirtschaft. Aktuelle Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn belegen das. Danach sind von den rund 3,6 Millionen Unternehmen hierzulande fast 94 Prozent in Familienbesitz.

Doch wenn es um Chancengleichheit und Vielfalt in der Führung geht, erscheinen die Familienunternehmen in keinem guten Licht. Die gemeinnützige schwedisch-deutsche AllBright Stiftung stellt in ihrem aktuellen Jahresbericht fest, dass der Frauenanteil in den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten Familienunternehmen nur bei 8,3 Prozent liegt (Stichtag: 1. März 2022). Vor zwei Jahren lag der Wert sogar lediglich bei rund sieben Prozent. Auch deshalb heißt es im aktuellen, an diesem Donnerstag vorgestellten Bericht: "Die Welt dreht sich, die Familienunternehmen stehen still."

Infografik Frauenanteil Familienunternehmen DE

Zum Vergleich: Bei den 160 an der Frankfurter Börse in den drei großen Indizes Dax, MDax, und SDax notierten Aktiengesellschaften lag der Anteil weiblicher Führungskräfte in Spitzenpositionen bei 14,3 Prozent, also fast doppelt so hoch. Im Internationalen Vergleich seien beide Werte "ungewöhnlich" niedrig, stellt die AllBright Stiftung fest. Mehr als zwei Drittel der Familienunternehmen habe keine einzige Frau in der Geschäftsführung.

Generationen, nicht Quartale zählen

Es sei eine Stärke der Familienunternehmen, dass sie in Generationen dächten und nicht in Quartalen, kommentiert die paritätisch besetzte Spitze der Stiftung. "Gerade deshalb sollten sie Diversität und Chancengleichheit nicht als Zeitgeistthema unterschätzen; es geht um eine der großen, dauerhaften gesellschaftlichen Veränderungen - und eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen."

"Je privater das Unternehmen, desto männlicher die Führung", heißt es in dem Bericht. Die Stiftung verweist darauf, dass die öffentliche Erwartungshaltung wirke: Der Frauenanteil auf Vorstandsebene sei bei den 40 großen Dax-Unternehmen mit 19,8 Prozent im Vergleich am höchsten. Sie stünden am stärksten im öffentlichen Fokus und unterlägen einer strengen Transparenzpflicht.

Keine Transparenzpflicht in Familienunternehmen

Die 70 im Bericht erwähnten Familienunternehmen, die sich vollständig in Familienbesitz befinden, schnitten dagegen am schlechtesten ab: Hier läge der Frauenanteil in den Geschäftsführungen seit März 2020 unverändert bei nur 4,8 Prozent.

Im Management der großen Familienunternehmen finden sich laut Bericht nur in den seltensten Fällen noch Familienmitglieder. Die Familie steuere meist über Besetzungen des Aufsichtsrates oder ähnlicher Kontrollgremien die Geschicke der Firmen und übertrage dabei die Geschäftsführung an familienfremde Manager. 

"Diversität zieht Top-Talente an"

So schöpften Börsen- und Familienunternehmen aus demselben Personalpool, würden jedoch sehr unterschiedliche Entscheidungen treffen, teilt die Stiftung mit: "Bei den 40 Dax-Unternehmen waren 38 Prozent der Neurekrutierungen seit 1. März 2020 weiblich, bei den 70 Familienunternehmen in vollständigem Familienbesitz waren es nur sechs Prozent. Dort wurden tatsächlich mehr Personen rekrutiert, die Stefan heißen (7), als Frauen (5)."

"Diversität zieht Top-Talente an, ein veraltetes Führungsverständnis tut es nicht", ist sich die Geschäftsführung der AllBright Stiftung sicher. Die Familienunternehmen riskierten, in der Konkurrenz um die besten Köpfe zu Arbeitgebern zweiter Wahl zu werden. "Doch Familienunternehmen sind seit jeher Anpassungskünstler: Überlebt hat, wer die Zeichen der Zeit erkannt und für sich genutzt hat." Familienunternehmen hätten trotz allem gute Voraussetzungen, auch diese Herausforderung zu meistern, sollten aber zügig ihre Prioritäten justieren, meint die Stiftung.

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