Fahrradfahren in London | DW Reise | DW | 01.06.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Reise

Fahrradfahren in London

Am Europäischen Tag des Fahrrads (3.6.) stehen Vorteile und Risiken dieses populären Fortbewegungsmittels im Fokus. Für Fahrradfans in europäischen Metropolen kann es aber sehr gefährlich werden, besonders in London.

Großbritannien London Tweed Run (picture-alliance/PA Wire/J. Brady)

Teilnehmerin am Fahrrad-Event "London Tweed-Run" im Mai 2018

Fahrradfahren ist umweltbewusst und fördert die Gesundheit. In der Großstadt London, mit mehr als acht Millionen Menschen, lauern allerdings einige Gefahren - wie auch Ed Sheeran erfahren musste. Er verletzte sich im vergangenen Herbst bei einem Fahrradunfall in London. Der Sänger hatte einen Arm bandagiert und den anderen in einer Armschlinge. Er musste mehrere Konzerte absagen.

Ranking Verkehrssicherheit                                        

Bei einem Greenpeace-Ranking zur Verkehrssicherheit in 13 europäischen Großstädten landete London vor zwei Jahren auf dem vorletzten Platz. Nur die italienische Metropole Rom schnitt noch schlechter ab.

Ed Sheeran (Imago/ZumaPress)

Im Oktober 2017 verletzte sich Musiker Ed Sheeran bei einem Fahrradunfall an beiden Armen

Dem Bericht zufolge kamen in London im Jahr 2016 acht Radfahrer ums Leben. Mit 251 Unfällen auf 10.000 Fahrradfahrten krachte es in keiner anderen Stadt so häufig wie in der britischen Metropole. In Berlin kamen im gleichen Zeitraum sogar 15 Fahrradfahrer ums Leben. Doch der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken lag mit 13 Prozent auch deutlich höher als in London. Dort wurden nur 2 Prozent der Strecken mit dem Rad zurückgelegt.

Viele Radfahrer in London fühlen sich bedroht. Das ergab eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Royal Holloway Universität und des King's College. Mehr als 70 Prozent der Fahrradfahrer gaben an, dass sie mit Angst im Verkehr unterwegs sind. Sie hätten sogar das Gefühl, dass andere Verkehrsteilnehmer ihnen absichtlich Schaden zufügen wollten. Befragt wurden mehr als 320 Menschen, die regelmäßig in London mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Doch warum ist Radfahren in London so gefährlich?

Der britische Comedian Jay Foreman versucht sich mit einem ulkigen Internetvideo an einer Erklärung. Angeblich zufällig ausgewählte Passanten sagen darin Sätze wie: "Ich? In London Rad fahren? Nein! Ich werde sterben" oder "Du musst schon verdammt verrückt sein, um in London Rad zu fahren". Foremans Fazit: Zu viele Straßen, die nur für den Autoverkehr ausgelegt sind, zu viele schlecht überschaubare Kreisverkehre, wenig klar abgegrenzte Radwege.

Fahrradfahren soll sicherer werden

Doch es gibt Hoffnung, dass sich die Situation langsam bessert: Seit zwei Jahren werden an vielen Kreuzungen die Ampelphasen so eingestellt, dass Radfahrer nicht mehr gleichzeitig mit Autos Grün bekommen, sondern etwas früher, wie die "Financial Times" schreibt. In den kommenden fünf Jahren wollen die Stadt London und die Verkehrsgesellschaft Traffic for London (TfL) umgerechnet 2,5 Milliarden Euro investieren, um die Straßen sauberer und sicherer zu machen, wie eine TfL-Sprecherin mitteilt.

Großbritannien Boris Johnson Fahrrad (Getty Images/B. Pruchnie)

Noch als Bürgermeister eröffnete der jetzige Außenminister Boris Johnson 2015 Londons ersten Fahrradschnellweg

Da viele Lkws in Fahrradunfälle verwickelt sind, sollen die gefährlichsten Schwertransporter bis 2020 aus der Londoner Innenstadt verbannt werden. Auch sollen Verkehrspolizisten vermehrt zum Einsatz kommen und Fahrer, die mit riskantem Fahrstil auffallen, zur  Verantwortung ziehen.

Doch Radfahrer sind nicht nur Opfer, manchmal sind sie auch Täter. Im vergangenen Jahr wurde ein 20-Jähriger zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, weil er eine Frau zu Tode fuhr. Er war mit einem sogenannten Fixed Gear Bicycle (kurz "Fixie") unterwegs, als er mit der Frau zusammenstieß. Das für den Rennsport konzipierte Fahrrad hatte keine Bremse.

Großbritannien London Fahrradfahrer (picture-alliance/dpa/S. Koch)

Warten an der roten Ampel nahe Westminster in London

Und noch ein anderes Problem macht insbesondere Fahrradfahrern und Fußgängern zu schaffen. Bei der Luftverschmutzung liegt London Greenpeace zufolge zusammen mit Berlin, Rom, Budapest und Paris auf den hinteren Plätzen in Europa. Die Stickstoffdioxid-Werte der Londoner Luft liegen über dem EU-Grenzwert und sind sowohl für die Umwelt als auch für die Gesundheit besorgniserregend. Viele Fahrradfahrer tragen deshalb aus Angst um ihre Gesundheit Mund- oder Atemschutzmasken.

Silvia Koch (dpa)

Die Redaktion empfiehlt