EZB lässt Geldpolitik noch lange locker | Wirtschaft | DW | 24.01.2019
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Eurozone

EZB lässt Geldpolitik noch lange locker

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins in der Eurozone beim historischen Rekordtief von null Prozent, peilt aber weiterhin die Rückkehr zur Normalität an - trotz düsterer Konjunkturaussichten.

Europas Währungshüter halten das Geld weiterhin billig. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent, wie der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main entschied. Seit März 2016 erhalten Banken frisches Geld bei der Notenbank zum Nulltarif. Sparer müssen sich indes noch gedulden. EZB-Chef Mario Draghi hat den Finanzmärkten in Sachen Zinspolitik einen Wink gegeben und lässt damit eine Erhöhung in diesem Jahr eher unwahrscheinlich erscheinen. Die Börsen erwarteten eine erste Anhebung erst 2020. Dies zeige, dass sie die EZB verstanden hätten, sagte der Italiener.

Nach der jüngsten Serie schwacher Konjunkturdaten waren Ökonomen zu der Einschätzung gekommen, dass die Europäische Zentralbank eine Zinserhöhung hinauszögern dürfte. Nach dem Wink Draghis gehen die Geldmärkte nunmehr nur noch von einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent für eine Anhebung im laufenden Jahr aus. Zuvor waren es noch 45 Prozent. Laut offizieller Sprachregelung der EZB wird der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, 2019 "über den Sommer hinweg" nicht angetastet werden.

Frankfurt: Der 28. Bankenkongress - Mario Draghi (Reuters/R. Orlowski)

EZB-Chef Mario Draghi

Düstere Konjunkturaussichten

Die Aussichten für die Konjunktur haben sich zuletzt eingetrübt: Internationale Handelskonflikte bremsen den Welthandel, das chinesische Wirtschaftswachstum fiel im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahrzehnten, in Europa droht ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Auch EZB-Präsident Draghi blickt skeptischer auf die Konjunktur. In einem von Protektionismus und geringerer Nachfrage nach Exporterzeugnissen geprägten Umfeld sei die Wachstumsdynamik auf kurze Sicht wahrscheinlich schwächer als zunächst gedacht, sagte er. Die zuletzt veröffentlichten Daten seien schlechter als erwartet ausgefallen. "Die andauernden Unsicherheiten, insbesondere in Bezug auf geopolitische Faktoren und die Bedrohung durch den Protektionismus lasten auf dem Wirtschaftsklima." Es herrsche jedoch Einigkeit im EZB-Rat, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession gering sei.

Der Wirtschaft in der Euro-Zone droht zu Jahresbeginn eine Stagnation, wie das Forschungsinstitut IHS Markit in seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Die anhaltende Krise des Automobilsektors, Sorgen wegen des Brexit, Handelsstreitigkeiten und die Proteste in Frankreich bremsten demnach im Januar die Konjunktur. Und in Deutschland hat es zum Jahresende 2018 wohl nur zu einem kleinen Plus beim Bruttoinlandsprodukt gereicht, nachdem die Wirtschaftsleistung im Sommer sogar geschrumpft war. 

Wieder niedrigere Inflation

Auch die Inflation im Euroraum schwächte sich zuletzt ab: Die Verbraucherpreise lagen nach Eurostat-Berechnungen im Dezember um 1,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit fiel die Teuerung auf den tiefsten Wert seit April. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Dieser Wert gilt als weit genug entfernt von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur bremsen. 

Mit ihrer Geldflut will die EZB der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge helfen und die Teuerung anheizen. Frische Milliarden in Staats- und Unternehmensanleihen will die EZB vorerst nicht stecken.Allerdings werden die Gelder aus auslaufenden Papieren vorerst wieder investiert. Seit Beginn der Anleihenkäufe im März 2015 bis Ende 2018 hat die EZB Wertpapiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro erworben. Den Strafzins, den Banken für bei der EZB geparktes Geld bezahlen müssen, beließ die Notenbank am Donnerstag bei 0,4 Prozent.

zdh/yx (dpa, rtr)

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