Exportstopp für Saudi-Arabien schmälert Gewinn von Airbus | Aktuell Welt | DW | 30.04.2019
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Luftfahrtindustrie

Exportstopp für Saudi-Arabien schmälert Gewinn von Airbus

Das deutsche Verbot von Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien hat dem europäischen Airbus-Konzern im ersten Quartal das Ergebnis verhagelt. Dazu kam ein weiterer Faktor, auf den der Flugzeugbauer keinen Einfluss hat.

Der Nettogewinn von Airbus ist in den ersten drei Monaten des Jahres um 86 Prozent auf rund 40 Millionen Euro eingebrochen. Dies teilte der neue Airbus-Chef Guillaume Faury in Paris mit. Insgesamt drückten "Anpassungen" von 368 Millionen Euro die Bilanz. Dazu zählte laut Airbus ein "Fehlbetrag von 190 Millionen Euro als Konsequenz der verlängerten Aussetzung von Waffenexportlizenzen nach Saudi-Arabien durch die deutsche Regierung". 

Airbus kann daher ein seit langem bestelltes Grenzsicherungssystem nicht an das arabische Land ausliefern. "Uns sind die Hände gebunden", sagte der neue Finanzvorstand Dominik Asam. Das belastete Airbus im ersten Quartal allein mit 297 Millionen Euro. Zudem ist Airbus am Kampfjet Eurofighter beteiligt, von dem Saudi-Arabien eigentlich 48 Exemplare kaufen will. 

Die große Koalition in Berlin hatte das Rüstungsembargo gegen Saudi-Arabien Ende März um sechs Monate bis Ende September verlängert. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, keine Waffen an Länder zu liefern, die sich "unmittelbar" am Krieg im Jemen beteiligen, in dem seit 2015 mehr als 10.000 Menschen ums Leben kamen. Dies betrifft insbesondere Saudi-Arabien, das traditionell zu den größten Abnehmern deutscher Exportwaffen zählt. 

Ungünstiger Dollar-Kurs

Ein weiterer Grund für das schwache Ergebnis ist der Dollar-Kurs: Airbus bezahlt seine 135.000 Mitarbeiter überwiegend in Euro, verkauft die Flugzeuge aber in Dollar. Negativ zu Buche schlugen bei Airbus auch Einbußen beim Riesenjumbo A380, die Airbus mit 61 Millionen Euro bezifferte. Der Flugzeugkonzern hatte Mitte Februar das Aus für die unprofitable Passagiermaschine verkündet. Der Umsatz stieg zwar um 24 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro, lag damit aber unter den Experten-Erwartungen.

Airbus ist auch am Eurofighter beteiligt, von dem Riad gerne 48 Exemplare bestellen würde

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Trotzdem sieht der neue Vorstandschef Guillaume Faury, der vor drei Wochen den Deutschen Tom Enders abgelöst hatte, Airbus auf Kurs. Er bekräftigte das Ziel, in diesem Jahr zwischen 880 und 890 Verkehrsflugzeuge auszuliefern. Behält er Recht, würde Airbus Boeing in diesem Jahr als größten Flugzeugbauer ablösen. 

Kleinreden der Boeing-Krise

Die Amerikaner mussten ihr Verkaufsziel von bis zu 905 Flugzeugen zurücknehmen, nachdem die Boeing 737 MAX gegenwärtig weltweit nicht fliegen darf. Zwei Maschinen dieses Typs, der mit dem Airbus A320neo konkurriert, waren in Indonesien und in Äthiopien abgestürzt. Der Grund ist offenbar ein Problem mit der Steuerungssoftware.

Von dem A380 hatte sich Airbus viel erhofft, doch der Riesenflieger floppte

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Airbus-Chef Faury hält sich aber mit Aussagen zurück, wonach der europäische Flugzeugbauer von der Boeing-Krise profitieren könnte. Sie ändere nichts an den mittel- und langfristigen Aussichten für den A320. "Der A320 ist der A320, und die MAX ist die MAX." Airbus und Boeing teilen sich den Markt für derartige Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge, wobei Airbus sich mit rund 60 Prozent einen kleinen Vorsprung erarbeitet hat. 

Branchenexperten zufolge haben beide Angst, dass ein zu starkes Ungleichgewicht einen Preiskrieg auslösen könnte. Boeing trägt sich derzeit mit dem Gedanken, ein neues Flugzeug für das mittlere Marktsegment auf den Markt zu bringen. Faury sieht dafür "wenig Spielraum", wie er nun sagte.

Seit dem zweiten Absturz Boeing 737 Max Mitte März in Äthiopien gilt ein weltweites Flugverbot

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Operativ läuft es bei Airbus: Die anziehenden Auslieferungen des A320neo ließen den bereinigten operativen Gewinn (Ebit) im ersten Quartal auf 549 (2018: 14) Millionen Euro schnellen. Ein Plus von 15 Prozent sei in diesem Jahr weiterhin machbar, sagte Faury; 2018 hatte Airbus operativ 5,83 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. Der A320neo, mit dem Airbus mehr Geld verdient als mit dem Vorgängermodell, hatte lange mit Problemen mit den neuen Triebwerken zu kämpfen, die von Pratt & Whitney und CFM kommen. Inzwischen lieferten die Triebwerks-Hersteller pünktlich, sagte Faury.

Die Kapazitätsengpässe bei Zulieferern bremsen Airbus dabei, mehr Flugzeuge der A320-Baureihe zu produzieren, obwohl es dafür genügend Nachfrage gäbe, wie Faury sagte. Bis Mitte des Jahres will Airbus die Produktion auf 60 pro Monat schrauben, bis 2021 auf 63. Ob danach mehr möglich ist, werde man noch in diesem Jahr unter die Lupe nehmen. 

stu/fab (rtr, dpa, afp)


 

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