Exil-Projekt: Afghanische Online-Universität | Asien | DW | 13.12.2021
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Hochschulbildung für afghanische Flüchtlinge

Exil-Projekt: Afghanische Online-Universität

Angesichts der desolaten Lage des Hochschulbereichs unter den Taliban haben Exil-Afghanen das Projekt einer Online-Universität in Deutschland lanciert.

Eine junge Frau in Afghanistan steht am Fenster

Schülerin in Afghanistan im Oktober 2021, vom Unterricht ausgeschlossen

Wie viele Afghanen seit der Machtübernahme der Taliban ihr Heimatland verlassen haben, ist nicht bekannt. Sie wandern illegal in Nachbarländer aus, nach Turkmenistan, Pakistan oder dem Iran. Insgesamt haben geschätzt sechs Millionen in den vergangenen Jahrzehnten ihre Heimat verlassen. In der momentanen Lage machen sie sich, falls sie genug Geld haben, bevorzugt auf den Weg nach Europa. 

Jetzt haben Exil-Afghanen das Projekt einer afghanischen "Online-Universität" in Deutschland auf den Weg gebracht, um geflohenen Landsleuten im Ausland Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. "So dass sie nicht gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt im Exil zum Beispiel als Taxifahrer oder Pizzabäcker zu verdienen", schreibt Kambiz Ghawami auf Nachfrage der DW. 

Ghawami leitet das deutsche Komitee des World University Service (WUS) in Wiesbaden. Dort wurde die Idee der Online-Universität geboren. WUS ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich weltweit für das Menschenrecht auf Bildung einsetzt. Nach dem Einmarsch der Taliban in Kabul im vergangenen August hätten Hunderte Hochschulangehörige beim WUS angerufen und um Hilfe bei der Ausreise gebeten, teilte die Organisation mit. Denjenigen, denen die Flucht gelungen ist, wolle der WUS helfen, im Exil beruflich Fuß zu fassen. Erst vor kurzem haben die deutschen Wissenschaftsorganisationen DAAD und Wilhelm von Humboldt-Stiftung weitere Unterstützung mittels Sonderprogrammen für Studierende und Dozenten aus Afghanistan angekündigt.

Zuspruch auch von deutscher Seite 

Den derzeit rund 370.000 Studierenden in Afghanistan fehlen Perspektiven angesichts der weitgehend brachliegenden Forschung und Lehre. Insbesondere für Studentinnen sieht die Lage angesichts des reaktionären Frauenbilds der Taliban düster aus. Die geplante Online-Universität soll in dieser Situation einen kleinen Hoffnungsschimmer bieten, schreibt Ghawami der DW. "Angeboten werden sollen  geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge, Wirtschaftswissenschaften und Informatik. Das soll in Kooperation mit Partnerhochschulen und deren Studiengängen geschehen, so dass wir Doppelabschlüsse verleihen können". 

Eine Schülerin in Kabul versucht sich per YouTube weiterzubilden

Eine Schülerin in Kabul versucht sich per YouTube weiterzubilden

Die Rechtsgrundlagen einer solchen Universitätsgründung mit Sitz in Frankfurt und die Anerkennung von Abschlüssen müssen noch geklärt werden. Ebenso die technischen Voraussetzungen und Inhalte des Online-Studienprogramms sowie organisatorische und finanzielle Fragen. Über all dies wurde vergangene Woche auf einer Konferenz von Förderern und Initiatoren in Frankfurt diskutiert. 

Teilgenommen haben Vertreter früherer afghanischer Bildungseinrichtungen und Exil-Politikerinnen und -Politiker aus Afghanistan, unter anderem der ehemalige Außenminister Rangin Dadfar Spanta und der ehemalige Vize-Hochschulminister und seines Amtes enthobene Präsident der Universität von Kabul, Mohammad Osman Babury. Ebenso waren Vertreter von Hochschulen, Stiftungen und Ministerien aus Deutschland und dem Ausland zugegen. Zuspruch sei  auch von dem internationalen Hochschul-Netzwerk "Global Campus of Human Rights" mit Sitz in Venedig und von der internationalen "Central European University" mit Sitz in Wien sowie vom Europarat gekommen, teilte Ghawami nach der Konferenz mit. 

"Für den Aufbau eines freiheitlichen Afghanistans" 

Wie Ghawami erläutert, richtet sich das Angebot der geplanten Universität zum einen an afghanischen Studierende in Afghanistan – ein nicht gestörter Internet-Zugang vorausgesetzt – und an junge Afghanen und Afghaninnen im Ausland: "Wir wollen auch außerhalb Afghanistans, in den Flüchtlingslagern in der Region und darüber hinaus, der jungen Generation ein Studium ohne ideologische Indoktrination ermöglichen und durch die Möglichkeit zum Erwerb eines Doppelabschlusses Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt eröffnen." 

Dabei soll die Verbindung zur Heimat möglichst aufrechterhalten werden, betont Ghawami : "Wir möchten die jungen Menschen befähigen, längerfristig einen Beitrag zum Aufbau eines freiheitlichen und unabhängigen Afghanistans zu leisten."

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Usbekistan gewährt Afghanen keinen Flüchtlingsstatus

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