Euphorie in der Wirtschaft lässt nach | Wirtschaft | DW | 19.12.2017
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Konjunktur

Euphorie in der Wirtschaft lässt nach

Immer noch gut, aber ohne Überschwang: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zum Jahresende leicht eingetrübt. Das zeigt der jüngste Ifo-Geschäftsklimaindex.

"Zur Weihnachtszeit ist die Stimmung in den deutschen Chefetagen ausgezeichnet, aber nicht mehr ganz so euphorisch wie im Vormonat", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest zur Vorstellung des Geschäftsklimaindex. Der Ifo-Index sank im Dezember um 0,4 auf 117,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mitteilte.

Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate dagegen schlechter als zuletzt. Die Umfrage bildet erstmals in vollem Umfang die Reaktion auf das Scheitern der Jamaika-Sondierungen ab, also des Versuchs, in Berlin eine Regierung aus Union, Liberalen und Grünen zu bilden. 

Logo ifo Insitut (iro Institut)

Monatliche Umfrage bei 7.000 Managern - der Ifo-Index

Grund zu größerer Sorge sehen die meisten Experten aber derzeit nicht. "Die deutsche Wirtschaft läuft unverändert unter Volldampf", sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

"Glänzendes Weihnachtsgeschäft"

Im verarbeitenden Gewerbe konnte der Index sein Rekordniveau nicht halten, da die Industriefirmen nicht mehr ganz so optimistisch auf die kommenden Monate blickten. Im Großhandel habe sich das Geschäftsklima "auf hohem Niveau etwas verschlechtert", erklärte das Institut weiter. Die Großhändler waren demnach mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch der Ausblick fiel weniger positiv aus.

Der Einzelhandel hingegen berichte "von einem glänzenden Weihnachtsgeschäft", erklärte Fuest. Allerdings gingen weniger Händler davon aus, dass sich ihr Geschäft in den kommenden Monaten weiter verbessere.

Eine Stimmung wie "im Rausch", so beurteilte der Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe die Ifo-Zahlen, schaut aber verhalten zuversichtlich ins neue Jahr: "Der Rückgang der Geschäftserwartungen zeigt, dass die Unternehmen Grenzen für die Aufschwungstärke sehen." Angesichts hoher politischer Unsicherheit und finanzieller Instabilität, so Krüger, bleibe das starke Vertrauen in den Konjunkturzyklus jedoch erstaunlich.

Exporteure auf Rekordkurs

Doch die Exporteure setzen für 2018 trotz zahlreicher Risiken auf ein Rekord-Ergebnis. Die Ausfuhren dürften um fünf Prozent auf 1,34 Billionen Euro zulegen, teilte der Branchenverband BGA in Berlin mit. Beim Import erwartet der Verband ein Plus von sieben Prozent auf 1,1 Billionen Euro und damit ebenfalls eine neue Bestmarke.

Verbleibende Risiken seien neben den Brexit-Folgen der zunehmende Protektionismus, eine Schwächung der internationalen Organisationen, Unruheherde im Nahen Osten und das hohe Konfliktpotential in der Nordkorea-Krise, sagte BGA-Präsident Holger Bingmann.

Bundesbank tritt auf die Euphoriebremse

Die Bundesbank erwartet für die kommenden Jahre eine allmähliche Verlangsamung des Wachstums. Sie rechnet für 2017 mit einem kalenderbereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,6 Prozent. 2018 soll das Plus mit 2,5 Prozent einen Tick niedriger ausfallen. 2019 wird demnach nur noch ein Wachstum von 1,7 Prozent herausspringen und 2020 ein vergleichbar mageres Plus von 1,5 Prozent.

Diese Abkühlung in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone könnte in eine heikle geldpolitische Phase fallen, in der die Europäische Zentralbank die Abkehr von dem jahrelangen Kurs des billigen Geldes vollziehen dürfte.

 

ar/bea/dk (afp, rtr - Ifo)

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