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Politik

EU will mehr Flüssiggas aus USA importieren

2. Mai 2019

Es ist das Resultat eines Deals zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump, um den Handelskonflikt zu begrenzen. Für Umweltschützer geht das gar nicht - vor allem wegen des umstrittenen Frackings.

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Ein LKW wird Ende April an einer LNG-Tankstelle im brandenburgischen Grünheide mit dem Flüssiggas betankt (Foto: picture-alliance/dpa/B. Settnik)
Ein Lkw wird Ende April an einer LNG-Tankstelle im brandenburgischen Grünheide mit dem Flüssiggas betankt Bild: picture-alliance/dpa/B. Settnik

Die EU-Kommission will in den nächsten Jahren deutlich mehr Flüssiggas (LNG - Liquefied Natural Gas) aus den USA einführen. Diese Importe sollen bis 2023 auf mindestens acht Milliarden Kubikmeter im Jahr verdoppelt werden, teilte die EU-Kommission in Brüssel anlässlich einer LNG-Ministerkonferenz mit. Hintergrund ist eine Vereinbarung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump vom Sommer 2018. Um eine Eskalation im Handelsstreit abzuwenden, hatte Juncker damals den Ausbau der Gasimporte aus den USA zugesagt. Trump kritisiert immer wieder, dass Europa künftig über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 mehr russisches Gas importiert. Die Brüsseler Konferenz, zu der Gas-Unternehmen geladen sind, soll nun die Grundlage für die weitere Erhöhung der LNG-Einfuhren schaffen.

Schon Einfuhr-Steigerung um 272 Prozent

Die Importe von amerikanischem Flüssiggas nach Europa sind indes schon seit vergangenem Juli drastisch gestiegen. Die EU-Kommission sprach von einem Anstieg um 272 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum davor. Die Summe für neun Monate lag demnach bei 10,4 Milliarden Kubikmetern. Gemessen am gesamten EU-Gasverbrauch von mehr als 400 Milliarden Kubikmetern pro Jahr ist der Anteil allerdings klein. Aus den USA kommen auch nur 13,4 Prozent des in die EU importierten Flüssiggases. LNG selbst macht weniger als die Hälfte des Verbrauchs aus. Das meiste Gas kommt über Leitungen.

Sie machten den Flüssiggas-Deal im Juli 2018 in Washington perfekt: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (l.) und US-Präsident Donald Trump (Foto: picture-alliance/K. Dietsch)
Sie machten den Flüssiggas-Deal im Juli 2018 perfekt: EU-Kommissionspräsident Juncker (l.) und US-Präsident Trump Bild: picture-alliance/K. Dietsch

US-Energieminister Rick Perry begrüßte gleichwohl den Anstieg der Einfuhren von amerikanischem LNG in die EU. "Ich bin natürlich ermutigt von dem Fortschritt", sagte Perry in Brüssel. Die Versorgung mit US-Gas sei für die EU zudem verlässlicher als etwa mit russischem Gas. EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete sprach sich für einen weiteren Ausbau der Flüssiggasimporte aus Übersee aus, "sofern die Preise wettbewerbsfähig sind". 

650 Millionen Euro EU-Zuschüsse für Terminals 

LNG ist verflüssigtes Erdgas, das in Spezialtankschiffen transportiert wird. Das erlaubt den Import des wichtigen Brennstoffs ohne Pipelines. Preislich jedoch kann LNG mit über Leitungen transportiertem Erdgas nicht mithalten. Perry zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern könnte.

Mit dem Ziel, die Erdgasversorgung zu diversifizieren, bezuschusst die EU den Bau von Terminals in den Mitgliedstaaten zur Lieferung von Flüssigerdgas bereits seit 2013. Rund 650 Millionen Euro an EU-Mitteln sind nach Kommissionsangaben schon geflossen oder für neue Projekte veranschlagt. Auch in Deutschland ist der Aufbau von LNG-Infrastruktur geplant.

"EU spricht in Hinterzimmern über neue fossile Importe"

Umweltschützer haben jedoch große Bedenken. Sie kritisieren die sogenannte Fracking-Methode, mit der das Gas in den USA gewonnen wird. Beim Fracking wird Gas oder Öl mit Hilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt, was Gefahren für die Umwelt birgt. Kritik wird auch an der Verflüssigung durch starkes Abkühlen geübt, weil dies nach Angaben von Umweltschützern bis zu 25 Prozent des Energiegehalts des Gases verbraucht. "Während die Europäische Union mit ihrer Klimastrategie nicht voran kommt, spricht sie im Hinterzimmer mit Lobbyisten über neue fossile Importe", monierte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner. Wachsende Gasimporte seien mit den Klimazielen nicht vereinbar. "Wir fordern einen sofortigen Bau- und Planungsstopp für Infrastruktur, die dem Import von Fracking-Gas dienen soll", so der Verbandsvertreter weiter.

sti/hk (dpa, rtr)