EU beklagt unzureichende Masern-Impfraten | Aktuell Europa | DW | 05.05.2019
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Impfschutz in der EU

EU beklagt unzureichende Masern-Impfraten

Die EU-Kommission ist besorgt über den absinkenden Impfschutz gegen Masern. Im Jahr 2017 hätten nur noch vier Mitgliedsländer die notwendige Impfrate von 95 Prozent erreicht, kritisiert Kommissions-Vize Katainen.

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Kinderkrankheiten - Deutschland erreicht Impfquote nicht

Die Folge sei eine Zunahme von Masernausbrüchen und Todesfällen in Europa, erklärte der Vizepräsident der Kommission, Jyrki Katainen, in einem Schreiben an das EU-Parlament, über das die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten.

EU Impfung Masern l Europäische Kommision, Vizepräsident Jyrki Katainen (picture alliance/AP Photo/V. Mayo)

EU-Kommisions-Vizepräsident Jyrki Katainen

Die EU-Regierungschefs hatten vereinbart, eine 95-Prozent-Quote für die Masern-Impfung von Kindern in allen EU-Staaten zu erreichen. Sie gilt als Voraussetzung dafür, dass die gefährliche Infektionskrankheit ausgerottet wird. Nach Daten der zuständigen EU-Agentur für Prävention und Kontrolle von Krankheiten waren 2017 aber nur in Schweden, Ungarn, der Slowakei und Portugal mindestens 95 Prozent der Kinder zwei Mal geimpft, berichteten die Funke-Zeitungen weiter. Das sei ein neuer Tiefstand: 2007 hatten laut Agentur noch 14 EU-Staaten das 95-Prozent-Ziel erfüllt.

Schlusslichter in der EU waren laut Bericht Frankreich, Österreich, Rumänien, Griechenland und Malta, die 2017 bei der zweiten Masern-Impfung Raten von unter 85 Prozent erzielten. Die übrigen EU-Mitgliedsländer meldeten Quoten zwischen 85 und 94 Prozent.

Auch Deutschland unter der 95-Prozent-Quote

Erst am vergangenen Donnerstag hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin die Zahlen für Deutschland veröffentlicht: Danach hatten 2017 zwar mehr als 97 Prozent der eingeschulten Kinder die erste Massenimpfung erhalten, aber nur 92,8 Prozent die wichtige zweite. Das RKI registrierte laut Gesundheitsministerium im vergangenen Jahr 543 Masernerkrankungen, in diesem Jahr waren es bislang bereits mehr als 300.

Minister Spahn will Impfpflicht mit Sanktionen durchsetzen

Als Konsequenz kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Einführung einer Impfpflicht in Kindergärten und Schulen an. Durchsetzten will der CDU-Politiker diese mit Bußgeldern und einem Ausschluss vom Besuch von Kindertagesstätten.

Wer sein Kind nicht impfen lässt, dem drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 2500 Euro", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Für seinen Gesetzentwurf sehe er in der Koalition breite Unterstützung. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sprach von einer "sehr guten Grundlage" für die gemeinsame Diskussion. "Ohne Bußgelder wird es nicht gehen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Masern sind eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Diese wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und ist hochansteckend. Bei Infizierten treten nach zehn bis zwölf Tagen Fieber, Husten, Schnupfen und gelegentlich Gelenkschmerzen auf. Etwas später erscheint ein roter, fleckiger Hautausschlag. In einem von 1000 Fällen kommt es zu einer Gehirnentzündung, die Krankheit kann tödlich verlaufen.

qu/uh (dpa, epd, rtr, afp)

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