Eskalation: Der Iran-Krieg in Karten und Grafiken
6. März 2026
Mehrere Wochen hatten Vertreter der USA und des Iran über das iranische Atomprogramm verhandelt, als die Vereinigten Staaten und Israel am 28. Februar koordinierte Operationen mit den Codenamen "Brüllender Löwe" und "Epischer Zorn" gegen das iranische Regime starteten.
Um den Krieg der USA und Israels gegen den Iran besser nachvollziehbar zu machen, geben wir hier mithilfe von Karten und Grafiken eine Übersicht über die Ereignisse und ihre Folgen.
#1 Welche strategischen Ziele haben USA und Israel getroffen?
Die USA und Israel haben mehrere iranische Militärbasen und Regierungsgebäude getroffen. Auf Satellitenbildern ist die durch die gemeinsam durchgeführten Angriffe verursachte Zerstörung erkennbar.
So wurde zum Beispiel das Anwesen von Ajatollah Ali Chamenei, dem obersten Führer des Iran, stark beschädigt. Chamenei und andere hochrangige Vertreter des Regimes wurden bei dem Angriff getötet.
Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen zahlreiche beschädigte Gebäude auf einer Raketenbasis in der Region Kermanschah.
Auch der Zugang zu einer unterirdischen Raketenbasis nahe Kangavar scheint zerstört worden zu sein.
#2 Wo haben USA und Israel angegriffen und welche Vergeltungsschläge flog der Iran?
Auf die fortgesetzten Angriffe von USA und Israel auf Ziele im Iran reagiert Teheran mit Vergeltungsangriffen auf Israel und andere Länder, insbesondere gegen mit Washington verbündete Staaten. Mittlerweile hat der Krieg nicht nur die Golfregion, sondern auch den Libanon ergriffen.
Während des Besuchs des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz im Weißen Haus am 3. März prahlte US-Präsident Donald Trump, im Iran sei "so ziemlich alles zerstört worden", einschließlich der iranischen Marine, der Luftwaffe und der Luftüberwachungssysteme.
#3 Warum haben die USA und Israel den Iran angegriffen?
Die Gründe, die Trump und andere US-Regierungsmitglieder für die Angriffe nennen, weichen voneinander ab. Das wichtigste Ziel laut Trump ist es, "das iranische Atomprogramm für alle Zeiten auszuschalten".
Zu Beginn der Bombenangriffe am Samstag forderte Trump das iranische Volk zudem auf, nach dem Ende der Kampagne "die Regierung zu übernehmen". Am Montag, dem 2. März, behauptete der US-amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth jedoch, bei den Angriffen auf den Iran gehe es nicht um einen "Regimewechsel".
#4 Welche iranischen Führungspersönlichkeiten wurden getötet?
Ajatollah Ali Chamenei, der oberste geistliche Führer, war fast vier Jahrzehnte lang der mächtigste Mann im Iran. Er wurde am ersten Tag der koordinierten Angriffe durch die USA und Israel getötet. Auch andere hochrangige Führungspersönlichkeiten wurden ins Visier genommen und getötet.
Wer also hat jetzt, da der oberste Führer tot ist, die Macht im Iran? Drei Männer bilden den vorläufigen Führungsrat des Landes: Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und ein Mitglied des Wächterrats, der Kleriker Aliresa Arafi.
Vor Chameneis Tod war kein Nachfolger benannt worden. Gemäß der iranischen Verfassung fällt diese Aufgabe dem Expertenrat zu, der sich aus 88 führenden Geistlichen zusammensetzt.
Durch die neuerlichen Angriffswellen seien auch hochrangige iranische Persönlichkeiten getötet worden, die in Führungspositionen hätten nachrücken können. "Die meisten der Leute, die wir im Kopf hatten, sind tot", sagte US-Präsident Trump.
Zurzeit scheint das Machtvakuum von Ali Laridschani gefüllt zu werden, dem Generalsekretär des Sicherheitsrats.
#5 Wie lange kann der Iran weiterkämpfen?
Obwohl mehrere hochrangige iranische Führungspersönlichkeiten getötet wurden, ist das Regime noch immer intakt. Trump sprach davon, dass der Krieg vier bis fünf Wochen dauern sollte, betonte aber auch, dass er bereit sei, gegebenenfalls "weit länger" zu kämpfen.
Hier ein Vergleich der militärischen Stärke von Iran, USA und Israel.
Am 4. März warnte das israelische Militär, der Iran verfüge trotz der anhaltenden Angriffe auf Raketenbasen in der Islamischen Republik noch immer über erhebliche Kapazitäten, Raketen gegen Israel abzuschießen.
"Wir werden weiterhin Raketenabschussrampen angreifen und ihre Kapazitäten reduzieren, doch diese sind noch immer groß. Ich möchte daran erinnern, dass unsere Abwehr nicht undurchdringlich ist", betonte Israels Armeesprecher Effie Defrin während einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.
Das israelische Militär erklärte außerdem, dass es eine Anlage "zur Lagerung, Produktion und den Abschuss ballistischer Raketen, einschließlich Ghadr-Raketen, in Isfahan im Westen des Iran" getroffen habe.
Aktuelle Satellitenaufnahmen zeigen ein getroffenes Gebäude in einer Raketenanlage nahe Isfahan.
#6 Wie viele Menschen sind in diesem Krieg bisher gestorben?
Noch gibt es keine zuverlässigen Zahlen darüber, wie viele Personen bei diesen Angriffen getötet wurden.
Neueste Schätzungen für den Iran bewegen sich laut Zahlen des Roten Halbmondes zwischen 1000 und 1400 Toten. Oman, Irak, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait berichten bislang von insgesamt rund 25 Toten.
Im Libanon sollen schon mehr als 200 Menschen getötet worden sein. Bei einem Angriff auf einen US-Luftstützpunkt wurden sechs US-amerikanische Soldaten getötet. In Israel kamen Berichten zufolge elf Menschen ums Leben.
#7 Wie ist die Lage in der Straße von Hormus?
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Routen für den Ölhandel, ist zum Erliegen gekommen. Ein General der iranischen Revolutionsgarden, General Sardar Dschabbari, drohte damit, "jedes Schiff zu verbrennen", das versuche, die Straße von Hormus zu passieren.
Trump reagierte darauf mit der Ankündigung, die US-Marine könne wenn nötig damit beginnen, Öltanker zu eskortieren, die die Meerenge passieren.
Am 4. März behaupteten die Revolutionsgarden laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars, die Straße befände sich unter der "vollständigen Kontrolle" der iranischen Marine.
#8 Wie wirkt sich der Krieg auf die Ölpreise aus?
Mit der Eskalation des Konflikts in Nahost stiegen die Ölpreise wie erwartet sprunghaft an. Der Rohölpreis der Sorte Brent, die internationale Referenzgröße, erreichte Rekordhöhen, die letztmalig im Juli 2024 verzeichnet wurden, und kostet aktuell (Stand 6. März) knapp über 90 US-Dollar pro Barrel.
Julian Peschel, Anne Serwas und das Infografik-Team der DW haben zu diesem Bericht beigetragen.
Originalartikel vom 4.3.2026 adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo. Zahlen auf den Stand vom 6.3.2026, aktualisiert von Thomas Latschan.