Erstmals Schule für illegale Flüchtlingskinder im Iran | Asien | DW | 02.10.2015
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Asien

Erstmals Schule für illegale Flüchtlingskinder im Iran

Eine halbe Million Flüchtlingskinder leben illegal im Iran, die meisten aus Afghanistan. In diesem Jahr sollen sie erstmals in die Schule gehen dürfen. Armut und Bürokratie stellen aber noch große Hürden dar.

Das neue Schuljahr in Iran hat wie immer mit dem Herbstanfang begonnen. Aber anders als bisher sollte es auch der erste Schultag für Hunderttausende nicht registrierter Flüchtlingskinder in Iran sein, die bis jetzt die staatlichen Schulen nicht besuchen durften.

Jahrelang hatten die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR und iranische NGOs gefordert, auch den nicht registrierten Flüchtlingskindern im Iran den Schulbesuch zu ermöglichen. Der neue Präsident Hassan Rohani versprach, dies zu ermöglichen, Rückendeckung bekam er dabei im Juni 2015 vom obersten religiösen Führer Ayatollah Ali Chamenei. Genau fünf Tage hatten afghanischen Familien mit Kindern zwischen sieben und 18 Jahren Zeit, sich bei einer Schule anzumelden.

Kind verkauft Blumen am Autobahnrand im Iran (Foto: Irna)

Unterricht statt Blumenverkauf am Autobahnrand - für viele unerschwinglich

Zu knappe Frist für Anmeldung

Die zuständige Behörde hatte mit der Anmeldung von bis zu 200.000 zumeist afghanischen Flüchtlingskindern gerechnet. Bis zum Schulbeginn hatten sich aber nur 48.000 angemeldet. "Die Zeitspanne von fünf Tagen war zu knapp für die meisten afghanischen Familien", berichtet die Studentin Mariam Heydari, die sich um solche Flüchtlingskinder kümmert. Und erst recht zu knapp war die Frist für alleinstehende Flüchtlingskinder und Waisen, denn ohne Eltern keine Anmeldung. Humanitäre iranische Organisationen sahen sich außerstande, in dieser kurzen Zeit Ausnahmegenehmigungen für solche Kinder zu erwirken. Sie hoffen jetzt, dass es nächstes Schuljahr klappt.

Abschiebung afghanischer Flüchtlinge aus Iran (Foto: picture-alliance/Ton Koene)

Abschiebungen afghanischer Flüchtlinge aus dem Iran sind seltener geworden

Geschätzt 500.000 illegale Flüchtlingskinder

Für die Kinder wäre eine Einschulung ein Segen, wie Maryam Heidari gegenüber der DW erklärt. "Die Eltern dieser Kinder kommen seit 30 Jahren fast ausschließlich aus Afghanistan, sie haben sich aber bei den Behörden nicht angemeldet", sagt Maryam Heidari. "Die Flüchtlinge haben Angst, zurückgeschickt oder in ein Flüchtlingslager gesteckt zu werden."

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR geht von etwa drei Millionen Afghanen im Iran aus. Knapp eine Million davon sind registrierte Flüchtlinge. Rund 500.000 sind Einwanderer mit kurzfristiger Aufenthalts- und eingeschränkter Arbeitserlaubnis. Die übrigen anderthalb Millionen Flüchtlinge besitzen keinerlei Papiere und gelten als Illegale. Darunter sind geschätzt 500.000 Kinder, 200.000 davon im Alter zwischen sieben und 18 Jahren.

Oft müssen sie bereits mit sechs oder sieben Jahren anfangen zu arbeiten, um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Diese Straßenkinder, die auch aus armen iranischen Familien kommen, verkaufen Kleinkram an Bushaltestellen, putzen die Scheiben wartender Autos, oder verdingen sich als Schuhputzer, im Basar schieben sie schwer beladene Schubkarren zwischen den Lagern und den Geschäften.

Afghanische Mutter mit Sohn (Foto: Meysam Hasanloo)

Hoffen auf bessere Zukunft im Iran

Finanzielle Zwänge erschweren Schulbildung

Eine Einschulung wäre für solche Kinder eine Chance für eine bessere Zukunft. Aber wie kann das gehen, wenn sie gleichzeitig zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen sollen? Hinzu kommen außerdem die Schulgebühren. Und wenn illegale Familien ihren Status legalisieren lassen, kostet das auch nochmal Geld - für viele Flüchtlingsfamilien eine fast unüberwindliche Hürde, sagt Saedeh Amini, die als kleines Mädchen mit ihrer Familie vor 35 Jahren aus Afghanistan in den Iran geflohen ist. Heute ist sie Mutter dreier Kinder: "Mein ältester Sohn ist 22 Jahre alt, aber er hat keinen iranischen Ausweis, ebensowenig wie seine Geschwister", berichtet Amini.

Saedeh und ihre Familie gehören inzwischen zur Kategorie der "Einwanderer mit begrenzter Aufenthaltserlaubnis", die vor wenigen Jahren eingeführt wurde. Die Legalisierung ihres Status' hat aber ihren Preis: Die Erlaubnis kostet alle sechs Monate pro Person 40 Euro. Der achtjährige Jüngste der Familie von Saedeh Amini soll aber auf jeden Fall zur Schule gehen. Wie ihr Mann, der die Familie als Tagelöhner durchbringt, das Geld aufbringen soll, weiß Saedeh allerdings nicht.

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