Erstes Konzert in Riad seit 30 Jahren | Aktuell Asien | DW | 10.03.2017
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Nur für Männer

Erstes Konzert in Riad seit 30 Jahren

In Saudi-Arabien ist der Wahhabismus Staatsreligion, eine besonders doktrinäre und rigide Spielart des Islam. Doch es gibt erste Lockerungsübungen.

In Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad hat es erstmals seit fast 30 Jahren ein öffentliches Konzert gegeben. Die beliebten Sänger Rasched al-Madsched und Mohammed Abdu (Artikelbild) begeisterten am Donnerstagabend rund 2000 ausschließlich männliche Zuschauer mit Live-Musik. "Das hat uns sehr gefehlt", sagte der 31-jährige Bankangestellte Dschamal al-Onsi.

Teure Tickets

Für eine Eintrittskarte mussten die Besucher umgerechnet zwischen 125 und 630 Euro hinlegen - dennoch war das Konzert ausverkauft. "Wir haben alle Tickets innerhalb von 30 Minuten verkauft", sagte Habib Rahal vom Veranstalter Rotana Music.

Das Publikum war vollkommen aus dem Häuschen. Ein Mann blickte mit offenem Mund Richtung Bühne und sog die Worte al-Madscheds förmlich auf, andere riefen "Rasched, Rasched" und wagten ein paar Tanzschritte, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete. Während al-Madscheds Musik in Richtung Pop geht, singt Abdu patriotische oder romantische Lieder. Er spricht damit aber offenbar auch ein jüngeres Publikum an: Abdu "singt auch für meine Generation", sagte der 21-jährige Student Abdelasis al-Schudajjid. "Ich lerne alle seine Lieder auswendig."

Obwohl die Männer bei der Veranstaltung wie meistens in Saudi-Arabien unter sich blieben, gilt das Konzert als Fortschritt. In der Hauptstadt wurden Anfang der 90er Jahre öffentliche Musikveranstaltungen verboten. Inzwischen bemüht sich die Regierung aber darum, dem Volk mehr Möglichkeiten der Unterhaltung zu bieten - ungeachtet des Widerstands konservativer religiöser Kräfte.

Nur Männer durften ins Konzert (Getty Images/AFP/F. Nureldine)

Nur Männer durften ins Konzert

Denn in Saudi-Arabien ist die Hälfte der Bevölkerung jünger als 25 Jahre alt. Die jungen Bürger sehnen sich nach Abwechslung in dem konservativen Königreich. 2015 startete die Regierung das Programm "Vision 2030" für wirtschaftliche und soziale Reformen, außerdem wurde eine Behörde eingerichtet, die kulturelle Veranstaltungen fördern soll.

Im Oktober hatte es in einer Universität in Riad ein Hip-Hop-Konzert gegeben, das Begeisterungsstürme auslöste. Abdu war im Januar in Dschiddah aufgetreten, es war das erste Konzert in der Wirtschaftsmetropole in sieben Jahren. Konzertveranstalter Rahal verwies darauf, dass viele Saudi-Araber in die Golfstaaten reisen müssen, um sich zu amüsieren. "Warum also nicht im Land bleiben?"

wl/uh (afp)