Erst Wirbel um Gündogan und Can, dann DFB-Sieg in Estland | Sport | DW | 13.10.2019
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"Likes" für Salut-Grüße

Erst Wirbel um Gündogan und Can, dann DFB-Sieg in Estland

Ilkay Gündogan und Emre Can sorgen vor dem EM-Qualifikationsspiel in Estland für politische Diskussionen. Beide Nationalspieler prägen dann auch auf dem Platz die Partie, die mit einem klaren Sieg des DFB-Teams endet.

Geschockt hat die neuerliche Diskussion Ilkay Gündogan jedenfalls nicht. Mit seinen beiden abgefälschten Treffern (52. und 57. Minute) gegen Estland schoss der Deutsche mit türkischen Wurzeln das DFB-Team gegen Estland scheinbar unbeeindruckt auf die Siegerstraße und die Nationalmannschaft damit ein gutes Stück näher an die EM-Teilnahme 2020 heran. Timo Werner erzielte nach seiner Einwechslung den Treffer zum Endstand von 3:0 (71.). 

Allerdings war Gündogan kurz vor dem Qualifikationsspiel in Tallinn Teil einer ganz anderen Diskussion, die sich wohl auch noch über die Partie am Sonntagabend hinausziehen wird. Der 28-Jährige hatte einem Instagram-Post des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun einen "Like" gegeben. Auf dem Foto waren militärische Salut-Grüße der türkischen Mannschaft nach dem 1:0 gegen Albanien am Freitagabend zu sehen. Tosun hatte das Siegtor erzielt.

Die Geste sei den Soldaten gewidmet gewesen, die bei der aktuell laufenden türkischen Militäraktion in Syrien im Einsatz seien, hatte der türkische Fußballverband mitgeteilt. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) will zunächst den offiziellen Spielbericht von der Partie abwarten, bevor sie über mögliche Ermittlungen entscheidet. Nach den Statuten des Dachverbands sind politische Äußerungen und Gesten auf dem Spielfeld in UEFA-Wettbewerben untersagt.

Rote Karte für Can

Emre Can (3.v.r.) bekommt die Rote Karte gezeigt (Reuters/I. Kalnins)

Emre Can (3.v.r.) bekommt die Rote Karte gezeigt

Wie Gündogan hatte auch Emre Can einen Like unter den Instagram-Post Tosuns gesetzt. Während Gündogan von den prompt einsetzenden Diskussionen unbeeindruckt wirkte und gegen Estland routiniert aufspielte, schien der Wirbel vor dem Anpfiff Verteidiger Can deutlich mehr beschäftigt zu haben. Bereits nach 14 Minuten unterlief dem 25-Jährigen ein ungewohnter technischer Fehler, anschließend wusste er sich nur mit einer Notbremse zu helfen und kassierte zu Recht die Rote Karte. Gündogan und Can hatten die Partie damit auf unterschiedliche Weise geprägt. 

Bundestrainer Joachim Löw nahm die beiden Spieler nach dem glanzlosen 3:0 (0:0)-Pflichtsieg in Tallin in Schutz: "Wenn man die beiden kennt, dann weiß man, dass sie gegen Krieg und gegen Terror sind. Beide haben klar geäußert, dass es kein politisches Statement war. Damit ist es für mich auch gut." Der Doppelpack Gündogans sei "ein klares Statement von Ilkay für Deutschland" gewesen, so Löw. 

Sowohl Gündogan als auch Can, der ebenfalls türkische Wurzeln hat, hatten vor dem Anpfiff der Partie Stellung zu ihren Instagram-Aktionen genommen. Gündogan erklärte, er habe seinen Like für das umstrittene Bild "bewusst zurückgenommen", als er gesehen habe, dass seine Reaktion "politisch gewertet wurde. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB-U21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat." 

Unachtsamkeit oder gar Versehen?

Can sagte der "Bild"-Zeitung, er habe seinen Like "ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten" gesetzt: "Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg." Auch Can entfernte seinen Like wieder. 

Alles nur Zufall? Selbst wenn es sich um eine Unachtsamkeit oder gar ein Versehen gehandelt haben sollte, ist vor allem Gündogan ein gebranntes Kind. Im vergangenen Jahr war der Profi von Manchester City vor der WM gemeinsam mit Mesut Özil wegen eines gemeinsamen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten. Die wochenlangen Diskussionen hatten ihm schwer zugesetzt. Während Özil aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war, hatte sich Gündogan dazu entschlossen, in der DFB-Elf weiterzuspielen.

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