Erst Waldbrände, dann COVID-19: Ein schweres Jahr für Australiens Tourismus | DW Reise | DW | 19.05.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Reise

Erst Waldbrände, dann COVID-19: Ein schweres Jahr für Australiens Tourismus

Australiens Krisenmanagement zeigt Wirkung: die Corona-Kurve ist flach. Reiseverbote werden langsam gelockert – ein erster Lichtblick für viele Hotels und Touranbieter. Aber nicht alle profitieren.

Eine Gruppe von Schnorchlern am Great Barrier Reef, Australien (Ocean Free Cairns)

Traumziel Australien: Die Corona-Krise hat den Tourismus im Land zum Stillstand gebracht

Luxuriöse Zimmer, eine private Veranda, die zum Frühstück in der Sonne einlädt und Grün soweit das Auge reicht: Das Bed and Breakfast "The Laurels" im Kangaroo Valley zwei Stunden südlich von Sydney bietet ländliche Idylle. Doch die Betten sind leer. Erst kam das Feuer, dann Corona. "Mein Mann und ich leben von unseren Ersparnissen. Ich weiß nicht, wie andere Betriebe es schaffen zu überleben", sagt Lindy Pitt, Inhaberin der Pension.

Wie COVID-19 den Tourismus zum Erliegen bringt

Den bisherigen Höhepunkt der Corona-Krise erlebt Australien in der letzten Märzwoche, mit knapp 500 Neuinfektionen pro Tag. Fast täglich werden die Restriktionen verschärft: am 25. März schließt Australien seine Grenzen, vier Tage später werden alle Bürger aufgefordert, das Haus nur noch aus dringenden Gründen zu verlassen.

Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafgeldern von bis zu 1500 australischen Dollar (etwa 900 Euro) rechnen. Kurz gesagt: internationaler und regionaler Tourismus ist nicht mehr möglich. Was bedeutet das für Hotels, Reise-Veranstalter und Touranbieter?

Ausflugsschiff fährt am Opera House und der Harbour Bridge vorbei, Sydney, Australien (SeaLink Travel Group)

Wann werden die Ausflugsschiffe wieder fahren? Vorbei am Opera House und der Harbour Bridge?

Keine Bootstouren durch Sydneys Hafen

"Wir haben schon Ende Januar die Auswirkungen der Corona-Krise gespürt, als Gruppenreisen aus China verboten wurden", sagt Phil Boyle, Marketingmanager der SeaLink Travel Group. Das Unternehmen betreibt unter anderem die Captain Cook Cruises in Sydneys Hafen. "Wir mussten alle touristischen Angebote einstellen. Nur unsere Fähren für Sydneys Pendler sind noch in Betrieb, mit einem stark reduzierten Team", so Boyle.

Wie lange die Situation so bleibt, lässt sich kaum sagen. Aber es zeichnet sich ein schwaches Licht am Horizont ab. Denn: Australiens schnelles Reagieren auf die Krise zeigt Wirkung. Seit Anfang Mai sehen die Zahlen gut aus, die Corona-Kurve ist flach. In den meisten Bundesstaaten werden keine oder weniger als eine Handvoll Neuinfektionen gezählt.

Zurück zur Normalität: Australiens 3-Stufen-Plan

Australiens Premier Scott Morrison hat am 8. Mai einen Drei-Stufen-Plan vorgestellt, der die schrittweise Rückkehr zur Normalität bis Ende Juli beschreibt. Die erste Stufe sieht neben der Öffnung kleinerer Restaurants und Cafés auch eine Lockerung des Reiseverbots vor: Urlaub innerhalb der eigenen Region soll wieder erlaubt sein. Wann und wie Australiens Bundesstaaten diese erste Stufe umsetzen, bleibt den jeweiligen Regierungen überlassen. Ab 1. Juni ist zum Beispiel der regionale Tourismus in New South Wales erlaubt.

Surfer am Bondi Beach, Sydney, Australien (picture-alliance/dpa/J. Carrett)

Mittlerweile darf am Bondi Beach bei Sydney wieder gesurft, geschwommen und gejoggt werden

Sydney und der umliegende Bundesstaat New South Wales wurden vom Coronavirus am härtesten getroffen: über 3000 Infizierte (von knapp 7000 australienweit) und 46 Tote hat der bevölkerungsreichste Staat zu verzeichnen. New South Wales‘ Premier Gladys Berejiklian ist dementsprechend zurückhaltend, was eine Lockerung der Restriktionen angeht, will aber regionale Reisen in absehbarer Zeit wieder zulassen. Ein Hoffnungsschimmer auch für das Kangaroo Valley in New South Wales. Im Januar wurde die Region stark von den Waldbränden getroffen, auch danach blieben die Urlauber aus. "Das Feuer war das Schlimmste, was wir je gesehen haben", erinnert sich Pensions-Inhaberin Lindy Pitt. "Uns ist nichts passiert, aber die finanziellen Verluste waren hoch."

Grüne Wiesen und Berge - Luftaufnahme vom Kangaroo Valley in Australien (picture-alliance/M.Evans Picture Library)

Das Kangaroo Valley in den Southern Highlands ist ein beliebter Urlaubsort

Zeit sich von den Bränden zu erholen hatte die Region kaum. Mit einer Lockerung der Reiseverbote könnte es langsam bergauf gehen. Wie viele Hotels und Gasthäuser im Kangaroo Valley lebt das Bed and Breakfast "The Laurels" vor allem von Hochzeiten, die in der Region gefeiert werden. "Wir hoffen, dass die Zahl der erlaubten Hochzeitsgäste bald wieder erhöht wird", sagt Lindy Pitt. Momentan darf ein Brautpaar nur zehn Gäste einladen, viele Hochzeiten wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Regionaler Tourismus reicht nicht aus

Im Bundesstaat Queensland sind seit dem 15. Mai wieder regionale Tagesausflüge erlaubt - eine willkommene Lockerung, die aber längst nicht allen in der Tourismusbranche hilft. Queenslands Hotspots wie das Great Barrier Reef, die Whitsunday Islands und Fraser Island sind vor allem bei internationalen Gästen beliebt – und die werden bis auf weiteres ausbleiben. "Wir sind stark vom europäischen Markt abhängig", sagt Taryn Agius, Inhaberin von "Ocean Free", einem Veranstalter von Bootstouren zum Great Barrier Reef. Regionaler Tourismus sei zwar ein Schritt zurück zur Normalität, werde aber Ocean Free und anderen Reef-Touren nicht helfen. "Für uns rentiert sich das finanziell nicht, wenn die Gruppengrößen so eingeschränkt bleiben", sagt Agius. Bislang dürfen sich in Queensland zehn Menschen miteinander aufhalten – mit einem Abstand von 1,5 Metern.

Solange Restriktionen gelten und Ländergrenzen geschlossen bleiben, wird es für Australiens Tourismus nicht einfacher werden. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber trotzdem: Australiens und Neuseelands Regierungen haben beschlossen, die Grenzen füreinander zu öffnen und eine "trans-tasmanische Reiseblase" zu bilden – wann das geschehen soll, ist unklar.

Eine Gruppe von Schnorchlern am Great Barrier Reef, Australien (Ocean Free Cairns)

Ausflüge zum Great Barrier Reef sind derzeit nur für Australier erlaubt

 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema