Ermittlungen zu Studentenmassaker in Mexiko ″unhaltbar″ | Aktuell Amerika | DW | 06.09.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Aktuell Amerika

Ermittlungen zu Studentenmassaker in Mexiko "unhaltbar"

Vor knapp einem Jahr wurden im mexikanischen Iguala 43 Studenten entführt und getötet. Eine Expertengruppe hat nun die offiziellen Ermittlungen zu dem Massaker als unhaltbar zurückgewiesen.

Ermittler auf der Müllhalde in Cocula, auf der angeblich die Leichen verbrannt wurden (Foto; getty Images, AFP)

Ermittler auf der Müllhalde in Cocula, auf der angeblich die Leichen verbrannt wurden

Die von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) eingesetzte Expertengruppe hält vor allem die Erklärung, die Leichen der Studenten seien verbrannt worden, für nicht stimmig. Das sagten die Fachleute bei der Präsentation ihrer Untersuchungen in Mexiko-Stadt.

Zu wenig Brennstoff und kein langer Brand

Nach Darstellung der mexikanischen Staatsanwaltschaft wurden die Studenten vor knapp einem Jahr in der Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero von Polizisten verschleppt und einer kriminellen Organisation übergeben - vermutlich im Auftrag des damaligen Bürgermeisters der Stadt. Mehrere angeblich geständige Bandenmitglieder gaben an, die jungen Leute getötet und ihre Leichen auf einer Müllhalde im naheliegenden Ort Cocula verbrannt zu haben. Schließlich fanden die Behörden dort die Leiche eines Studenten, von den anderen fehlt bis heute jede Spur.

Wie hier in Mexiko-Stadt demonstrieren seit der Tat im September 2014 Freunde und Angehörige unter anderem gegen die schleppend verlaufenden (Foto: dpa)

Wie hier in Mexiko-Stadt demonstrieren seit der Tat im September 2014 Freunde und Angehörige unter anderem gegen die schleppend verlaufenden Ermittlungen

Die Experten kamen nach dreimonatigen Untersuchungen nun zu dem Schluss, die Verbrennung der Leichen könne so nicht stattgefunden haben. Es hätten weder die notwendigen Brennstoffe zur Verfügung gestanden, noch habe es einen ausreichend langen Brand gegeben. So hätten 30 Tonnen Holz mindestens 60 Stunden lang brennen müssen, um 43 Leichen einzuäschern, sagte der chilenische Rechtsanwalt Francisco Cox. Die Vegetation und der Müll auf der Halde, legten ein solches Feuer aber nicht nahe. Am Brandort wurde zudem nur eine Leiche identifiziert, die den Experten zufolge nicht den hohen Temperaturen eines solchen Brandes ausgesetzt worden war.

Weitere Unklarheiten

Außerdem hatte die Regierung den Fall so dargestellt, dass die Polizei die Studenten, die für ihre Protestaktion Busse gekapert hatten, anhielt, weil diese gegen eine politische Rede der Frau des Bürgermeisters demonstrieren wollten. Die internationalen Experten sprechen dagegen davon, dass die Studenten möglicherweise versehentlich einen Bus erwischt hatten, in dem sich Drogen befanden, die geschmuggelt werden sollten.

Guerrero ist als Umschlagplatz für Heroin bekannt, das in die USA geschmuggelt wird. Da der Ort wirtschaftlich so stark vom Drogenschmuggel profitiert, könnte die Reaktion der Täter derart heftig ausgefallen sein.

Staatsanwalt will Ermittlungen wiederaufnehmen

Zudem sehen die Experten Widersprüche in den Aussagen der angeblich geständigen Bandenmitglieder. Besorgt zeigten sie sich auch über die Verschleierung von Beweismaterial und Einschüchterungen von Zeugen, die die Ermittlungen erschwert hätten.

Inzwischen kündigte der Generalstaatsanwalt Mexikos an, die Ermittlungen wiederaufzunehmen, um zu prüfen, ob die Studenten tatsächlich verbrannt wurden. Die internationale Expertengruppe bat er darum, den Fall weiterzuverfolgen.

Guerrero gilt als einer der gefährlichsten und korruptesten Bundesstaaten in Mexiko. Verantwortlich für die Gewalt sind das organisierte Verbrechen und die Drogenkartelle, aber auch Polizei und Militär.

chr/gri (dpa, rtr, ap)