1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikJapan

Wahltriumph für Japans Regierungschefin Takaichi

Veröffentlicht 8. Februar 2026Zuletzt aktualisiert 9. Februar 2026

Um ihre Macht zu festigen, setzte die erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung kurzfristig eine Neuwahl an. Das Kalkül von Sanae Takaichi ging auf.

https://p.dw.com/p/58J0E
Japan Tokio 2026 | Premierministerin Sanae Takaichi bei der Bekanntgabe der Wahlergebnisse
Gehört dem rechten Flügel ihrer LDP an: Wahlgewinnerin Sanae TakaichiBild: Kim Kyung-Hoon/REUTERS

Unter Führung von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi haben Japans regierende Liberaldemokraten den größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen. Als erste Partei seit dem Zweiten Weltkrieg gewann die LDP bei der Wahl zum Unterhaus allein mehr als zwei Drittel der 465 Sitze in der mächtigen Parlamentskammer - nämlich 316.

Im aufgelösten Unterhaus verfügten die Liberaldemokraten über 198 Mandate. Sie hatten zuletzt - in einer Koalition mit der neoliberalen Partei Ishin - nur mit hauchdünner Mehrheit regiert. Das erschwerte Takaichi die Durchsetzung ehrgeiziger Reformpläne.

Überraschend hohe Popularität

Mit der kurzfristig einberufenen Neuwahl wurde die Opposition kalt erwischt: Die Konstitutionell-Demokratische Partei als größte Oppositionskraft und der langjährige LDP-Partner Komeito schlossen sich hektisch zur Zentristischen Reformallianz zusammen. Diese versteht sich als liberale Alternative zur rechtsgerichteten Takaichi. Doch das Kalkül der Ministerpräsidentin ging am Ende auf: Das neue Bündnis erlitt bei der Wahl deutliche Verluste.

Japan Tokio 2026 | Unterhaus-Abgeordnete stehen im japanischen Parlament
Unterhaus-Abgeordnete bei der Verkündung der Parlamentsauflösung im JanuarBild: Yudai Kato/Jiji Press/picture alliance

Als erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung ist Takaichi erst seit Ende Oktober im Amt. Die LDP profitierte nun von ihrer überraschend hohen Popularität, insbesondere bei jüngeren Wählern. Die 64-Jährige habe es verstanden, über soziale Medien und im Fernsehen gezielt das Image einer starken Führungskraft zu vermitteln, die das Land wieder nach vorn bringe, erläuterte Axel Klein, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen.

"Existenzbedrohende Situation"

Ungeachtet der schon jetzt extrem hohen Staatsverschuldung in Japan versprach Takaichi, die Wirtschaft ihres Landes mit einer aggressiven Fiskalpolitik wiederzubeleben. Als sicherheitspolitische Hardlinerin befürwortet Takaichi zudem engere Beziehungen zur Schutzmacht USA und einen Ausbau der Streitkräfte, um in Asien ein Gegengewicht zum Machtstreben Chinas zu schaffen.

Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt war sie mit Peking aneinandergeraten. Takaichi sagte damals, ein Angriff der Volksrepublik auf das demokratische Taiwan würde eine "existenzbedrohende Situation" für Japan darstellen, was zu einer militärischen Reaktion führen könne. China reagierte mit gestrichenen Flugverbindungen und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand auch ein angebliches "Ausländerproblem". Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich unwohl und unsicher, dies werde man "frontal" angehen, versprach die LDP. Auch will sie Ausländer mit verschärften Gesetzen fortan am Kauf von Immobilien hindern. Mit dem Thema dürfte es der LDP gelungen sein, konservative Wähler zurückzugewinnen, die sich der rechtsextrremen und offen ausländerfeindlichen Kleinpartei Sanseito zugewandt hatten.

Die Parlamentswahl an diesem Sonntag fand unter teils widrigen ‌Bedingungen statt: In einigen Landesteilen behinderte heftiger Schneefall den Verkehr, manche Wahllokale mussten früher schließen. Normalerweise wird in Japan in Monaten mit milderem Wetter gewählt.

wa/haz (dpa, kna, afp, rtr)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen