Entsetzen und Trauer nach Seilbahnabsturz in Italien | Aktuell Europa | DW | 24.05.2021
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Italien

Entsetzen und Trauer nach Seilbahnabsturz in Italien

Nach dem Absturz einer Seilbahngondel am Lago Maggiore in Norditalien ist die Zahl der Todesopfer auf 14 gestiegen. Als Ursache ist ein gerissenes Seil im Gespräch.

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Ermittlungen zum Seilbahnunglück in Italien laufen

Beim Absturz einer Seilbahnkabine bei Stresa in Norditalien sind mindestens 14 Menschen getötet und drei weitere verletzt worden. Die Gondel war nach Angaben der Behörden am Sonntag mit 15 Insassen auf dem Weg von der Kleinstadt Stresa zum Gipfel des Berges Mottarone, als sie gegen Mittag aus großer Höhe abstürzte. Die Ursache des Unglücks ist unklar. Die Bürgermeisterin von Stresa, Marcella Severino, sagte dem italienischen Fernsehsender RAI, Wanderer in der Nähe hätten vor dem Absturz ein lautes Zischen gehört. Dies könne auf einen Riss des Drahtseiles hindeuten.

Italiens Infrastrukturminister Enrico Giovannini kündigte die Einsetzung einer Untersuchungskommission an. Die Mailänder Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen "Totschlags und fahrlässiger Körperverletzung" ein.

Italien Seilbahnunglück Piemont

Rettungskräfte arbeiten am Wrack der Seilbahnkabine

Die Seilbahn bringt Touristen und Einheimische in 20 Minuten von der Ortschaft Stresa am Lago Maggiore auf den Mottarone. Der Gipfel ist bei Urlaubern vor allem wegen seines Panoramablicks auf den See und seine Inseln sowie der Aussicht auf die umliegenden Alpen beliebt. Im Winter ist das Gebiet Ziel vieler Skifahrer. Im Sommer sind viele Wanderer dort unterwegs.

Schwierige Bergungsarbeiten

Das Unglück ereignete sich nach Angaben des Infrastrukturministeriums gegen 12.30 Uhr rund hundert Meter vor der Bergstation der Seilbahn. Die Kabine fiel in die Tiefe, rollte einen Teil des Abhangs hinunter und krachte gegen einen Baum, wie ein örtlicher Polizist berichtete. Nach Angaben Severinos wurden einige Menschen in der Gondel eingeschlossen, andere aber hinausgeschleudert. Das steile Gelände erschwerte die Bergungsaktion erheblich.

Am Montag bestätigte das israelische Außenministerium den Tod von fünf Staatsbürgern. Es handele sich um Mitglieder einer Familie, teilte die Behörde mit. Getötet wurden bei dem Unglück demnach ein Ehepaar und ihr zweijähriger Sohn, die in Italien lebten und arbeiteten. Gestorben seien zudem die Großeltern der Frau, die zu Besuch in Italien waren. Ein fünfjähriger Sohn des Paares sei schwer verletzt worden und werde in einem Krankenhaus behandelt. Ein weiteres neunjähriges Kind aus Italien, das ebenfalls in das Krankenhaus in Turin gebracht worden war, erlag seinen schweren Verletzungen, wie der Rettungsdienst mitteilte.

Italien Seilbahnunglück Piemont

Bei dem Absturz wurde die Kabine schwer beschädigt

Die Seilbahn war gerade erst nach einer schrittweisen Aufhebung der Corona-Beschränkungen wiedereröffnet worden. Die Gondeln haben Platz für bis zu 40 Passagiere. Nach Angaben der Betreiber wurde die Seilbahn 1970 in Betrieb genommen. Wegen Wartungsarbeiten war die Seilbahn zwischen 2014 und 2016 geschlossen.

Das schwere Unglück sorgte landesweit für Entsetzen. Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsident Mario Draghi drückten ihren "tiefen Schmerz" über den Verlust der vielen Menschenleben aus. Auch Außenminister Luigi Di Maio und andere Minister aus dem Kabinett Draghi zeigten sich via Twitter bestürzt über das Unglück.

Ruf nach Aufklärung

Der Regionalpräsident des Piemont, Alberto Cirio, erklärte, die Tragödie raube allen den Atem, und forderte eine rasche Aufklärung des Unglücks. Cirios Kollege aus der benachbarten Region Ligurien, Giovanni Toti, sprach von einer absurden Tragödie, die sich genau zu dem Zeitpunkt ereigne, an dem Italien nach monatelangem Lockdown die Aufhebung der massiven Beschränkungen genieße. Er sprach von einem "Sonntag der Wiedereröffnungen, der voller Hoffnungen sein sollte".

Italien Seilbahnunglück Piemont

Ein Polizist salutiert vor einem vorbeifahrenden Leichenwagen in Piemont

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sprach den Familien der Opfer per Twitter "Europas tiefes Mitgefühl" aus. EU-Ratspräsident Charles Michel drückte in einer Twitter-Botschaft auf Italienisch den "Familien und Freunden, die bei diesem tragischen Unfall einen geliebten Menschen verloren haben", sein tiefes Beileid aus. Auch EU-Parlamentspräsident David Sassoli kondolierte den Angehörigen der Opfer.

In Europa hat es immer wieder schwere Unglücke mit Seilbahnen gegeben. Zuletzt waren im September 2005 neun deutsche Skifahrer im österreichischen Sölden ums Leben gekommen, als ein Lastenhubschrauber einen Betonklotz verloren hatte, der auf eine Seilbahn stürzte.

kle/sti (rtr, dpa, afp)

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