England droht bei Rassismus mit Boykott in Bulgarien | Sport | DW | 11.10.2019
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Rassismus

England droht bei Rassismus mit Boykott in Bulgarien

Die Fußballer der englischen Nationalmannschaft wollen im EM-Qualifikationsspiel in Bulgarien das Feld verlassen, falls es zu rassistischen Vorfällen kommt. Die Verantwortlichen in Bulgarien reagieren empört.

Das EM-Qualifikationsspiel der Engländer in Bulgarien an diesem Montag sorgt vor allem abseits des Sportlichen für Schlagzeilen. Nicht nur in England, sondern auf der ganzen Welt.

Die Begegnung in Sofia am Montagabend steht im Blickpunkt, weil bulgarische Anhänger in den Spielen gegen Tschechien und den Kosovo im Juni durch rassistische Entgleisungen auffällig geworden waren. Auf Anweisung der UEFA werden deshalb 5000 der insgesamt 46.340 Plätze im Wassil-Lewski-Nationalstadion von Sofia leer bleiben. Die UEFA bestraft den bulgarischen Fußballverband damit für das rassistische Verhalten der Fans. Auch die Partie gegen Tschechien im November wird Bulgarien vor teilweise leeren Rängen bestreiten.

"Dann gehen wir als Team in die Kabine"

Außerdem haben die englischen Spieler angekündigt, geschlossen den Platz zu verlassen, sollte es erneut zu rassistischen Beleidigungen kommen. England-Stürmer Tammy Abraham, der vor seinem Debüt für die Three Lions steht, sagte im Gespräch mit englischen Medien: "Niemand will so etwas im Fußball. Es betrifft nicht nur eine Person, es betrifft das ganze Team. Wenn wir entscheiden, dass wir aus diesen Gründen nicht auf dem Platz bleiben wollen, dann gehen wir als Team in die Kabine." Mannschaftskapitän Harry Kane habe das Boykott-Thema im Rahmen einer Teamsitzung am vergangenen Montag angestoßen. Auch Nationaltrainer Gareth Southgate stand dem Plan demnach offen gegenüber.

Tammy Abraham (picture-alliance/empics/PA Wire/J. Walton)

England-Stürmer Abraham: "Es betrifft das ganze Team"

In Bulgarien reagiert man mit Unverständnis auf diese Ankündigungen. Der Präsident des bulgarischen Fußballverbandes, Borislaw Michajlow, sagte, die Äußerungen seien "beleidigend" und "abfällig". In einem offenen Brief an die UEFA erinnert er daran, dass ein solches Vorgehen gegen die UEFA-Regularien verstoße. Diese sehen bei rassistischen Vorfällen einen dreistufigen Plan vor: Zunächst soll der Schiedsrichter eine Durchsage über die Stadionlautsprecher veranlassen. Als nächstes wäre eine Spielunterbrechung vorgesehen, erst in einem dritten Schritt soll ein möglicher Spielabbruch erfolgen.

Darauf wolle das Team im Ernstfall aber keine Rücksicht nehmen, sagte England-Spieler Abraham: "Wir würden dann dem englischen Verband oder wem auch immer überlassen, was danach passiert, wie das Spiel gewertet wird. In dem Moment würde es nur darum gehen, der Welt zu zeigen, dass wir eine Mannschaft sind und dass wir nicht für dumme Beleidigungen stehen."

"Es verschärft die Situation"

Metodi Shumanov ist Fußball-Journalist in Bulgarien. In einem Interview mit der Deutschen Welle sagt er, dass sich in Bulgarien alle einig seien, dass die Kommentare der englischen Spieler nicht hilfreich sind. "Es verschärft die Situation und stellt Bulgarien als rassistisches Land dar." Auch die Entscheidung, das Stadion für die Spiele der Bulgaren gegen England und Tschechien teilweise zu schließen, hält er für kontraproduktiv, da "leere Plätze immer die Atmosphäre schädigen".

Bei diesen Vorzeichen rückt die Arbeit derjenigen in den Fokus, die für die Dokumentation diskriminierender Vorfälle verantwortlich sind. Football Against Racism in Europe (FARE) ist ein Netzwerk, das mit der UEFA zusammenarbeitet, um den Rassismus im europäischen Fußball zu bekämpfen. Ihre Berichte dienen oft als Beweismittel in den Disziplinarverfahren der UEFA, und ihre Vertreter werden vor Ort sein, wenn England auf Bulgarien trifft.

Der FARE-Verantwortliche für Osteuropa heißt Pavel Klymenko. Er sagte der DW, er hoffe, dass das Spiel ohne Zwischenfälle ablaufen wird. Trotzdem sei er für alle Szenarien gerüstet: "Wir hoffen, dass die Aufmerksamkeit dazu führt, dass dieses Spiel frei von rassistischen Vorfällen ist, aber wir befürchten, dass die Probleme in absehbarer Zeit nicht gelöst werden können."