Energiewende spart langfristig Geld | Wissen & Umwelt | DW | 14.11.2013
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Wissen & Umwelt

Energiewende spart langfristig Geld

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme simulieren die Zukunft der Strom- und Wärmeversorgung in Deutschland. Ihr Fazit: Ist der Energieumbau erst einmal geschafft, wird es billiger als heute.

Hans-Martin Henning und Andreas Palzer vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg kommen zu dem Ergebnis, dass eine Energieversorgung, die sich alleine auf regenerative Energien stützt, jährliche Kosten in Höhe von 107 bis 123 Milliarden Euro verursachen würde. Heute fallen für die Versorgung mit Strom und Wärme jährlich Kosten in Höhe von mindestens 133 Milliarden Euro an - ein großer Teil für die Brennstoffe. "Zukünftig zu erwartende Preissteigerungen für fossile Energien sind dabei noch gar nicht berücksichtigt", sagt Hans-Martin Henning gegenüber der Deutschen Welle.

Somit soll die deutsche Volkswirtschaft laut der Freiburger Studie in Zukunft einige Milliarden Euro jährlich sparen können, wenn sie ihren Strom- und Wärmebedarf komplett aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse deckt. Denn die eingesparten Brennstoffkosten übersteigen die Kosten für Re-Investitionen in die Öko-Kraftwerke einschließlich Finanzierungskosten und Wartung.

Deutschland hat genug erneuerbare Energien für Vollversorgung

Die Freiburger Energieexperten zeigen in ihrer Studie zugleich auf, dass eine Vollversorgung ohne Energie-Import möglich wäre, also nur auf Basis heimischer Ressourcen. Alle Techniken, die für eine solche Energiewende notwendig sind, seien "grundsätzlich verfügbar und einsatzreif". Gleichwohl seien an vielen Stellen noch erhebliche technische Verbesserungen und Weiterentwicklungen möglich.

Um eine solche 100-Prozent-Versorgung zu realisieren, müsse natürlich "ein starker Ausbau von Windenergie auf dem Land und auf See sowie eine massive Installation von Solaranlagen erfolgen", fordert Wissenschaftler Henning.

Mehr Energie-Effizienz ist volkswirtschaftlich sinnvoll

Entscheidend für solche Modelle sei der zukünftige Verbrauch. Da dieser aber nur geschätzt werden kann, haben die Wissenschaftler in ihren Simulationen die heutigen Strom-Verbrauchswerte angesetzt. Sollte die deutsche Volkswirtschaft in Zukunft energieeffizienter arbeiten als heute, könnte man mit entsprechend geringeren Kraftwerksleistungen auskommen. In Gebäuden halten die Wissenschaftler eine Senkung des Heizenergiebedarfs auf 50 bis 70 Prozent des heutigen Verbrauchs volkswirtschaftlich für optimal.

Infografik Methangas aus Wind- und Sonnenstrom (Grafik: DW)

Experten halten die Gasgewinnung aus Wind- und Sonnenstrom für Zukunftsweisend. Erste Anlagen gibt es.


Aus Wind- und Sonnenstrom wird Gas

Die Freiburger Energieexperten analysierten nicht nur die notwendigen Kraftwerksleistungen. Sie berechneten auch, welche Kapazitäten an Speichern und flexiblen Stromerzeugern nötig sind, um das ganze Jahr über die Versorgung in Deutschland sicherzustellen.

So kamen Henning und Palzer zu dem Ergebnis, dass eine Kapazität von 45 Gigawatt für sogenannte Power-to-Gas-Anlagen sinnvoll ist. Das ist eine Technik, die überschüssigen Wind- und Sonnenstrom nutzt, um Wasserstoff zu produzieren. In einem zweiten Schritt kann der Wasserstoff zu Methan weiterverarbeitet werden. Methan ist mit Erdgas identisch und lässt sich leicht speichern.

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