Empörung nach Mord an Holocaust-Überlebender in Paris | Aktuell Europa | DW | 27.03.2018
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Antisemitismus in Frankreich

Empörung nach Mord an Holocaust-Überlebender in Paris

Die Ermittler vermuten, dass Judenhass das Motiv für den Mord an der 85-Jährigen in Paris war. Die Öffentlichkeit reagiert entsetzt. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Tatverdächtige ein.

Frankreich Wohnhaus im 11th arrondisement in Paris (Getty Images/AFP/T. Samson)

Der Tatort - das Haus, in dem die Rentnerin lebte

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Auch die französische Regierung zeigte sich schockiert. Innenminister Gérard Collomb teilte mit, er sei empört über den abscheulichen Mord an der alten jüdischen Dame. "Alles wird unternommen werden, um die Täter dieses barbarischen Verbrechens zu ermitteln", erklärte der Minister im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte bei einem Besuch in Jerusalem, ein judenfeindliches Motiv erscheine "plausibel". Das zeige, wie wichtig der Kampf gegen den Antisemitismus sei.

Die von elf Messerstichen gezeichnete und teilweise verbrannte Leiche der Jüdin Mireille Knoll war am Freitag in ihrer Pariser Sozialwohnung gefunden worden. Eine Nachbarin hatte die Feuerwehr wegen eines Brandes gerufen. Später stellte sich heraus, dass an mehreren Stellen in der Wohnung Feuer gelegt worden war. Am Wochenende wurden zwei Verdächtige festgenommen, unter ihnen ein muslimischer Nachbar.

Ermittlungsverfahren wegen antisemitischer Gewalttat

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau wegen ihres jüdischen Glaubens Opfer der Gewalttat wurde und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit des Opfers zu einer Religion ein, wie die Behörde mitteilte. Die Verdächtigen wurden einem Ermittlungsrichter vorgeführt, um Verfahren gegen sie einzuleiten.

Vertreter der jüdischen Gemeinde Frankreichs reagierten schockiert. Großrabbiner Haim Korsia bezeichnete die Tat bei Twitter als "Horror des Verbrechens" und "Gewalt der Peiniger". Der jüdische Dachverband Crif forderte von den Behörden "vollständige Transparenz" bei den Ermittlungen und rief für Mittwoch zu einem Gedenkmarsch auf.

Flucht vor den Schergen der deutschen Nationalsozialisten

Die Ermordete war nach Angaben ihres Sohnes während des Zweiten Weltkriegs nur knapp der Deportation entkommen. Seine 1932 geborene Mutter sei 1942 mit ihrer Mutter kurz vor einer Großrazzia gegen Juden in Paris nach Portugal geflohen. Damals hatten französische Polizisten auf Veranlassung der deutschen Besatzer 13.000 Juden festgenommen. Die meisten von ihnen wurden später ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.

Zweiter Fall binnen Jahresfrist

Vor knapp einem Jahr hatte schon einmal ein Mord an einer Rentnerin die jüdische Gemeinschaft in Paris erschüttert, Der Fall Sarah Halimi hatte Kritik ausgelöst, weil die Ermittler zunächst nicht explizit von einem antisemitischen Motiv ausgegangen waren. Erst im vergangenen Monat stufte die Justiz die Tat als mutmaßlich antisemitisch ein. Die 65-Jährige war von ihrem Nachbarn unter "Allah Akbar-Rufen" vom Balkon gestoßen worden. Anwälte der Familie berichteten später, der Täter habe die Rentnerin zuvor als "Sheitan" (Teufel) bezeichnet.

qu/kle (dpa, afp, rtr)

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