Elfenbeinhandel finanziert Rebellen in Afrika | Afrika | DW | 04.09.2013
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Afrika

Elfenbeinhandel finanziert Rebellen in Afrika

Die Nachfrage nach Elfenbein nimmt weltweit zu. Rebellengruppen in Zentralafrika haben die Wilderei als Einnahmequelle entdeckt und finanzieren damit zunehmend ihre Verbrechen.

Parkranger untersuchen im Tsavo Nationalpark in Kenia einen Tatort, an dem zehn Elefanten von Wilderern für Elfenbein abgeschlachtet wurden (Foto: Stephen Morrison/epa dpa)

Gewilderter Elefant in Kenia

Wilderei und der illegale Handel mit Elfenbein gefährden nicht nur Umwelt und Artenschutz, sondern auch die Sicherheit und Stabilität von Ländern - so lautet die aktuelle Bilanz des UN-Sicherheitsrates. "Wilderei und die potentiellen Verbindungen zu anderen kriminellen und terroristischen Aktivitäten sind eine ernste Bedrohung für Frieden und Sicherheit in Zentralafrika", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Dabei benutzten die Wilderer stärkere und neuere Waffen, um Elefanten abzuschlachten.

Rebellen wie die ugandische Lord's Resistance Army LRA (deutsch: Widerstandsarmee des Herrn) nutzten die illegale Ausbeute von Elfenbein, um ihre Terror-Aktivitäten zu finanzieren. Die LRA hat nach UN-Angaben in den vergangenen 25 Jahren mehr als 100.000 Menschen in Zentralafrika getötet und zwischen 60.000 und 100.000 Kinder entführt, um sie als Kindersoldaten zu rekrutieren. Sie gilt als eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt; ihr Anführer Joseph Kony wird vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht.

Die Rebellengruppe ist heute vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan und Zentralafrika aktiv. Die LRA soll früher unter anderem vom Sudan unterstützt worden sein. Auf internationalen Druck hin soll der Sudan seine Zahlungen aber eingestellt haben. Auf der Suche nach neuen Finanzquellen setzt die Rebellengruppe offenbar verstärkt auf Elfenbein.

Rebellen greifen im Nationalpark an

Der erste Zusammenstoß mit den Rebellen im Garamba Nationalpark im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo war ein Schock für Luis Arranz. "Im Januar 2009 hat uns eine 180 Mann starke Gruppe der LRA hier in unserem Hauptquartier angegriffen. Wir haben dabei 17 unserer Parkmitarbeiter verloren. Sie sind von der LRA getötet worden", so Parkmanager Arranz.

Ein LRA-Rebell im Nationalpark (Foto: TONY KARUMBA/AFP/Getty Images)

LRA-Rebellen haben sich in den Garamba Nationalpark im Kongo zurückgezogen

Der Angriff auf das Hauptquartier sollte nicht der letzte Zusammenstoß für Arranz und die Parkwächter mit den LRA-Kämpfern sein. Die Rebellen, die den riesigen Park anfangs vor allem als Rückzugsort nutzten, machen dem Parkmanager zufolge inzwischen in großem Stil Jagd auf Elefanten, um mit dem erbeuteten Elfenbein ihren Kampf zu finanzieren.

"Wir wissen mit Sicherheit, dass letztes Jahr mindestens 15 bis 20 Elefanten von der LRA getötet worden sind", sagte der Parkmanager. Mutmaßlich ist die Rebellengruppe allerdings für viel mehr Abschüsse verantwortlich. Der World Wide Fund for Nature (WWF) spricht von bis zu 20 getöteten Elefanten an einem Tag im Garamba Park.

Elfenbein als Konfliktrohstoff

Dass Rebellengruppen in Afrika wertvolle Rohstoffe ausbeuten, um Waffen und Munition zu kaufen, ist ein bekanntes Phänomen. Etwa die sogenannten Blutdiamanten im Bürgerkrieg in Sierra Leone in den 90er Jahren oder Seltene Erden, mit denen sich Rebellengruppen im Ostkongo finanzieren. Auch Elfenbein ist inzwischen zu einem solchen Konfliktrohstoff geworden. Das gab es schon einmal in den 80er Jahren, als etwa die Rebellengruppe Renamo in Mosambik mit Elfenbein Geschäfte machte. Laut Volker Homes vom WWF sei Finanzierung von Rebellengruppen durch Wilderei zwar an sich nichts Neues. "Das ist ein Phänomen, was es immer gab, aber im viel, viel kleineren Stil", sagte der Artenschutzleiter des WWF Deutschland. Das Problem habe nun eine neue Dimension erreicht.

Ein Elefantenmuttertier mit Kind in einem Fluss (Foto: ddp images/AP Photo/Karel Prinsloo)

Elfenbein wird vor allem in Asien als Rohstoff und Geldanlage geschätzt - Rebellen dient er als Einnahmequelle

In der Region steht nicht nur die LRA im Verdacht, Elefanten zu wildern. In Kamerun etwa tauchten zuletzt bereits Wilderer der sudanesischen Dschandschawid-Reitermilizen auf. In Kenia soll die Terrorgruppe Al-Shabaab aus dem benachbarten Somalia Jagd auf Elefanten machen. Parkmanager Arranz weist darauf hin, dass seiner Erfahrung nach der Kampf gegen Rebellengruppen wie die LRA viel gefährlicher ist als gegen andere Wilderer: "Sie sind viel besser organisiert und stark bewaffnet."

Wilderei auf Rekordhoch

Laut dem WWF ist die Wilderei in afrikanischen Nationalparks auf ein trauriges Rekordhoch gestiegen: Allein 2012 wurden 30.000 Elefanten getötet. Illegaler Elfenbeinhandel ist wieder zu einem blühenden Geschäft geworden. "Es ist pervers: Elfenbein wird in Teilen Asiens inzwischen schon als Geldanlage genutzt. Der Kilopreis ist immer wieder gestiegen und liegt inzwischen bei mehreren hundert Euro", so Homes.

Kenianische Ranger bereiten die Verbrennung von 4,6 Tonnen Elfenbein im Tsavo West National Park vor (Foto: Foto: Dai Kurokawa, dpa - Bildfunk)

Beschlagnahmtes Elfenbein wird von Parkrangern verbrannt - hier in einem Nationalpark in Kenia

Vor allem in Chinas wachsender Mittelschicht finden teure Kunstobjekte und Schmuck aus Elfenbein Abnehmer. Pulverisiertem Elfenbein wird in Asien eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Die hohe Nachfrage und die internationalen Beschränkungen für den Elfenbeinhandel haben einen lukrativen, illegalen Markt geschaffen.

Das hauptsächlich in Zentralafrika gewilderte Elfenbein wird zunächst in Länder wie Kenia oder Tansania geschafft, um die Beute über den Seeweg und Zwischenstationen etwa in Malaysia oder auf den Philippinen nach China zu verfrachten. "Da gibt es dann doppelte Böden in Containern oder Elfenbein wird maskiert, als Holz beispielsweise", so Homes. Korrupte Zollbeamte erleichtern den Schmuggel.

Obwohl auch die USA und die Afrikanische Union die Jagd auf die LRA unterstützen, ist es nicht gelungen, die für ihre Brutalität bekannte Gruppe zu stoppen. "Ich glaube, die einizige Möglichkeit, mit ihnen fertig zu werden, wäre hier auf das Gelände zu kommen und zu versuchen, ihnen zu folgen“, sagte Parkmanager Arranz. Optimistisch ist er allerdings nicht. Wegen des lukrativen Elfenbeingeschäfts werde die LRA wohl auf absehbare Zeit in seinem Park bleiben.

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