Elf tote Nashörner und viele offene Fragen | Aktuell Afrika | DW | 30.08.2018
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Tierschutz

Elf tote Nashörner und viele offene Fragen

Nachdem in Kenia eine Umsiedlung der Tiere im Fiasko endete, folgt ein politisches Nachspiel: Experten richten schwere Vorwürfe gegen den WWF, die staatliche Tierschutzbehörde und den zuständigen Minister.

Spitzmaulnashorn Kenia (Imago/Chromorange)

Wegen ihres kostbaren Horns fallen die friedlichen Pflanzenfresser immer wieder Wilderern zum Opfer

Eigentlich hätte die Umsiedlung von elf Spitzmaulnashörnern, beworben unter dem Hashtag #TheBigMove, ein Beitrag zum Überleben der vom Aussterben bedrohten Tierart werden sollen. Stattdessen endete sie in einem Fiasko, als offenbar alle elf Tiere in ihrer neuen Umgebung nacheinander starben. Nun werden Vorwürfe gegen die Kenianische Behörde für Wildtierschutz (KWS) und die World Wildlife Foundation (WWF) laut, die #TheBigMove mit einer Million US-Dollar (855.000 Euro) finanziert hatte.

Ein extrem salziges Wasserloch

Die Spitzmaulnashörner aus dem Nairobi- und dem Lake-Nakuru-Nationalpark hätten im wesentlich größeren Ost-Tsavo-Nationalpark eine neue Bleibe finden sollen. Die KWS-Mitarbeiter hatten sie im Juni jedoch ausgerechnet in der Nähe einer extrem salzhaltigen Wasserquelle ausgesetzt. Nach einem vorläufigen Bericht fielen die Tiere dem ungenießbaren Wasser zum Opfer.

Kenia Nashorn Umsiedlung (Reuters/B. Ratner)

Ein weibliches Spitzmaulnashorn im Nairobi-Nationalpark vor der Umsiedlungsaktion

Zehn der Tiere waren bis Ende Juli gestorben, das letzte Überlebende war von einem Löwen attackiert worden und war nach einer Behandlung zwischenzeitlich auf dem Wege der Besserung. Laut der Nachrichtenagentur AFP ist das Tier inzwischen ebenfalls tot.

Der Chef des kenianischen Tierarztverbands, Benson Kibore, sagte, das Wasserloch sei so salzig gewesen, dass sogar ein Metallgitter am Pumpventil korrodiert sei. Als die Tiere wegen des salzigen Wassers immer durstiger wurden, tranken immer mehr und seien schließlich innerlich "vertrocknet".

Probleme waren lange bekannt

Dabei war das Problem bereits lange vor der Umsiedlung bekannt: Der frühere KWS-Chef Nehemiah Rotich war vorab mit der Prüfung des Ortes beauftragt worden und zu dem Schluss gekommen, dass es "kein guter" gewesen sei. "Ich war mir sehr sicher, dass es mit diesen Nashörnern ein riesiges Problem geben wird", sagte Rotich. Er und andere Mitglieder des KWS-Aufsichtsrates hätten die Aktion mehrfach blockiert - letztlich jedoch erfolglos. Rotich und ein anderes ehemaliges KWS-Aufsichtsratsmitglied sagten laut AFP, die Umsiedlung sei ohne gültige Zustimmung des Aufsichtsrats vonstatten gegangen. Sie beschuldigten den WWF, massiv auf die Umsiedlungsaktion gedrungen zu haben.

WWF und Minister weisen Vorwürfe zurück

Der Nashorn-Experte des WWF, Martin Mulama, wies die Vorwürfe zurück. Er habe keinerlei Druck ausgeübt und auch nichts von den Problemen mit dem neuen Ort gewusst. Die KWS habe im Gegenteil sogar versichert, der Ort sei "angemessen und sicher". Die KWS untersteht offiziell Tourismusminister Najib Balala - er hatte sogar zu einer Willkommenszeremonie in den Tsavo-Park eingeladen. Er sagte der AFP, er habe nichts von den Bedenken gewusst und wies Vorwürfe zurück, er habe die Umsiedlung kraft Amtes angeordnet. Zwischenzeitlich hatte er seinen Kritikern gesagt, sie sollten "zur Hölle fahren", entschuldigte sich aber später für die Aussage.

 Letzte Nördliche Breitmaulnashorn Weibchen (Getty Images/AFP/T. Karumba)

Noch schlimmer steht es um das Nördliche Breitmaulnashorn: Diese beiden Weibchen sind die letzten lebenden Vertreterinnen ihrer Art

Weltweit gibt es nach Angaben von Naturschützern heute gerade einmal 5500 Spitzmaulnashörner, sie leben ausschließlich in verschiedenen afrikanischen Ländern. In Kenia gab es vor 50 Jahren noch 20.000 Tiere der Art, bis 1983 schmolz der Bestand auf nur noch 350 Tiere. Seitdem ist es Tierschützern gelungen, die Zahl der Spitzmaulnashörner im Land wieder zu verdoppeln.

ehl/qu (afp, dpa, rtr)