Einflussreicher Blogger im Irak verschleppt | Aktuell Nahost | DW | 17.10.2019
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Irak

Einflussreicher Blogger im Irak verschleppt

Bewaffnete und maskierte Männer sind in Bagdad in das Haus des prominenten Bloggers Schodscha al-Chafadschi eingedrungen und haben ihn mitgenommen. Das berichtet ein Mitglied seiner Familie.

Irak Anti-Regierungsproteste in Bagdad (picture-alliance/AP Photo/H. Mizban)

Waren Berichte über Proteste wie hier in Bagdad der Anlass für die Festnahme des Bloggers?

Die Männer hätten Uniformen der irakischen Spezialkräfte getragen, als sie am frühen Donnerstagmorgen die Wohnung von Schodscha al-Chafadschi gestürmt hätten, sagte ein Angehöriger. Die Uniformierten hätten neben dem Blogger auch alle Computer und Mobiltelefone der Familie an sich genommen. Sie hätten sich weder identifiziert noch einen Haftbefehl präsentiert. Der 29-jährige Blogger habe in den vergangenen Tagen mehrmals Drohungen erhalten, in denen er gewarnt worden sei, über die jüngsten Massenproteste gegen die Regierung zu berichten. Die Behörden äußerten sich nicht zu dem Vorfall oder der Frage, ob die Männer im Auftrag des Staates handelten.

Al-Chafadschi betreibt die Facebook-Seite "Al-chuwa al-nadhifa" ("Die mit den sauberen Händen"), die im Irak zweieinhalb Millionen Abonnenten hat und Nachrichten über Politik und Gesellschaft verbreitet. In den vergangenen Tagen waren wiederholt Männer in Uniformen ohne Abzeichen in Fernsehstudios eingedrungen und hatten die Mitarbeiter drangsaliert.

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Gezielte Einschüchterungsversuche?

Die Behörden haben Ermittlungen zu den Vorfällen angekündigt. Es besteht jedoch der Verdacht, dass die Regierung darin verwickelt ist. Es gibt Vorwürfe, die Regierung versuche nach den tagelangen gewaltsamen Protesten, die Medien einzuschüchtern. Anfang Oktober waren tausende Menschen in Bagdad und anderen Städten im schiitisch geprägten Süden des Landes gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und Misswirtschaft auf die Straße gegangen. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Schüssen gegen die Demonstranten vor. Dabei wurden mindestens 110 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt.

Ausschuss soll aufklären

Nach den blutigen Massenprotesten soll ein Ausschuss die Todesfälle untersuchen. "Das Komitee soll objektive und gesicherte Erkenntnisse liefern, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen", kündigte Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi an. Der Ausschuss soll aus Vertretern irakischer Ministerien, Sicherheitsbehörden, der Gerichtsbarkeit und des Parlaments sowie einer Kommission für Menschenrechte bestehen.

Der Großajatollah Ali al-Sistani hatte die Einrichtung eines solchen Ausschusses gefordert. Der Geistliche hatte den Behörden eine Frist von zwei Wochen gesetzt, um den Tod der Demonstranten aufzuarbeiten. Al-Sistani gilt als Iraks wichtigste moralische Stimme mit großem Einfluss auf die Politik.

kle/sti (afp, ape, dpa)

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