Einer der teuersten Fotografen der Welt: Andreas Gursky | Kunst | DW | 05.10.2015
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Kunst

Einer der teuersten Fotografen der Welt: Andreas Gursky

Er ist einer der teuersten zeitgenössischen Fotografen der Welt. Seine Fotokunst hängt in Museen von München bis New York. Eine aktuelle Ausstellung zeigt auch sozialkritische Kunst von Andreas Gursky.

Schon Ende der 1980er Jahre entwickelte der heute weltberühmte Fotograf Andreas Gursky einen Hang zum Überdimensionalen. Markenzeichen des Düsseldorfers sind das extreme Großformat, digitalisiert bearbeitet. Ob er sich architektonischen Motiven oder Landschaften zuwendet: Farben setzt Gursky nur verhalten ein, seine computergestützten Bildmontagen sorgen für überraschende Wirkungszusammenhänge.

In einem Interview vergleicht Gursky seine Werke mit Malerei: "Es wäre vielleicht für euch Kunsthistoriker interessant herauszufinden, warum ein kunstgeschichtlich unbedarfter Künstler wie ich, trotzdem Zugriff auf dieses Formenvokabular hat", sagte er im Jahr 1998. Gurskys Werke sind dabei auch immer bildhaft gewordene Zeugen seiner über Jahrzehnte fortgesetzten Reisen um die Erde. Hinter seinen Bildern verbergen sich Reflexionen über die äußere und die innere Erscheinung der Welt.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist, präsentiert den faszinierenden Bildkosmos von Gursky und spannt den Bogen von den älteren ikonischen Werken des Fotografen bis hin zu seinen jüngsten Bildern. Gurskys Bild "Rhein II" aus dem Jahr 1999 gehört übrigens zu den teuersten Fotografien der Geschichte: Bei einer Auktion bei Christie's in New York wurde es mit einem Rekorderlös von umgerechnet 3,4 Millionen Euro versteigert.

Das Museum Frieder Burda solle einen anderen Blick auf die Arbeit des berühmten Künstlers ermöglichen, betont Kurator Udo Kittelmann. "Bislang stand immer die Ästhetik seiner großformatigen Fotografien im Vordergrund, aber wir wollen hier die sozialkritischen Aspekte zeigen, die sich hinter der glänzenden Oberfläche verbergen - und vielleicht erst auf den zweiten Blick für den Betrachter sichtbar werden."

Andreas Gursky gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Fotografen, seine Fotoarbeiten werden weltweit in den renommiertesten Museen ausgestellt. Werkschauen von ihm waren bereits im Museum of Modern Art in New York, im Moderna Museet Stockholm und im Haus der Kunst in München zu sehen. Seit über 30 Jahren fotografiert Gursky professionell, wenn man bei seinen digital stark bearbeiteten Fotos überhaupt noch von Fotografie reden kann. Die Überraschung in der Baden-Badener Ausstellung: Es werde ausnahmsweise ein einziges nicht digital nachbearbeitetes Foto gezeigt, sagt der Künstler und lacht dabei etwas verlegen.

Das Großformat als Markenzeichen

34 Arbeiten sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen. Für jedes der übergroß abgezogenen Fotografien braucht man sehr lange, um die Details und dann - mit Abstand - die Gesamtwirkung der kleinteiligen Arbeiten erfassen zu können. Erst auf den zweiten Blick erschließen sich die für Gursky wichtigen politische Implikationen: In der abstrakten Schönheit eines Flusslaufes in Bangkok tauchen dann verrostete Bierdosen, Müll und anderer Unrat der Großstadt auf und brechen die oberflächliche Schönheit dieser scheinbar idyllischen Landschaft.

Das Hauptbild der Ausstellung ist zugleich die neueste Arbeit des Künstlers. "Rückblick": ein riesiges Panoramabild, digital im Atelier entstanden. Die vier noch lebenden Bundeskanzler – Angela Merkel, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder – sitzen vor einem monumentalen Farbfeldgemälde des US-amerikanischen Künstlers Barnett Newman. Fünfeinhalb Meter mal zweieinhalb Meter rote Farbfläche, davor die vier Hinterköpfe in einer Fotomontage hineinkopiert.

Kein echtes Foto von Andreas Gursky, wie er erläutert: "Es ist ein Bild, was ich in der Presse entdeckt habe und was mich fasziniert hat und lange auf meinem Schreibtisch lag." Das Originalfoto zeigte andere Protagonisten, es ging damals um die Opel-Rettung, und zu sehen waren neben Minister Karl-Theodor zu Guttenberg noch Franz-Walter Steinmeier und ganz außen ein Manager des amerikanischen Autokonzerns General Motors. Für Gursky ist dieses Bild auch eine Ikone für die damalige Krisenstimmung in Deutschland, so was wie die "Götterdämmerung". "Das Bild ist jetzt durch den 3. Oktober brandaktuell. Aber es gibt keine politische Aussage zu diesem Bild."

Anfängliche Skepsis

Gursky kommt aus der berühmten "Becherschule", hat also an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Hilla und Bernd Becher Fotografie studiert. Dort hat er anfangs stark seriell gearbeitet, aber auch seine Grundhaltung als Künstler erlernt. "Das sei generell seine Arbeitsweise, eben die der Becherschule: "Unser Credo ist, dass wir uns als Künstler in gewisser Weise unsichtbar machen. Ich bewerte das, was ich fotografiere, nicht." Bescheiden ist Gursky geblieben, trotz seiner Berühmtheit. Geduldig und in präziser Wortwahl beantwortet er auch die unsinnigste Journalistenfrage: "Die Bilder kommen aus einem Kosmos, der über 30 Jahre gewachsen ist. Ich arbeite, glaube ich, mittlerweile 35 Jahre mit der Fotografie."

Die Idee für diese fast schon biografische Ausstellung kam von dem Kurator Udo Kittelmann, seit 2008 Direktor der Nationalgalerie Berlin. Vor mehr als zwei Jahren hatte er Gursky sein Konzept und den geplanten Titel vorgetragen, der zunächst skeptisch, bis ablehnend reagierte. "Das habe ich erst mal kritisch beäugt", erzählt Gursky lachend, "weil ich in der Vergangenheit meinen Ausstellungen nie einen Titel gegeben habe."

Perfektion der digitalen Bearbeitung

Die Ausstellung ist gleichzeitig auch ein Überblick über den Stand der digitalen Nachbearbeitungstechniken, die Andreas Gursky inzwischen äußerst professionell mit Hilfe seines Teams anwendet. "Meine Ansprüche an die Technik der digitalen Bildbearbeitung waren bei den frühen Bilder noch nicht so entwickelt, wie heute", erklärt er. "Wenn man das Bild genau anschaut, dann sieht man das auch. Das ist noch sehr dilettantisch montiert." Heute sei das anders, bei den aktuellen Fotografien seien die Spuren der Nachbearbeitung nicht mehr zu erkennen. "Da gibt's keine Bruchstellen, keine Nahtstellen mehr, wo man erkennen könnte, dass es sich nicht um ein reales Abbild handelt."

Viele seiner extrem großformatigen Fotografien, die in Baden-Baden locker das mehrstöckige Museum füllen - wie das Foto der riesigen Abflughalle des Frankfurter Flughafens oder die gigantischen One-Dollar-Läden in den USA oder die hektisch umtriebige Börse in Chicago - sind aus vielen Einzelfotos zusammengesetzt und im Atelier zu einer seiner berühmten Bildformate montiert worden. Auch für ihn als Künstler hat das eine Grenze der Perfektion erreicht. In der nächsten für 2016 geplanten Ausstellung wolle er dann auch wieder "echte Fotos" ohne digitale Bildbearbeitung, präsentieren. Das sei schließlich auch eine Frage der Ehre. Gursky gehört zur erfolgreichsten deutschen Fotografengeneration. Gemeinsam mit Thomas Ruff, Candida Höfer, Thomas Struth und Axel Hütte die ebenfalls zur Klasse der Becherschüler an der Düsseldorfer Kunstakademie gehören, genieß er weltweite Anerkennung. Das verpflichtet.

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