Eine Region macht mobil gegen Gentechnik | Fokus Europa | DW | 27.08.2008
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Fokus Europa

Eine Region macht mobil gegen Gentechnik

Die Gegner der Gentechnik sind erfinderisch: Mit einem Rock-Festival macht die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft in Süddeutschland gegen die Gentechnik mobil. Sie konnte sogar Joe Cocker für ihr „Woodstöckle“ gewinnen.

Mann sitzt auf einer Wiese auf dem Rock for Nature-Festival

Ein Rock-Festival gegen die Gentechnik mit den Scorpions und Joe Cocker

Wäre er nicht hier, würde er im Garten Tomaten gießen, ruft Joe Cocker auf den Acker. Von dort jubeln ihm rund 50.000 Fans zu, die meisten haben auch Tomaten im Garten, alle aber vereint: Sie sind gegen Gentechnik. Denn das ist das Motto dieses Festivals, das offiziell zwar ‚Rock for Nature’ heißt, aber die Fans sprechen nur von "Woodstöckle". Es ist wirklich ein kleines Woodstock, drunter macht es Rudolf Bühler nicht. Auf seinem Mist ist die Idee zum Öko-Festival gewachsen. Love and Peace for Nature wie damals – nur das Feindbild hat sich gewandelt: "Die neuen Herausforderungen sind zum Beispiel die Gentechnik", sagt Bühler. "Wir stehen hier am Beginn einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung, und es ist wirklich notwendig, dass man hier weltweite Netzwerke hat, um den Widerstand zu organisieren."

Schweine

Mit den Hohenloher Mohrenköpfle hat alles angefangen

Es ist die Geschichte eines Bauernaufstandes. Angefangen hat eigentlich alles mit den Hohenloher Mohrenköpfle – eine schwarz-weiß gescheckte süddeutsche Schweinerasse, sie galt schon als ausgestorben. Bühler hat sie wieder hochgepeppelt und zum Markenzeichen der Region gemacht. Vor 20 Jahren war das, als der studierte Landwirt nach sechs Jahren Entwicklungsdienst in Afrika, Asien und im Nahen Osten auf den Familienhof zurückkam inzwischen in der 13.Generation.

Gentechnik freie Region

"Nur Bauer auf der eigenen Scholle zu sein, das war mir zu eng", erinnert sich Bühler. Und da habe er beschlossen sich in die ländliche Entwicklung seiner Region einzubringen. "Es ist ja auch meine Verantwortung", sagt er. "Ich hab es doch gesehen auf der Welt, und ich könnte auch mein Maul gar nicht halten."

Rudolf Bühler hat gesehen, wie große Agrokonzerne traditionelle bäuerliche Strukturen zerstören, wie regionale Artenvielfalt durch gentechnisch veränderte Einheitssorten verdrängt wurde. Er will vorbeugen: 1988 gründete er die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft. Aus den anfänglich sieben sind nun fast 1.000 Mitglieder geworden, davon 200 reine Bio-Betriebe. Zuerst lag der Fokus auf der Zucht der schwarz-weißen Landsau, dann generell auf regionale Qualität und Vielfalt und 2003 ging man dann noch einen Schritt weiter.

Bauer im Gespräch mit Inderin

Rudolf Bühler ist für gentechnikfreie Landwirtschaft

"Wir haben uns erlaubt, die Region als Gentechnik frei auszurufen", erzählt Bühler. "Ich habe eine sehr klare Meinung dazu und ich halte nichts davon Unterschriften zu sammeln." Vielmehr müsse man den Verursachern die Stirn bieten, die meinten, Gentechnik anbauen zu wollen. "Wir wollen sauber bleiben und nicht unsere natürliche Lebensgrundlage aufs Spiel setzen."

Kaufkraft und Regionalstolz

Nicht nur, dass in der Region kein Gentechnik-Saatgut angebaut wird. Die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft – etwa ein Siebtel der Landwirte in Hohenlohe – haben sich auch verpflichtet, nichts zu verfüttern, was nicht zu 100 Prozent frei von Gentechnik ist. Damit haben sie eine Vorreiterrolle übernommen. Ihr Sonderweg zwang sogar den großen Futtermittel-Produzenten der Region, die Raiffaisen-Süd in die Knie. Nach zwei Monaten stellte der Konzern ein Kraftfutterwerk um und produziert seitdem ohne Gentechnik.

Ein Greenpeace-Aktivist kappt eine Maispflanze (20.07.1999/AP)

In der Region Hohenlohe gibt es weder Gentechnik-Saatgut noch Gentechnik-Futtermittel

Von der Zucht über die Verarbeitung im eigenen Schlachthof bis zur Vermarktung in der eigenen Markthalle – die "Bäuerliche" macht alles selbst und damit einen Jahresumsatz von 80 Millionen Euro. Und in der Region mit nur 3 Prozent Arbeitslosigkeit ist nicht nur die Kaufkraft da, das Ganze mitzutragen. Sondern auch ein gehöriges Maß an Regionalstolz darüber, selbst zu bestimmen können, was auf den Tisch kommt.

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