Eine Copa America ohne Begeisterung | Sport | DW | 04.07.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Copa America

Eine Copa America ohne Begeisterung

Kein Spektakel, keine Euphorie bei der Copa America - und das, obwohl Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar bereits im Halbfinale steht. Die Südamerika-Meisterschaft steht im Zeichen von Corona.

Bislang ist die Copa America in Brasilien keine Erfolgsgeschichte: schwache Einschaltquoten, kaum Spannung und wenig sportliche Qualität. "Brasilien ist zwar Gruppenerster geworden, doch so richtig überzeugt hat mich die Mannschaft bislang noch nicht", sagt Paolo Rink der DW nach Abschluss der Vorrunde. Der 48 Jahre alte Deutsch-Brasilianer, der 13 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte, nun aber wieder in seinem Geburtsland Brasilien lebt, vermisst bislang die Spielfreude.

Brasilien Fußball Ex-Nationalspieler Paolo Rink

Ex-Nationalspieler Paolo Rink

"Das lag allerdings auch ein bisschen an den schwachen Gegnern. Aber das Wichtigste ist, dass sie sich als Erster für die nächste Runde qualifiziert haben." Nicht gefallen hat Rink, dass die Politik so viel Einfluss auf die Nationalmannschaft und Trainer Tite genommen hat: "Man sollte die Politik und die Selecao trennen."

Rund 30.000 Tests, knapp 200 Corona-Fälle

Von Beginn an stand das Turnier in der Kritik. Ursprünglich sollte es in Kolumbien und Argentinien ausgetragen werden. Wegen der sozialen Unruhen in Kolumbien und der Pandemie-Lage in Argentinien wanderte die Copa dann aber auf Initiative des rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro ausgerechnet ins Virus-Variantengebiet Brasilien. Auf Anfrage der DW teilte das brasilianische Gesundheitsministerium mit, dass bislang 29.993 PCR-Tests bei Spielern, Delegationsmitgliedern und Dienstleistern durchgeführt worden seien. Dabei seien (Stand Ende der Vorrunde) 198 COVID-19-Infektionen bestätigt worden: 57 unter Spielern sowie Mitgliedern der Delegationen, 137 bei Dienstleistern, die für die Veranstaltung angestellt wurden, sowie vier unter Mitarbeitern des südamerikanischen Fußball-Verbands CONMEBOL.

Zu viele, findet João Luiz da Silva von der Menschenrechtsorganisation "Rio de Paz". Brasilien hat kürzlich die Marke von 500.000 COVID-Toten übersprungen. Deshalb sei es nicht angebracht gewesen, das Turnier im Land auszutragen, auch wenn die Copa - im Gegensatz zur derzeit laufenden Europameisterschaft - ohne Zuschauer und ohne internationale Reisen über die Bühne gehe und auf vier Spielorte beschränkt bleibe, sagt da Silva: "All dies ist eine weitere schwere Verletzung des Rechts auf Leben, die die Regierung, insbesondere die Bundesregierung, zu verantworten hat." Da Silva trifft damit die Stimmung in breiten, allerdings nicht allen Bevölkerungsschichten. Die Bolsonaro-Regierung wird von Wissenschaftlern und Menschenrechtsorganisationen wegen ihrer fehlgeschlagenen Corona-Politik stark kritisiert.

Leere Ränge schlagen auf Stimmung

Das bislang überschaubare spielerische Niveau der Copa sieht Ex-Nationalspieler Beto allerdings nicht in der Corona-Problematik begründet. "Nein, diese Probleme gibt es derzeit überall auf der Welt. Die gibt es ja auch in Europa, aber bei der EM sind die Spiele viel besser", sagt der ehemalige Profi des SSC Neapel im Gespräch mit der DW. Für die bislang fehlende Qualität der Spiele und die mangelnde Begeisterung für das Turnier hat er eine andere Erklärung: "Es ist sehr schlecht, in einem leeren Stadion zu spielen. Es fehlt diese Energie, dieses Verlangen, das ein volles Stadion auslöst. Leere Ränge schaden meiner Meinung nach der Leistung der Athleten." 

Kommt es zum Final-Klassiker?

Vielleicht lag es aber auch an der aufgeblähten Vorrunde der Copa America: 20 oft blasse Spiele wurden gebraucht, um aus zehn Mannschaften acht zu machen. Die beiden Favoriten Brasilien und Argentinien mit den Superstars Neymar und Lionel Messi setzten sich wie erwartet als Gruppensieger durch. Lediglich die beiden Fußball-"Zwerge" Venezuela und Bolivien schieden aus.

Copa America Fussball | Argentinien Bolivien - Lionel Messi

Lionel Messi (r.), inzwischen Rekordnationalspieler seines Landes, führte Argentinien ins Halbfinale

Für die noch übrigen acht Teams begann die Südamerika-Meisterschaft mit dem Viertelfinale erst so richtig. Am Freitag gewann zunächst Peru gegen Paraguay im Elfmeterschießen, danach setzte sich Brasilien gegen Chile durch und erreichte das Halbfinale. Einen Tag danach komplettierten Kolumbien und Argentinien die Runde der letzten Vier. Dort treffen die Brasilianer auf Peru und Argentinien auf die Kolumbianer. Der Final-Klassiker zwischen Argentinien und Brasilien ist also noch möglich - und dann käme wohl endlich auch die bisher vermisste Copa-Euphorie auf. 

Die Redaktion empfiehlt