Ein Zeichen für den Klimaschutz: Beethovens Pastorale im Corona-Modus | Musik | DW | 02.06.2020
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Beethoven

Ein Zeichen für den Klimaschutz: Beethovens Pastorale im Corona-Modus

250 Jahre nach der Geburt des Komponisten rufen Künstler weltweit zu mehr Engagement für den Klimaschutz auf. Das Beethoven-Orchester in Bonn wird am Weltumwelttag eine einmalige Version von Beethovens Pastorale spielen.

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Pastoral Project - die Kraft der Musik und der Natur

Ludwig van Beethoven liebte die Natur - und verlieh dieser Liebe in vielen seiner Werke Ausdruck. So auch in seiner 6. Sinfonie, die als Beethovens "Pastorale" bekannt ist. Zum Weltumwelttag der Vereinten Nationen am 5. Juni 2020 will das Beethoven-Orchester in Bonn mit dem Projekt "Beethoven Pastoral Project" ein Zeichen für den Klimaschutz setzen - und kreative Menschen weltweit motivieren, sich von Beethovens 6. Sinfonie inspirieren zu lassen. Wochenlang liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. National wie international waren zahlreiche Konzerte und Live-Events geplant. Doch auch hier kam durch Corona alles anders: Das "Beethoven Pastoral Project" wird jetzt zum "Digital Event", in dessen Mittelpunkt ein Live-Stream steht. Die Deutsche Welle überträgt das gesamte Projekt, bestehend aus Talks, einer Filmpremiere und der Einspielung der Pastorale, als Projektpartner aus dem Beethoven-Haus Bonn (ab 18 Uhr MEZ). Der Ort ist in der Tat symbolisch: Genau hier, in der Redoute, hatte der damals 21-jährige Bonner Hofmusikant Beethoven, von Freunden "Louis" genannt, 1792 dem renommierten Durchreisenden Joseph Haydn vorgespielt, woraufhin dieser ihn lobte und sogar einlud, ihm als sein Meisterschüler nach Wien zu folgen. Ein Ort, der Musikgeschichte atmet. 

Dirigent Kaftan und die Streicher

Sicherheitsabstand wahren: Dirigent Kaftan und die Streicher

Musizieren in Zeiten von Corona

Eigentlich besteht das Beethoven-Orchester aus fast 100 Musiker*innen, doch aufgrund der aktuellen Corona-bedingten Hygienemaßnahmen durften nur 13 von ihnen an dem "Beethoven Pastoral Project" teilnehmen. In der geräumigen marmornen Halle der Redoute, einem Ballhaus aus kurfürstlichen Zeiten, spielt das Beethoven-Orchester das Stück ein. Die sieben Bläser, die unter Generalverdacht stehen, mit ihren Instrumenten besonders viel Aerosol zu produzieren, wurden außerhalb des ovalen Gartensaals positioniert und konnten ihren Dirigenten Dirk Kaftan nur auf einem Monitor sehen.

Sieben Bläser des Beethoven-Orchesters an den Pforten

Sie müssen draußen bleiben: die sieben Bläser des Beethoven-Orchesters

"Wir durften wochenlang nicht auftreten, auch nicht in geschlossenen Räumen proben. Deshalb mussten wir ein besonderes Konzept entwickeln", erzählt Kaftan. Naturgemäß konnte man mit einem aufs Minimum reduzierten Ensemble mit nicht mal einem Musiker pro Orchestergruppe die ganze "Pastorale" in ihrer orchestralen Farbigkeit und Intensität nicht zum Erklingen bringen.

Für Dirk Kaftan ist das im Blitztempo erarbeitete Arrangement dennoch "eine Botschaft, eine Art Appetizer auf das Original, das erst wieder live zu hören sein wird, wenn die Menschheit das Corona-Virus besiegt hat." In den Worten des Musikers Kaftan schwingt Trauriges mit, eine Sehnsucht nach dem vollen Orchester-Klang. Dennoch ist diese Aufführung der "Pastorale" für ihn ein starkes Beweisstück: "Beethoven ist nicht totzukriegen. Er selbst und seine Musik haben auch viel schlimmere Zeiten und größere Katastrophen überlebt."

Hauptsache: wieder spielen!

Nach über zwei Monaten Abstinenz wieder gemeinsam spielen zu dürfen, das war für die Musiker*innen des Bonner Beethoven-Orchesters ein Geschenk. Da nur 13 Mitglieder mitmachen durften, musste kollegial verhandelt, zum Teil ausgelost werden. "Am liebsten hätten wir alle hier mitgespielt. Viele waren traurig, dass es nicht geklappt hat", erzählt Violinist Mugurel Markos, der Glück hatte und die erste Geige bei dem Pastorale-Projekt spielt. 

Beethoven-Orchester-Musiker Gillian Williams und Günter Valeri

Endlich musizieren: Beethoven-Orchester-Musiker Gillian Williams und Günter Valeri

"Es ist eine technische Herausforderung für alle, in erster Linie für uns Bläser, die wir die Streicherkollegen und den Dirigenten im  Saal nicht sehen können und so was wie eine Telepathie entwickeln müssen, um gemeinsam zu musizieren. Aber so ist es mal: Es ist eine besondere Zeit und ein besonders Projekt, das wahrscheinlich nie wieder so gemacht werden kann. Und muss, hoffentlich", fügt Soloflötist Günter Valeri hinzu.

"Es überwältigt mich regelrecht, wieder mit meinen Kollegen spielen zu können. Der unmittelbare Kontakt hat mir trotz allen digitalen Kommunikationswegen, die wir fleißig genutzt haben, unglaublich gefehlt", gesteht Gillian Williams, die Solo-Hornistin des Ensembles. "Es ist auch wunderschön, an diesem Ort zu sein, der so viel für die Musik und für Beethoven bedeutet hat."

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Trailer: Der Klang der Natur

Am 5. Juni wird der Mitschnitt perLivestream aus dem Beethoven-Haus ab 18.00 (MESZ) zu hören und zu sehen sein. In diesem Rahmen wird auch der DW-Film "Klang der Natur" zum ersten Mal gezeigt. 

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