Ein würdiger Friedenspreisträger: Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado | Kultur | DW | 18.06.2019
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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Ein würdiger Friedenspreisträger: Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado

Kein Literat, kein Politiker, kein Journalist. Mit dem Brasilianer Sebastião Salgado erhält erstmals ein Fotograf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

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Friedenspreis des Buchhandels für Fotograf Salgado

Früher hat Sebastião Salgado Menschen als Opfer abgelichtet. Nun kämpft der weltberühmte Fotograf und Fotoreporter für den Erhalt der Natur. Genau das hat die Jurorinnen und Juroren des Stiftungsrats überzeugt. Sie erkannten dem in Paris lebenden Brasilianer den mit 25.000 Euro dotieren Friedenspreis des deutschen Buchhandels zu, der alljährlich im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche überreicht wird.

"Salgado ist eine große Persönlichkeit, ein Humanist", sagt Margot Klingsporn, Leiterin der Hamburger Fotoagentur Focus, die Salgado in Deutschland vertritt, "ein mutiger, engagierter Mensch, bei dem Arbeitsethik und persönliche Ethik eins sind". In der Tat ist vieles an diesem Preisträger erstaunlich. Nicht nur, dass er eigentlich gelernter Wirtschaftswissenschaftler ist und bei frühen Dienstreisen nach Afrika eher zufällig zur Fotografie kam. Überzeugend ist vor allen Dingen, was er mit seiner Kamera aufs Korn nahm - und wie.

Mitglied der Agentur Magnum

Es ist sein dokumentarischer Blick auf die Welt und ihre Bewohner, der ihm schon früh Anerkennung einbrachte. 1973 macht er sich als Fotojournalist selbständig und brach von Paris aus zu seinen Fotoreportagen auf. Ab 1974 arbeitete er für die Foto-Agentur Sygma, bereiste Portugal, Angola und Mosambik. Dann wechselte er zur Agentur Gamma, berichtete aus Afrika, Europa und Lateinamerika. 1979 wurde Salgado in die angesehene Agentur Magnum aufgenommen.

Sebastiao Salgado Waura-Indigene am Piulaga-See (Sebastião Salgado/Amazonas Images)

Festgehalten durch die Kamera von Sebastião Salgado: Eine Gruppe Waura-Indigene beim Fischen auf dem Piulaga-See in Brasilien.

In weltweiten Langzeitprojekten nimmt Salgado seither mittels Schwarz-Weiß-Fotografie das Leben der Menschen am unteren Ende der Gesellschaft ins Visier, vor allem in Entwicklungsländern. Daraus entstanden umfangreiche Bildbände und beeindruckende Wanderausstellungen. So lotete er in den 1980er Jahren in seinem Projekt "workers - Arbeiter" die Zukunft der Arbeit aus.

Berühmt geworden ist auch seine Fotoreportage von 1986 über freiwillig hart arbeitende Goldschürfer in der brasilianischen Goldmine Serra Pelada, deren Arbeitsbedingungen mittelalterlich anmuten. Und für das New York Times Magazine fotografierte Salgado im April 1991 im zweiten Golfkrieg von Saddam Husseins Truppen in Brand gesetzte Ölquellen und die folgenden Löscharbeiten.

Für viele seiner Arbeiten wurde Salgado mit Preisen geehrt. Er ist heute Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, seit 2016 auch der französischen Académie des Beaux-Arts. Der deutsche Filmregisseur Wim Wenders drehte 2014 den Dokumentarfilm "Das Salz der Erde" - eine Hommage an den Starfotografen.

Buchcover - Sebastiao Salcado Genesis (Taschen)

Imposanter Bildband: Genesis

Beeindruckende Schwarz-Weiß-Fotografien

Mit seiner Frau Lèlia Deluiz Wanick hat Sebastião Salgado zwei erwachsene Kinder. Sie ist Architektin, gibt die meisten seiner Bücher heraus und kuratiert viele seiner Ausstellungen. In Deutschland waren Fotografien Salgados zuletzt in der C/O Berlin zu sehen. Der Zyklus "Genesis", eine visuelle Hommage an den blauen Planeten, zeigte archaische Vulkanlandschaften, arktische Eismassen, mäandernde Fluss-Canyons, von Nebel umhüllte Gebirgsketten, ursprüngliche Regenwälder und endlose Sanddünen. In opulenten Schwarz-Weiß-Fotografien dokumentiert Salgado die überwältigende Schönheit und die Artenvielfalt unberührter Flora und Fauna sowie die Lebensweise indigener Völker.

"Mit dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado zeichnet der Börsenverein einen Bildkünstler aus, der mit seinen Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden fordert und der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit verleiht", begründete der Stiftungsrat des Börsenvereins seine Entscheidung. "Zugleich hat Sebastião Salgado mit seinem 'Instituto Terra' eine Einrichtung geschaffen, die einen direkten Beitrag zur Wiederbelebung von Biodiversität und Ökosystemen leistet."

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