Ehemann von Asia Bibi bittet Westen um Asyl | Aktuell Asien | DW | 04.11.2018
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Gotteslästerung

Ehemann von Asia Bibi bittet Westen um Asyl

Nach wütenden Protesten radikaler Muslime in ihrer Heimat Pakistan, fürchtet die Familie der Christin Asia Bibi jetzt um ihr Leben. Sie hofft nun, in einem anderen Land Zuflucht finden zu können.

Pakistan | Ashiq Masih (Getty Images/AFP/B. Stansall)

Ashiq Masih mit Tochter Eisham

Nach der erlösenden Nachricht der baldigen Freilassung kam die Hoffnungslosigkeit schnell wieder zurück. Am vergangenen Mittwoch hob das Oberste Gericht Pakistans das Todesurteil gegen die Christin Asia Bibi auf und sprach die Frau vom Vorwurf der Gotteslästerung frei. Die anschließenden tagelangen Proteste radikaler Muslime gegen die Gerichtsentscheidung machten Bibi und ihrer Familie aber deutlich, dass sie in ihrer Heimat keine sichere Zukunft mehr haben, zumal den Islamisten von Seiten der Regierung mittlerweile das Recht eingeräumt wurde, Berufung gegen die höchstrichterliche Entscheidung einlegen zu dürfen.

Der Fall Asia Bibi ist also juristisch noch nicht abgeschlossen. Das Schicksal der 51-Jährigen, die vorerst im Gefängnis bleiben muss, hängt weiter in der Schwebe. In einer der BBC vorliegenden Videobotschaft bat ihr Ehemann Ashiq Masih nun einige westliche Staaten um Asyl - allen voran Großbritannien. "Ich bitte die Premierministerin des Vereinigten Königreichs, uns zu helfen und uns, soweit möglich, Freiheit zu gewähren", so Masih in dem Video. Auch Kanada und die USA habe er darin um Hilfe gebeten, heißt es.

Pakistan Unruhen wegen Freilassung Christin Blasphemie ASWJ (Getty Images/AFP/A. Qureshi)

Radikale Muslime protestierten in Islamabad gegen die Freilassung Bibis

Wilson Chowdhry vom Verband der christlichen Pakistaner in Großbritannien hält die Sorgen der Familie durchaus für berechtigt. Selbst entfernte Verwandte müssten sich in Sicherheit bringen: "Wenn Asia Bibi das Land verlässt, wird jeder Familienangehörige, jeder Mensch mit Verbindung zu ihr, getötet werden."

Bibis Ehemann hatte bereits am Samstag in einem Interview mit der Deutschen Welle berichtet, die Familie sei nach der Zulassung der Berufung nirgendwo mehr sicher. Er und die gemeinsamen Töchter wechselten aus Sicherheitsgründen ständig den Aufenthaltsort. Er habe zudem Sorge, dass seine Frau im Gefängnis angegriffen werden könnte.

Auch Anwalt in Gefahr

Bibis Anwalt Saiful Malook verließ aus Sorge um sein Leben am Samstag Pakistan und flog über Rom nach Amsterdam. Der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" schilderte er die Stunden nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs. So habe er sich am vergangenen Freitag unmittelbar nach Verlassen des Gerichtssaals verstecken müssen.

Nachdem schließlich ein schon länger beantragtes Visum genehmigt worden sei, habe er Pakistan verlassen, um nach Italien zu fliegen. Dazwischen sei nicht einmal mehr Zeit gewesen, um nach Hause fahren und Kleidung holen zu können. 

Verstoß gegen Blasphemie-Gesetz

Der Christin Bibi war vorgeworfen worden, sich 2009 bei einem Streit mit muslimischen Frauen abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Die fünffache Mutter war daraufhin festgenommen worden und im Jahr darauf nach dem in Pakistan geltenden Blasphemie-Gesetz zum Tode verurteilt worden.

Ihr Anwalt Malook hat das Mandat nach eigenen Angaben aus professionellen Gründen angenommen. "Das ist keine Frage der Religion, sondern ein Fall, in dem es keine Beweise gab", so Malook. Es habe sich schlicht um eine falsche Beschuldigung gehandelt. 

djo/AR (afp, dpa, kna)

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