Durchbruch bei Friedensgesprächen für Kolumbien | Aktuell Amerika | DW | 24.09.2015
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Aktuell Amerika

Durchbruch bei Friedensgesprächen für Kolumbien

Seit Jahren schon verhandeln die FARC-Rebellen und die kolumbianische Regierung über den Frieden - nun ist das Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in Kolumbien in greifbare Nähe gerückt.

Kubas Präsident Raul Castro (M.) zwischen Kolumbiens Staatschef Santos (l.) und FARC-Anführer Londono (Foto: Reuters)

Kubas Präsident Raul Castro (M.) vermittelte zwischen Kolumbiens Staatschef Santos (l.) und FARC-Anführer Londono

Schon einige Hürden hatten die linksgerichteten FARC-Rebellen und die Regierung Kolumbiens auf dem Weg zum Frieden gemeinsam genommen, nun scheinen sie auch die letzte gemeistert zu haben. Beide Seiten einigten sich in Kubas Hauptstadt Havanna auf die Aufarbeitung des mehr als 50-jährigen Konflikts in dem südamerikanischen Land. Im Beisein des kubanischen Staatspräsidenten Raul Castro unterzeichneten sie ein entsprechendes Abkommen.

Historisches Treffen

Damit ist der Weg für einen endgültigen Friedensvertrag frei. Er solle spätestens im März 2016 unterzeichnet werden, kündigte der kolumbianische Staatschef Juan Manuel Santos an. Für die Verkündung waren er und FARC-Anführer Rodrigo Londoño alias "Timochenko" erstmals direkt zusammengekommen.

Für politische Straftaten werde eine weitreichende Amnestie gewährt, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebe es hingegen keinen Straferlass. Wer seine Beteiligung an schweren Verbrechen einräume, müsse mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Die juristische Aufarbeitung des Bürgerkriegs galt als schwierigstes Hindernis für den Erfolg der Verhandlungen.

FARC-Rebellen (Foto: picture alliance)

Der bewaffnete Kampf ist vorbei: FARC-Rebellen

Ein langer Verhandlungsweg

Kolumbien befindet sich seit den 1960er Jahren im Bürgerkrieg. In dem Land bekämpfen gleich mehrere linke Rebellenorganisationen die Staatsmacht. Die marxistischen Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) gründeten sich 1964 und sind die größte Guerillagruppe. Sie verhandeln seit fast drei Jahren mit der Regierung über einen Friedensvertrag. Während die FARC-Rebellen eine einseitige Waffenruhe erklärt haben, ist die kleinere Rebellentruppe ELN noch immer sehr aktiv und verübt vor allem Anschläge auf die Erdölindustrie.

Hunderttausende Tote, Millionen Vertriebene

Bis Mitte der 2000er Jahre waren auch rechte Paramilitärs in den Konflikt verwickelt. Ihnen werden schwere Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt. Nach ihrer Demobilisierung schlossen sich viele Kämpfer kriminellen Banden an. Mehr als 220.000 Menschen wurden bislang in dem Konflikt getötet. Zudem wurden Millionen Kolumbianer aus ihren Heimatorten vertrieben. Viele flohen in die Elendsviertel am Rande der Großstädte. Die Regierungsstelle für Kriegsopfer zählt mehr als 7,6 Millionen direkte und indirekte Opfer des Bürgerkriegs. Nach Afghanistan ist Kolumbien das Land mit den meisten Landminen-Opfern.

Nach Unterzeichnung des angestrebten Friedensabkommens mit der linken Guerilla will die kolumbianische Regierung bis 2021 alle Kriegsopfer finanziell entschädigt haben. Ein zehnjähriges Millionen-Programm soll auch die Rückkehr von Flüchtlingen vor allem in den ländlichen Regionen ermöglichen.

cw/wa (dpa, afp, kna)

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